Computer – nicht immer sauber und fair

Computer

Fast jeder von uns hat einen. Aus unserem Alltagsleben ist er nicht mehr wegzudenken. Und beim Neukauf gibt es klare Anforderungen, die wir in den Vordergrund stellen. Innovativ, effektiv, gut designed soll er sein, der neue Computer. Woran kaum jemand denkt, ist was hinter den Kulissen geschieht.

Bei der Computerherstellung geht es nicht immer fair zu, denn in den Coltan-Minen im Kongo gehört Kinderarbeit bei Rohstoffgewinnung zur Tagesordnung. Columbit-Tantalit, kurz Coltan genannt,  wird für die Produktion von Computern, aber auch Mobiltelefonen und Spielkonsolen benötigt. Das Erzgemisch ist Temperatur- und Korrosionsbeständig und deshalb vor allem bei den Produzenten digitaler Geräte heiß begehrt. Doch geschätzte 80 Prozent der weltweiten Coltanvorkommen liegen in der Demokratischen Republik Kongo.

In dem vom Bürgerkrieg gebeutelten Land sind etwa ein Drittel der Arbeiter Kinder und Jugendliche, die unter gesundheitsschädlichen und teils lebensbedrohlichen Bedingungen arbeiten.

Bei der Coltangewinnung ist nicht nur der soziale Aspekt heikel, auch die umweltpolitischen Gesichtspunkte spielen eine große Rolle. Große Mengen tropischen Regenwaldes werden gerodet, um Platz für die Minen zu schaffen. Die Vernichtung des Urwaldes betrifft zum einen direkt das Klima, zum anderen sorgt sie gleichzeitig für den Verlust einer Vielzahl seltener Pflanzen und Tierarten, von denen noch viele unentdeckt oder nur wenig erforscht sind. Allarmierend ist die Situation für die vom Aussterben bedrohten Grauer- und Berggorillas, deren letztes Rückzugsgebiet der Urwald ist. Allein bis 2001 soll die Hälfte aller Grauer-Gorillas im Kahuzi-Biega-Nationalpark, wo sie einst von Dian Fossey studiert wurden, als direkte oder indirekte Folge des Coltan-Abbaus getötet worden sein.

Die vielfältigen Probleme, die bei der Coltangewinnung entstehen können, sind in den letzten Jahren nicht unbemerkt geblieben. So hat die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) in Hannover  eine geochemische Methode entwickelt, um die genaue Herkunft von Coltan-Erzen zu bestimmen. Eine Datenbank mit insgesamt 25.000 Datensätzen zu verschiedenen Lagerstätten half dabei, einen „Coltan-Fingerabdruck“ zu entwickeln, der in Zukunft als Herkunftsnachweis dienen soll.

In einem weiteren Pilotprojekt will die BGR gemeinsam mit dem Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi) und dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) die Zertifizierung von Coltan-Erzen voranbringen. Dabei sollen sich Verarbeiter in Europa und Rohstoffhändler aus Afrika verpflichten, eine transparente, faire und nachhaltige Rohstoffwirtschaft unter Einhaltung von sozialen und ökologischen Mindeststandards  zu betreiben. Ein zertifiziertes Siegel nach dem Vorbild von bereits etablierten Projekten wie „Fair Trade“ wäre im Bereich der mineralischen Rohstoffe neuartig.

In Zukunft wird man also weiterhin beim Computerkauf auf Funktionalität und Design achten können. Doch dann wird einem zusätzlich ein kleines Siegel dabei behilflich sein, die richtige Entscheidung zu treffen.

Mariana Pagiati

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