Covid 19: Woher kommst du? Wohin gehst du?

Drei von vier neue Infektionskrankheiten werden von Tieren auf den Mensch übertragen. Das müsste nicht sein.

Das Coronavirus ist ein Thema, dass die Meinung spaltet. Doch ob nun alle derzeitigen Maßnahmen gerechtfertigt sind oder nicht – ein anderer Aspekt des Problems bleibt weitgehend unbeachtet: Covid-19 und viele andere Viren müssten eigentlich gar keine Gefahr für die Menschheit sein. Wir schaffen uns diese Krankheiten oft selbst. Wie wir das machen, und warum das aktuelle Virus nur ein Vorgeschmack zu dem ist, was uns noch erwarten könnte.

Das Virus betrifft uns alle

Das Coronavirus ist gerade überall. Jeder ist davon betroffen –zumindest indirekt. Bei großen Teilen der Bevölkerung herrscht Angst. Viele von uns machen sich Sorgen um die Zukunft. Die von den Ländern getroffenen Maßnahmen werden immer drastischer. Ausgangssperren, Kontaktverbot und geschlossene Geschäfte. Das öffentliche Leben und Teile der Wirtschaft stehen still. Viele Menschen finden die Maßnahmen gerechtfertigt, wieder andere sprechen von grundloser Panikmache. Gleichzeitig erscheinen immer mehr Theorien rund um das Virus.

Heute soll es allerdings nicht darum gehen, wie ernst es wirklich ist. Und schon gar nicht um Spekulationen, was vielleicht tatsächlich hinter allem steckt. Heute möchte ich euch etwas Anderes zeigen. Den Grund, warum wir überhaupt mit solchen Viren in Kontakt kommen. Wie die Menschheit die nächste Pandemie vermeiden und was passieren könnte, wenn wir das Problem nicht an der Wurzel packen.


Der Übeltäter: Virus SARS-CoV-2…

Das Virus, von dem aktuell alle sprechen, heißt SARS-CoV-2, kurz Covid-19. Es ist ein Virus aus der Familie der Coronaviren. Die Bezeichnung SARS verweist darauf, dass dadurch ein schweres, akutes respiratorisches Syndrom verursacht werden kann. Anders gesagt, eine schwere Atemwegserkrankung. Diese kann bis zur Lungenentzündung führen. Obwohl das nicht zwangsläufig passieren muss, wenn man sich mit Covid-19 infiziert, kann ich verstehen, dass gerade ältere Menschen dadurch einem Risiko ausgesetzt sind und Angst vor Ansteckung haben.

… Nachfolger von SARS-CoV

Als ich vor ein paar Wochen das erste Mal das Wort SARS las, kam mir das gleich bekannt vor. Nach kurzer Suche wusste ich wieder, warum. Solche Viren sind kein neues Problem für die Menschheit. Schon 2003 gab es eine SARS Pandemie, wenn auch in wesentlich geringeren Ausmaßen als die aktuelle. Auch damals hatte sie ihren Anfang in China genommen und sich binnen weniger Wochen über fast alle Kontinente verbreitet. Laut Wikipedia starben innerhalb eines halben Jahres 774 Menschen an den Folgen. Verursacher der Pandemie war ebenfalls ein Virus aus der Familie der Coronaviren. Es wurde daher SARS CoV genannt.

Woher kam der erste SARS Coronavirus?

Über den genauen Ursprung ist man sich bis heute nicht völlig einig. Eine vielbeachtete Theorie dazu ist, dass die Viren von Schleichkatzen übertragen wurden. Diese Tiere werden in Südchina als Delikatesse betrachtet. Möglicherweise hat sich ein Koch bei der Zubereitung einer infizierten Schleichkatze mit dem Virus angesteckt. Eine andere Theorie besagt, dass es durch Fledermäuse übertragen wurde. Auch die werden in China vielerorts verzehrt und ihr Kot in der traditionellen chinesischen Medizin verwendet. Welche der beiden Theorien auch stimmt, für mich zeigte das deutlich: Das erste SARS-assoziierte Coronavirus, das weltweite Bekanntheit erlangte, wurden von Tieren auf uns Menschen übertragen.

