„Dirtytech“ – Das Risiko der Tiefseeölbohrungen

Das Thema beherrscht derzeit die Medien: Die Ölkatastrophe im Golf von Mexiko. Auslöser ist der verheerende Unfall auf der Ölplattform „Deepwater Horizon“, die größtenteils Öl für den Konzern BP gefördert hat. Da stellt sich die Frage, wie sicher solche Ölbohrungen in der Tiefsee sind.

Bisher wurde Öl hauptsächlich in küstennahen Gewässern gefördert, also in flachem Gewässer. Allerdings verlangt die ungebremste Nachfrage nach dem „schwarzen Gold“ danach, immer neue Ölvorkommen zu erschließen. Da die küstennahen Vorkommen bald ausgebeutet sein werden, wagt man sich in tiefere Gewässer, in denen noch gewaltige Vorkommen vermutet werden.

Allerdings sind solche Bohrungen, wie einem das Beispiel der „Deepwater Horizon“ eindrucksvoll vor Augen führt, nicht ohne Risiko. Die Bohrungen nach Öl in Tiefen von 1.500 Metern und mehr unter dem Meeresspiegel sind erst seit relativ kurzer Zeit überhaupt technisch realisierbar. Entsprechend gibt es in der Anwendung dieser Verfahren kaum Erfahrungswerte und man bewegt sich am technischen Limit. Die Bedingungen in solchen Tiefen sind durch starke Vibrationen, extreme Temperaturen und hohen Druck geprägt. Mit Blick auf das höchst profitable Geschäft mit dem Öl sind die Risiken, die mit innovativen und neuen Techniken immer einher gehen, offensichtlich unterschätzt worden.

Nach eigenen Angaben belaufen sich die Kosten in Folge des Bohrunglücks für BP bisher auf über 600 Millionen US-Dollar. Da erst zirka 40 Prozent des ausströmenden Öls kontrolliert abgepumpt wird und eine vollständige Abdichtung der Lecks nach mehreren Fehlversuchen nicht absehbar ist, wird der rein monetäre Schaden für BP in die Milliarden gehen. Die ökologischen Auswirkungen sind kaum zu beziffern. Entsprechend stürzt der Aktienkurs von BP ab.

Nachdem auch Versäumnisse bei der Genehmigung der Plattform und bei der Sicherheitstechnik ans Licht kommen, sieht sich der Konzern, der in der Finanzwelt in zahlreichen Nachhaltigkeitsindizes geführt wird, in der Vertrauenskriese. Eine wichtige Dimension der Nachhaltigkeit ist auch das Vermeiden großer Risiken.

Oliver Hölzinger

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