China und die Entdeckung der Energieeffizienz

China und die Entdeckung der Energieeffizienz; Bild: shutterstock

Dass Energieersparnis eine globale Aufgabe ist, zeigen die aktuellen Diskussionen um die Klimaschutz- und Energieproblematik. Umso wichtiger ist es, dass hohe Standards nicht nur in Deutschland angelegt werden. So stehen inzwischen auch in China die Themen Energieversorgung und Klimaschutz weit oben auf der Tagesordnung.

Wie die Financial Times Deutschland berichtet, stehen Energiesparlampen und geschulte Gebäudeverwalter bei chinesischen Unternehmen hoch im Kurs, um ihre Liegenschaften energieeffizienter zu machen. Desgleichen wird bei Neubauten verstärkt auf umweltfreundliche Architektur gesetzt.

Diese Entwicklung ist notwendig, denn das rasante Wirtschaftswachstum in China verursachte in den letzten Jahren gravierende ökologische Probleme. Um diesen entgegenzuwirken, setzt die chinesische Regierung nun verstärkt auf Energieeffizienz und Nachhaltigkeit.

China emittiert weltweit am meisten CO2, noch vor den USA. Bis 2020 soll daher laut der chinesischen Regierung durch eine Steigerung der Energieeffizienz pro Einheit des Bruttoinlandsprodukts 45 Prozent weniger CO2 ausgestossen werden.

Im internationalen Vergleich hat sich Chinas Energieeffizienz (kalkuliert nach BIP) inzwischen dem Niveau Südkoreas und der USA angenähert, liegt aber immer noch deutlich höher als die Werte Japans. Das von der chinesischen Regierung beschlossene „China Energy Label“, vergleichbar mit dem in der EU gebräuchlichen Energielabel, ist heute Pflicht und ein weiterer Schritt hin zu mehr Energieeffizienz.

Zwar hat China noch keine breit angelegte, nationale Energiestrategie. Doch im aktuellen Fünfjahresplan der chinesischen Regierung erhält die Energieeffizienz- und Ressourcenfrage großes Gewicht, ohne dass allerdings bei der Umsetzung spezieller Konzepte tiefer ins Detail gegangen wird.

Von zentraler Bedeutung für die Verbesserung der Energieeffizienz sowie für die rasche Einführung neuester Energietechnologien ist die Technologie- und Innovationspolitik Pekings, die einheimischen Unternehmen Hilfestellung (zum Beispiel in Form von Krediten) gewährt, um Forschung und Entwicklung in China voranzutreiben. Zugleich sorgt sie durch Investitionsrichtlinien für ausländische Direktinvestitionen für einen – wenn auch nicht in allen Branchen gleichermaßen weit reichenden – Transfer neuester Technologie in dieser Hinsicht.

Energieeffizienz ist vor allen Dingen in Chinas Städten von herausragender Bedeutung: Der durchschnittliche chinesische Stadtbewohner konsumiert mehr als drei Mal so viel Energie als sein Pendant auf dem Land. Und diese Entwicklung wird sich noch verstärken: Allein in den kommenden 50 Jahren werden schätzungsweise zwischen 350 und 400 Millionen Chinesinnen und Chinesen vom Land in die Städte ziehen.

Daniel Seemann

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