Der französische Klimaschutz

Während in Deutschland die Erneuerbaren gnadenlos auf dem Vormarsch sind und Laufzeitverlängerung und Castortransporte immer wieder zu großangelegten Protestaktionen führen, macht man sich in Frankreich lieber Sorgen über wichtigere Dinge – wie beispielsweise die Rente. Proteste a la „Atomstrom – nein Danke“ wird man dort kaum antreffen. In Deutschland hingegen traut man sich nicht einmal mehr, an den Bau neuer Atomkraftwerke überhaupt nur zu denken. In Frankreich stört sich niemand an den bislang 58 Meilern, warum auch?

Man könnte meinen, die französische Bevölkerung würde absichtlich „dumm“ gehalten, wie sonst lässt sich erklären, dass dort Strom in Mengen verbraucht wird – mit politischer Unterstützung – und das alles unter dem Mantel der Klimafreundlichkeit. Der „saubere Atomstrom“ wird um jeden Preis an den Mann gebracht, je mehr verbraucht wird, um so besser, es ist ja schließlich „sauberer“ Strom. Alleine der Run auf den Elektroautomarkt gerät so in ein wenig nachvollziehbares Licht. Elektroautos sind zwar klimafreundlicher als ihre treibstoffbetriebenen Gegenspieler, doch unter dem Aspekt, dass der in die Batterien eingespeiste Strom aus Atomkraftwerken stammt, ist das für deutsche Gedankengänge völlig irrsinnig.

Hinzu kommt, dass Atomstrom in Frankreich zur absoluten Normalität gehört. Zwischenfälle übrigens auch! Die Sensibilitätsschwelle ist hierzulande wesentlich höher gesteckt. Ein „Unfall“ in deutschen Kraftwerken macht lange Schlagzeilen, das Sicherheitsmanagement wird in Frage gestellt und im Zweifel wird der Meiler lieber abgeschaltet. In Frankreich kümmert es kaum jemanden, wenn die ein oder andere kleine Panne ein „paar“ Menschen mit radioaktiven Partikeln verseucht. So richtige Unfälle, die auf der Skala von 0 – 7 über die Kategorie 2 hinausgehen (ab 3 handelt es sich um einen „ernsten“ Störfall) gab es dort schließlich seit über zwanzig Jahren nicht mehr. Kein Wunder, wurde doch der neuerliche Vorfall im Atomkraftwerk Fessenheim und auch die Pannenserie im Kraftwerk Tricastin nur als Kategorie 0 – 1 eingestuft.

Die französische Energiepolitik scheint zu funktionieren, nur leider auf der Basis von Atomenergie, erneuerbare Energien fristen ein Nischendasein. Bis in Frankreich das Thema „Atomstrom – nein Danke“ überhaupt Erwähnung findet, vielleicht der ein oder andere Protestler auf die Straße geht, dürfte noch eine sehr lange Zeit vergehen. Sofern sich Frankreich mit seinen „nicht erwähnenswerten Pannen“ nicht irgendwann selber ausradiert.

Judith Schomaker

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