Zoonosen sind keine Seltenheit

Ich fing an, etwas zu recherchieren und fand schnell heraus, dass dieser Übertragungsweg keine große Neuigkeit ist. Sehr viele der, für uns Menschen gefährliche Viren, haben ihren Ursprung bei Tieren. Wildenten beispielsweise, waren schon seit tausenden Jahren mit für sie ungefährlichen Influenzaviren infiziert. Im Zuge der Domestizierung von Enten, sprangen diese Viren auf uns Menschen über. Und wurden potenziell tödlich. Bei der diesjährigen Grippewelle sind Schätzungen zufolge bisher etwa 110.000 Menschen weltweit gestorben.

Laut dem amerikanischen Zentrum für Seuchenschutz (CDC), werden drei von vier, neu entdeckte Erreger, die bei uns Menschen Infektionskrankheiten auslösen können, von Tieren übertragen. Hier sprechen Experten von Zoonosen. Auch das „neue“ Coronavirus, Covid 19, haben wir sehr wahrscheinlich von Tieren.

Wo hat sich „Patient 0“ mit Covid 19 angesteckt?

Man nimmt an, dass sich der erste Mensch – Patient 0 – auf einem Fischmarkt in der chinesischen Stadt Wuhan infiziert hat. Dort wurden auch Wildtiere gehandelt. Forscher vermuten, dass Covid 19 von Fledermäusen über einen Zwischenwirt auf Patient 0 übertragen wurde. Als Zwischenwirt stehen Schlangen in Verdacht, deren Fleisch und andere Teile auf dem Markt zum Verzehr angeboten wurden. Möglicherweise wurde infiziertes Fleisch von Schlangen gegessen und so sprang das Virus auf den ersten Menschen über.

Der Krieg gegen Infektionskrankheiten schien schon gewonnen

Wenn wir aber viele dieser Viren der Domestizierung von Wildtieren verdanken, warum gibt es erst in jüngster Zeit so einen rasanten Anstieg solcher Fälle? Noch vor 60 Jahren wurde von manchen Experten gar das Ende der Infektionskrankheiten prophezeit. Penicillin war lange entdeckt, Polio war dank Schutzimpfungen kein Problem mehr und auch andere Krankheiten wie Pocken waren nahezu ausgerottet. Der Krieg gegen Infektionskrankheiten schien gewonnen. Es wurden keine neuen Krankheitserreger mehr entdeckt und die Zahl der damit assoziierten Todesfälle sank immer weiter – bis etwa Mitte der siebziger Jahre. Ab 1975 stiegen die Zahlen aber erneut an.

Warum hat sich das geändert?

Doch warum? Was war passiert, fragte ich mich? Wir domestizieren Tiere schließlich schon seit tausenden Jahren und noch vor 60 Jahren schienen Infektionskrankheiten kaum mehr ein Problem. Was hatte sich also geändert? Auf der Suche nach der Antwort auf diese Frage, fand ich ein Video aus dem Jahr 2008. Ein amerikanischer Arzt sprach über eben dieses Thema. Seiner Meinung nach sei der enorme Anstieg an Zoonosen in den letzten Jahrzehnten auf die steigende Landnutzung und die intensive Landwirtschaft zurückzuführen. Vor allem aber auf eines: Die Massentierhaltung.

Massentierhaltung ändert die Bedingungen

Die Tierhaltung entwickelte sich im Laufe des letzten Jahrhunderts im rasanten Tempo zu dem, was wir heute erleben. Wir zwingen tausende Tiere auf engstem Raum zusammengepfercht zu leben. Das sind ideale Bedingungen für Viren. Wir haben sozusagen eine perfekte Geburtsstätte für neue und immer aggressivere Viren selbst geschaffen.

