Die EinDollarBrille – Hilfe für 150 Millionen Menschen

Rund 150 Millionen Menschen bräuchten eine Brille, können sich aber keine leisten. Sie können nicht lernen, nicht arbeiten und nicht für ihre Familie sorgen. Ihnen kann jetzt geholfen werden: mit der EinDollarBrille. Hintergrund: Die Materialkosten dieser Brille liegen bei nur einem US-Dollar. Damit wird diese Brille auch für sehr arme Menschen bezahlbar.

Laut einer WHO-nahen Studie leiden rund 150 Mio. Menschen weltweit an einer Sehschwäche, die mit einer einfachen Sehhilfe behoben werden könnte. Sie können sich aber keine leisten oder haben keinen Zugang zu Brillen. Denn in vielen Entwicklungsländern kommen auf Millionen von Menschen nur einige Dutzend Optiker und Augenärzte. Diese sind meist in den Städten niedergelassen – die Bevölkerung auf dem Land muss ohne Sehhilfen auskommen. Gleichzeitig leben viele Menschen von einem Dollar oder weniger am Tag und haben weder das Geld für eine Reise in die Stadt noch für eine herkömmliche Brille. Ihre Armut verschärft sich durch die Fehlsichtigkeit: eine Näherin kann den Faden nicht mehr einfädeln, ein Kind die Schultafel nicht lesen, ein Taxifahrer verliert seinen Job und kann seine Familie nicht mehr ernähren.

EinDollarBrille: einfach und schnell hergestellt – auch ohne Strom
Martin Aufmuth, ein Mathematik- und Physiklehrer aus Erlangen in Bayern, möchte das ändern. In monatelanger Tüftelarbeit hat er eine Brille erfunden, die sich aus einfachem Federstahldraht auf einer Handbiegemaschine vor Ort herstellen lässt. Kernstück der Erfindung ist die Biegemaschine, die ohne Strom auskommt. Damit kann sie auch in afrikanischen Dörfern eingesetzt werden, in denen es keinen oder nur selten Strom gibt. Das gesamte Werkzeug für die Herstellung der EinDollarBrille passt in eine Holzkiste, die so groß ist wie ein Paket. In das fertig gebogene Brillengestell werden Linsen aus Polycarbonat einfach eingeklickt. Für mehr Tragekomfort werden über einem Feuer Schrumpfschläuche aufgeschrumpft. Die Brillen sind extrem leicht und gleichzeitig stabil, so dass sie auch in unmöblierten, staubigen Hütten eine lange Lebensdauer haben. Kleine Perlen und farbige Schrumpfschläuche machen jede Brille außerdem zu einem individuellen Schmuckstück.

Einfache Herstellung und neue Arbeitsplätze vor Ort
Die EinDollarBrille-Optiker werden in 14-tägigen Intensivtrainings geschult. Die Bedienung der Biegemaschine ist so einfach, dass jeder durchschnittlich begabte Mensch – sogar ein Analphabet – innerhalb von ca. 2 Wochen das Biegen der Brillen erlernen kann. Es werden auch Grundbegriffe der Optometrie gelehrt. Das Vertriebskonzept der EinDollarBrille sieht vor, dass der Verkäufer mit den gebogenen Rahmen und einem Koffer mit Linsen in halben Dioptrienschritten von -6 bis +6 zu den Menschen in die Dörfer kommt. Mittels einer einfachen Sehprobentafel wird die Sehstärke ermittelt und die Brille angepasst. Die Materialkosten liegen bei rund 1 US-Dollar. Der Verkaufspreis für die Brille richtet sich nach den Löhnen und Steuersätzen im Verkaufsland und liegt bei 2 bis 5 US-Dollar. Das Konzept von Martin Aufmuth überzeugt auch deshalb, weil es keine „Hilfe von außen“ bringt, sondern Arbeitsplätze vor Ort schafft.

Erfolgsprojekt – weltweite Resonanz
Erst im vergangenen Jahr ist das Projekt EinDollarBrille mit zwei Trainingsdurchläufen in Ruanda an den Start gegangen. Innerhalb kürzester Zeit wurde es zu einem vollen Erfolg: zahlreiche Medien berichteten, immer mehr Organisationen beteiligten sich, es konnten weitere Trainings in Burkina Faso, Bolivien und Äthiopien durchgeführt werden. Im November 2013 wurde die Erfindung von Martin Aufmuth mit dem empowering.people Award der Siemens-Stiftung ausgezeichnet, als bestes Projekt von über 800 eingereichten Bewerbungen weltweit! Seitdem gibt es Anfragen aus aller Welt. Anfang 2014 waren zwei Trainer-Teams unterwegs, um die EinDollarBrille nach Malawi und Nicaragua zu bringen. Im April 2014 durfte Martin Aufmuth sein Projekt in einem Vortrag bei den Vereinten Nationen in Genf präsentieren – es wurde als wegweisend gelobt. Im Verlauf des Jahres wurden weitere Trainings durchgeführt in Brasilien, Benin und Bangladesh.

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Unterstützer gesucht
Der EinDollarBrille e.V. ist ein gemeinnütziger Verein, der nur durch das große Engagement seiner Unterstützer erfolgreich arbeiten kann. Langfristig sollen die EinDollarBrille-Optiker kostendeckend und auf eigene Rechnung arbeiten, sie brauchen allerdings eine Anschubfinanzierung für die Biegemaschinen. Außerdem müssen Trainings durchgeführt und Material in die Länder gebracht werden. Der noch junge Verein braucht dabei Unterstützung: Leute, die mitarbeiten wollen und Spendengelder. Optiker können in ihren Läden Werbung machen für das Projekt oder z.B. einige Euro pro verkaufte Brille spenden – und damit ihr soziales Engagement verdeutlichen. Der Verein stellt gerne Werbematerial und Flyer zur Verfügung. Weitere Informationen unter: www.eindollarbrille.de
Spendenkonto:
Sparkasse Erlangen
Konto: 60044415
BLZ: 76350000
IBAN: DE56 7635 0000 0060 0444 15

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