Die Müllinsel

Müllinsel im Pazifik

Über die genauen Ausmaße des „Garbage Patch“ im Pazifik, dessen einer Teil sich östlich, der andere westlich von Hawaii befindet, sind sich die Forscher bislang nicht einig. Auf einer Fläche, etwa vier Mal so groß wie Deutschland, von manchen Experten gar so groß wie die Vereinigten Staaten geschätzt, hat sich eine gigantische Endlagerstätte für Plastikmüll gebildet. Mehr als 100 Millionen Tonnen Abfall, Dank Meeresströmung und Erdrotation gesammelte Werke aus der ganzen Welt, werden hier vermutet.

Problematisch ist vor allem der Zerfall der Kunststoffe durch Abrieb und Lichteinwirkung in kleinste Teilchen, die zum Teil von Fischen gefressen werden und zudem bei der Zersetzung potenzielle Giftstoffe freisetzen. Die größeren Plastikteile haben sich hingegen unzählige Meeresbewohner als neuen Lebensraum auserkoren, die erste Besiedelung hat also bereits stattgefunden. Das könnte sich jedoch bald ändern, zumindest, wenn es nach Ramon Knoester geht.

Der Architekt aus Rotterdam plant eine gigantische, schwimmende Müllinsel im Pazifik, die durchaus Ähnlichkeiten zu Neal Stephensons Roman „Snow Crash“ aufweist. Nicht nur, dass die Niederländer bereits Erfahrung in der Gewinnung von Nutzland aus dem Meer haben, auch die Besiedelung künstlicher Schwimm-Inseln ist keineswegs eine Erfindung der Neuzeit. Im deutlich kleineren Maßstab, als der von Knoester geplante, leben bereits seit langem etwa die Uro-Indianer auf schwimmenden Dörfern im Titicacasee oder die Moken-Seenomaden auf ihrem schwimmenden Lebensraum im südchinesischen Meer.

Mindestens 10.000 Quadratkilometer groß soll Knoesters Recycling-Insel werden, damit sie bei starkem Seegang nicht umkippt. Auf dieser Fläche hätten dann bis zu 500.000 Menschen Platz für ein neues Leben, die sich durch Strömung, Sonne und Wind selber mit Energie versorgen könnten. Fraglich ist jedoch, ob sich die Vision des Niederländers umsetzen lässt. Gleich vor Ort sollen die großen Plastikteile aus dem Meer gefischt, gesäubert, geschreddert und geschmolzen und danach zu luftgefüllten Bauklötzen gepresst werden. Angesichts der vielen verschiedenen Kunststoffsorten, die sich nur begrenzt miteinander verarbeiten lassen, bleibt die Frage der Wirtschaftlichkeit, ebenso wie die finanziellen Aspekte seines Vorhabens ungeklärt.

Judith Schomaker

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