Um sich zu vermehren, darf ein Virus seinen Wirt normalerweise nicht zu sehr schwächen. Werden beispielsweise Vögel zu schnell zu krank, weil das Virus so aggressiv ist, und sich sehr schnell vermehrt, fliegen die geschwächten Tiere nicht mehr umher. Sie treffen dann auf weniger andere Vögel und das Virus kann sich nicht verbreiten. Die Natur limitiert die Gefährlichkeit also von selbst – normalerweise.

Doch wir haben die Bedingungen geändert. Nehmen wir ein Virus in einer Hühnerfarm als Beispiel. Dort spielt es kaum eine Rolle für die Verbreitung des Virus, ob das infizierte Tier zu krank ist, um sich zu bewegen. Denn bis zum nächsten Wirt sind es nur wenige Zentimeter. Das Virus mutiert. Es wird so aggressiv wie möglich, um sich rasant im Wirt zu vermehren. Das macht solche Einrichtungen zur idealen Brutstätte für immer neuere und immer gefährlichere Viren. Und von diesen Einrichtungen gibt es bekanntermaßen sehr viele.

Zoonosen sind eine große Gefahr

Dabei ist das nur ein Teil der Problematik mit den Zoonosen. Massenhafter Antibiotikaeinsatz sorgt für multiresistente Keime. Getrieben durch die Globalisierung und immer besser vernetzte Welt, werden Viren schneller und besser rund um den Globus verbreitet als jemals zuvor. Viele Experten sehen in Zoonosen eine große Gefahr für die Menschheit. Uns könnten Pandemien erwarten, die das aktuelle SARS CoV2 Virus weit in den Schatten stellen – wenn wir das Problem nicht an der Wurzel packen.

Wir können die Gefahr stark eindämmen

Und das wäre eigentlich gar nicht schwer. Wir könnten die Gefahr innerhalb kürzester Zeit auf ein Minimum begrenzen. Dazu müssen wir allerdings damit aufhören, Millionen von Lebewesen rund um den Globus auszubeuten und zu töten. Ich sage es hier abschließend sehr deutlich: Wir hätten das Problem nicht, wenn die Welt nicht so versessen auf tierische Produkte wäre. Wäre China ein Land voller Veganer und nicht voller Fleischesser, dann hätte es wohl erst gar keinen Wildtiermarkt in China gegeben.

Es könnte so einfach sein

Wir würden viel seltener mit gewissen Krankheitsüberträgern in Kontakt kommen, wenn wir nicht Millionen von Tieren auf engstem Raum halten würden, nur um an Fleisch, Milch, Eier und andere Tierprodukte zu kommen. Es gäbe keine Massentierhaltung mit all den potenziellen Gefahren für die Menschheit. Es gäbe wahrscheinlich viel weniger neue Krankheiten, die uns momentan noch Jahr für Jahr heimsuchen.

Wenn wir alle aufhören würden, diese Produkte zu kaufen, wäre es wesentlich unwahrscheinlicher, irgendwann mit einem Erreger konfrontiert zu werden, der viel gefährlicher ist als aktuell Covid-19.

Wir schaffen uns diese Gefahr selbst. Wir können sie aber auch leicht vermeiden. Bitte denkt darüber nach. Nur wenn wir richtig handeln, können wir eines Tages vielleicht wirklich sagen: Der Krieg gegen Infektionskrankheiten ist gewonnen.

Tip Bot Spenden-Button



Brave Rewards Browser

Über das CleanEnergy Project

Das CleanEnergy Project ist ein non-profit Magazin für Menschen auf der Suche nach Informationen über Nachhaltigkeit.

Autoren, die über Nachhaltigkeit berichten und sich unserem Team anschließen möchten, sind herzlich willkommen.

 


CleanEnergy Project is supported by GlobalCom PR Network, an international alliance of public relations agencies.