Deutsche Bauern wollen ihre Tiere besser halten

Fast 4.700 Bauern haben sich für die Initiative Tierwohl registriert. Leider bekommt nur weniger als die Hälfte von ihnen Geld.

Viele Landwirte in Deutschland würden sich bessere Bedingungen für ihre Tiere wünschen. Doch die sind offenbar oft zu teuer. Wenn mehr Geld zur Verfügung stehen würde, könnten die Tiere demnach auch unter besseren Bedingungen leben. Daher haben sich nun fast 4700 deutsche Bauern für die „Initiative Tierwohl“ beworben. Dabei können die Bewerber Geld aus einem Fond erhalten, das dann für eine verbesserte Haltung der Tiere verwendet werden soll – beispielsweise für größere Ställe.

Mit der Initiative Tierwohl setzt sich erstmals in Deutschland ein Verband aus Einzelhandelsunternehmen, Landwirtschaft und Fleischwirtschaft zusammen für mehr Tierwohl in der Fleischerzeugung ein, schreiben die Initiatoren auf der Website der Initiative Tierwohl. Das Ziel dabei sei, die Standards in der Nutztierhaltung für Schweine und Geflügel auszubauen. Dazu wurde – zunächst allerdings nur für die Schweinehaltung – ein Fonds gegründet, in den unter anderem große Einzelhandelsketten wie Lidl oder Aldi seit 1. Januar 2015 je vier Eurocent pro verkauftes Kilo Fleisch abführen. Die taz schrieb allerdings, insgesamt wollen die Firmen jährlich nur 52 Millionen Euro einzahlen.

Insgesamt haben sich 4.653 Betriebe für die Initiative beworben, teilten die Initiatoren am Montag mit. „Wir sind beeindruckt und erfreut über dieses extrem hohe Engagement der Landwirte“, erklärt Dr. Alexander Hinrichs, Geschäftsführer der Initiative Tierwohl. „Dieses Ergebnis zeigt deutlich: Die deutschen Landwirte haben Tierwohl auf der Agenda.“ Wir können nun für eine Vielzahl an Tieren eine tiergerechtere Haltung ermöglichen. Das ist ein absolut erfolgreicher Start der Initiative Tierwohl“, so Hinrichs weiter. „Ohne die teilnehmenden Unternehmen des Lebensmitteleinzelhandels wäre das nicht denkbar gewesen. Sie finanzieren mit ihrem Beitrag letztlich die Umsetzung von Tierwohlkriterien für 12.030.514 Schweine.

Das klingt zunächst gut, bei genauem Hinsehen wird aber deutlich: Der bisherige Fonds reicht nur für die Unterstützung von 2.142 Betrieben. Somit geht mehr als die Hälfte der Bewerber leer aus. Doch immerhin rund 12 Millionen Schweine aus den zugelassenen Betrieben können nun künftig auf bessere Bedingungen hoffen, bis sie letztendlich geschlachtet werden. Das ist etwa ein Fünftel der jährlich in Deutschland geschlachteten 60 Millionen Schweine. Das Geld soll verwendet werden für den Bau größerer Ställe oder für die Beschaffung von „zusätzlichem organischem Beschäftigungsmaterial“. Was genau die Bauern mit dem Geld machen wollen, mussten sie bei der Bewerbung angeben.

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Die mehr als 2.500 Betriebe, die leer ausgingen, kommen zunächst auf eine Warteliste. Die Initiative versucht nun, Einzelhändler mit den bisher nicht bei ihr vertretenen 15 Prozent Marktanteil, Fleischverarbeiter und die Gastronomie als zusätzliche Geldgeber zu rekrutieren, um auch diesen Bewerbern die Teilnahme zu ermöglichen. DBV-Präsident Joachim Rukwied sagte dazu: „Jetzt ist die gesamte Wertschöpfungskette gefordert, allen teilnahmewilligen Tierhaltern die Beteiligung zu ermöglichen“. Auch der agrarpolitische Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion, Friedrich Ostendorff, sagte der taz, um glaubwürdig zu sein, müssten die Fleischindustrie und der Lebensmitteleinzelhandel nun Geld nachschießen.

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