CO2-Ausstoß privater Haushalte gesunken

Auf der 16. Weltklimaschutz-konferenz der Vereinten Nationen im mexikanischen Cancún, die vom 29. November bis 10. Dezember 2010 stattfand, wurde erstmals das Ziel, die Erderwärmung auf zwei Grad zu begrenzen, verbindlich bestätigt. Um dieses Ziel zu erreichen dürfen nach Berechnungen des Wissenschaftlichen Beirats der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU) zwischen 2010 und 2050 weltweit nur noch 750 Milliarden Tonnen CO2 emittiert werden. Bei einem Referenzwert von 6,9 Milliarden Menschen entspricht dies einem jährlichen Pro-Kopf-Ausstoß von 2,72 Tonnen CO2 bis 2050.

Von diesem Wert ist Deutschland noch weit entfernt. Wie das Statistische Bundesamt ermittelte, sind die CO2-Emmissionen pro Person jedoch immerhin von 8,0 Tonnen im Jahr 2000 auf 7,5 Tonnen CO2 im Jahr 2009 gesunken. Insgesamt stießen die privaten Haushalten letztes Jahr mit 618 Millionen Tonnen CO2 36 Millionen Tonnen weniger aus als noch vor zehn Jahren.

Die direkten Emissionen

In die Berechung fließen sowohl die direkten als auch die indirekten Emissionen ein. Die direkten Emissionen entstehen vor Ort beim Verbraucher. Zu ihnen gehören die Emissionen aus Raumheizung und Individualverkehr. 2009 beliefen sich die direkt bei den privaten Haushalten entstandenen CO2-Emissionen auf 216 Millionen Tonnen. Sie sanken gegenüber 2000 um 6,8 Prozent. Die direkten Emissionen durch Heizen verringerten sich um 7,7 Prozent, die durch den Kraftstoffverbrauch privater Pkws um 5,7 Prozent.

Bei den Brennstoffen sorgte der erhöhte Einsatz des vergleichsweise emissionsärmeren Erdgases anstelle von Heizöl für einen stärkeren Rückgang der Emissionen. Im gleichen Zeitraum stiegen die Haushalte zunehmend von Benzinern auf Dieselfahrzeuge um – auch das führte insgesamt zu einem Rückgang der Emissionen. Bezogen auf den Energiegehalt hat Dieselkraftstoff zwar im Vergleich zum Benzin einen etwas ungünstigeren Emissionsfaktor. Dafür haben Dieselfahrzeuge günstigere Verbrauchswerte als Benziner und tragen daher zu einer Emissionsminderung bei.

Die indirekten Emissionen

Die indirekten Emissionen sind jene, welche bei der Herstellung von Gütern, die die privaten Haushalte konsumieren, anfallen. Zu ihnen zählen auch die im Ausland anfallenden Emissionen der Importgüter. Insgesamt fielen 2009 402 Millionen Tonnen indirekter CO2-Emissionen an. Damit waren die indirekten Emissionen fast doppelt so hoch wie die direkten CO2-Emissionen der Haushalte.

Die CO2-Emissionen der Konsumgüter sanken zwischen 2000 und 2009 um 4,3 Prozent, obwohl die (preisbereinigten) Käufe der privaten Haushalte um 3,4 Prozent anstiegen. Dieser Rückgang ist zu großen Teilen mit einer Verlagerungen von Käufen zu erklären: so kauften die Haushalte weniger Waren und mehr Dienstleistungen. Bei Dienstleistungen entsteht in der Regel ein geringerer CO2-Ausstoß als bei der Herstellung von Waren.

Einfluss der Energiequelle auf die Emissionen

Ein weiterer wichtiger Faktor ist die Emissionsminderung, die sich aus einem Umstieg zu emissionsärmeren oder -freien Energieträgern ergibt. So ist in Deutschland der Anteil der erneuerbaren Energien an der Stromerzeugung von 6,4 Prozent im Jahr 2000 auf 16,3 Prozent im Jahr 2009 gestiegen. Rund die Hälfte der gesamten CO2-Emissionen, die auf die Konsumgüter entfallen, sind den Emissionen bei der Stromerzeugung zuzuschreiben.

Entscheidend für den CO2-Gehalt von importierten Konsumgütern (Anteil der Importe an den gesamten indirekten Emissionen: 35 Prozent) ist ihre Herkunft. Beispielsweise haben importierte Konsumgüter aus China einen sehr viel höheren Emissionsgehalt als Importwaren aus Frankreich. Dies liegt vor allem an der CO2-intensiven Stromherstellung in China. In Frankreich hingegen wird Strom weitgehend CO2-frei hergestellt – wegen der starken Nutzung der Kernenergie bei der Stromerzeugung.

Schlechteres Ergebnis bei internationaler Berechnungsmethode

Die auf Haushalte und Konsum bezogenen CO2-Emissionen sind nicht identisch mit der Abgrenzung in der internationalen Berichterstattung der Treibhausgase. Dort werden die CO2-Emissionen entstehungsseitig – mit Bezug auf das nationale Territorium – nachgewiesen. Im Jahr 2008 betrugen die CO2-Emissionen Deutschlands (ohne Emissionen aus Biomasse) 10,0 Tonnen je Einwohner. Bei dieser Messung werden die durch den inländischen Verbrauch verursachten Emissionen im Ausland nicht berücksichtigt. Sie enthalten aber die Emissionen bei der Herstellung der Investitions- und Exportgüter.

Corinna Lang

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