Das autarke Müllhaus

alte Autoreifen

Einen langen Weg ist Bioarchitekt Mike Reynolds für seine Vision gegangen, auf dem ihm nicht zuletzt Orkan Katrina zu Erfolg und Anerkennung verholfen hat. Bereits in den 70er Jahren begann der Amerikaner, Lösungen für seine Idee zu finden. Er wollte eine neue Art Haus schaffen, das drei wesentliche Punkte beinhalten sollte:

Ein Haus, das nachhaltig, autark und von jedem umsetzbar ist. Mit diesem Ziel vor Augen begann Reynolds, geeignete Baustoffe zu suchen und stieß schließlich nach langer Zeit des Experimentierens auf alte Autoreifen. Ein Material, was nicht nur reichhaltig zur Verfügung stand, sondern überdies auch hervorragende Eigenschaften für den Hausbau besaß – Formstabilität, gute Dämmeigenschaften und nahezu unentflammbar! Leere Flaschen sollten die Zwischenräume der gestapelten Autoreifen füllen – eine Haushülle aus Müll. Ebenso innovative Ideen sollten Strom-, Wärme- und Wasser in das Earthship bringen. Eine komplett verglaste Front, ein geschlossenes Wassersystem in Form einer eigenen Bio-Kläranlage und natürlich die Ausnutzung von Wind und Sonne durch Photovoltaik und Windkraft. Reinfälle gab es auf dem langen Weg hin zum „perfekten“ Earthship für Reynolds ebenso, wie spektakuläre Durchbrüche.

Sein größtes Problem auf dem Weg zum autarken Haus stellte sich jedoch durch die strengen Bauauflagen sowohl in den USA als auch im Großteil der europäischen Länder. Etliche Prozesse folgten, in denen er seine innovativen Ideen verteidigen musste. Angefangen von der illegalen Müllentsorgung bis hin zum Verbot eigener Kläranlagen, hatte der Amerikaner so einige Prozesse zu führen. Mit dem bitteren Ergebnis, dass ihm seitens der Staatsanwaltschaft die Architektenlizenz entzogen wurde. Erst Jahre später erhielt er diese mit einer Vielzahl an Auflagen wieder.

Die Not der Menschen und sein unermüdlicher Ehrgeiz, an seiner Idee festzuhalten, brachten Mike Reynolds dann doch den erhofften Erfolg und die Anerkennung der Behörden. Nachdem er in vielen Katastrophengebieten den Menschen wieder neuen Mut brachte und ihnen zeigte, wie man aus Trümmern neuen Lebensraum bauen kann, nicht zuletzt im eigenen Land nach Orkan Katrina, gab es von den Behörden endlich Sondergenehmigungen für Reynolds autarke Müllhäuser. Seither schwappt die Müllwelle auch nach Europa. Im Jahr 2000 begann der Architekt mit dem Bau eines Earthships in Belgien, 2004 folgte die Eröffnung des ersten Earthships in England und auch in Frankreich und den Niederlanden vollzog sich der Earthshipbau weiter. Das erste „Earthship-Dorf“ soll nun in Olst (Niederlande) entstehen und bis zum Jahr 2013 fertiggestellt sein. Die ganze Odyssee des Mike Reynolds wurde zudem im Jahr 2007 unter dem Namen „Garbage Warrior“ verfilmt und verhalf zudem zu mehr Beliebtheit des Earthship-Konzepts.

Judith Schomaker

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