Die Vision von der Begrünung des Tour Eiffel

Eiffelturm

Bekannt für ökologische Visionen sind sie ja nicht gerade, die Franzosen. Dennoch lassen sich in der Hauptstadt ökologische Nischen finden. Seit rund fünf Jahren sind diverse Projekte auf dem Vormarsch. Vor allem vertikale Gärten scheinen an Beliebtheit zuzunehmen.

In die Kategorie der Fassadenbegrünung gehören Pflanzenflächen auf Mauern und Fassaden, die für eine Abwechslung des Stadtbildes sorgen. Nützlich ist diese vor allem klimatisch in Form von Abkühlung, Staubbindung und Sauerstoffbildung. Eine grüne Mauer am Gare de Magenta setzt sich beispielsweise aus über 3.000 Pflanzen, darunter mehr als 31 verschiedene Arten, zusammen. Die Vegetation schafft somit einen Lebensraum für die städtische Fauna. Und vertikale Gärten lassen sich auch selbst gestalten.

Als ein Unternehmen Ende letzten Jahres sein Projekt vorstellte, ging es den Parisern mit der Begrünung der Stadt dann aber doch zu weit: Der Eiffelturm war ins Visier der Ökoarchitekten geraten. Nach einer Umfrage der Zeitung Le Figaro ist eine Mehrheit von über 70 Prozent gegen das Projekt. Die Idee eines grün erscheinenden Eiffelturms kommt vom Ingenieurbüro Ginger, das regelmäßig ökologische Projekte initiiert. Es feilt seit einem Jahr an der Idee.

Das Projekt soll über vier Jahre laufen und bis zum Jahr 2016 für eine Vergrünung der Sehenswürdigkeit sorgen. 600.000 Pflanzen sollen den Plänen nach bis Juni dieses Jahres angezogen, um alsbald auf dem Eiffelturm befestigt zu werden. Die theoretische Auswahl der Pflanzen erfolgte nach Kriterien wie den klimatischen Bedingungen. Zusätzlich würden Hanfseile die Konstruktion befestigen und Materialien aus Kautschuk das Wasser leiten. Zusammen mit den Pflanzen würde die Befestigung 378 Tonnen wiegen. Die Visionäre waren kürzlich für dieRenovierung der ersten Etage des Eiffelturms zuständig und inspizierten die „eiserne Dame“ bereits ausgiebig.

Die Stadt von Paris und die Gesellschaft zur Betreibung des Eiffelturms dementierten die Realisierung des Projekts jedoch. Auch der Guardian äußerte sich kritisch zu dem Projekt. Dabei ist zumindest die Unsicherheit in Sachen Finanzen unbegründet, da Geldmittel von privaten Investoren bereitgestellt werden sollen. Der Baumulti Vinci sowie andere Unternehmen und Banken würden die Kosten von 72 Millionen Euro übernehmen.

Patrick Blanc, ein Architekt, der schon einige Projekte in Paris realisierte, erscheint die Idee dagegen durchaus realistisch. Nach ihm müsste aber die Wasserrückgewinnung und das elektrische System gut geplant werden. Schon vor zwei Jahren hatte er die Idee eines grünen Gürtels für die erste Etage des Eiffelturms.

Der Vorteil des grünen Eiffelturms wäre übrigens eine positive CO2 Bilanz. Die eingesetzten Pflanzen würden 87,8 Tonnen Kohlenstoffdioxid aufnehmen während durch den Energieverbrauch des Eiffelturms 84,2 Tonnen CO2 entstehen.

Richtig losgelassen scheint das Projekt den Bürgermeister von Paris dann aber doch nicht zu haben: So griff er – trotz Absage der Begrünung – die Idee eines grünen Eiffelturms in einem Werbeplakat für das Jahr 2012 auf.

Jenny Lohse

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