Carrotmob statt Boykott – Einkaufen für den Klimaschutz

März 2008, San Francisco/USA Brent Schulkin hat eine Idee, wie jeder einzelne Verbraucher durch eigenes Handeln zum Klimaschutz beitragen kann – nämlich indem er einkauft. Aber nicht irgendwo und irgendwas, sondern ganz gezielt in Läden, die es auch verdienen, gefördert zu werden, weil sie auch selbst bereit sind, etwas für die Umwelt zu tun.

So befragte Brent Schulkin die Läden in seiner Nachbarschaft, ob sie bereit wären, einen bestimmten Prozentsatz ihrer Tageseinnahmen in energiesparende Maßnahmen umzusetzen, wenn er im Gegenzug verspräche, dass auch viele Kunden einkaufen würden. Mehrere Geschäfte gaben ihre „Gebote“ ab, der Höchstbietende, David Lee, gewann mit 22 Prozent.

Über Online-Communities wie Twitter, Facebook und MySpace, E-Mails und einen Carrotmob-Videochannel organisierte Schulkin nun Menschen, die bereit waren, im Lebensmittelgeschäft für den guten Zweck einzukaufen. Der Erfolg war groß, hunderte Käufer kamen und verhalfen Lee so zum fast fünffachen Tagesumsatz. Und wie versprochen investierte er die 22 Prozent, vor allem in eine energiesparende Beleuchtung.

Dieser  Erfolg machte die Aktion „Carrotmob“ zum Exportschlager. Nach eigenen Angaben folgten bisher 181 Länder mit rund 5.200 Veranstaltungen dem Beispiel Brent Schulkins. Auch in Deutschland fanden einige organisierte Einkäufe statt, der erste am 13. Juni 2009 in Berlin Kreuzberg. Organisiert wurde das Ganze von „Carrotmob Berlin“, einer Initiative der Eco Fashion Junkies, deren Gründer Philipp Gloeckler dieses Jahr für den Clean Tech Media Award in der Kategorie Kultur und Medien nominiert war. Mittlerweile sind auch zahlreiche aktive Freiwillige beigetreten, die alle unentgeltlich und ehrenamtlich zusammenarbeiten.

Die Aktion in Berlin war ein voller Erfolg, der Besitzer des Ladens „MultiKulti Spätverkauf“ investierte ganze 35 Prozent in den klimafreundlicheren Umbau seines Ladens. Auch er erreichte innerhalb von drei Stunden den dreifachen Tagesumsatz.

Da vor allem kleinere Geschäfte wie „MultiKulti Späteverkauf“ oft selbst weder die finanziellen Mittel haben, noch über das gewisse Know-how verfügen, um energiesparende Maßnahmen umzusetzen, stehen ihnen Energieberater von „Klima sucht Schutz“ bei der Beratung und Umsetzung tatkräftig zur Seite. So trafen sich eine Woche später Carrotmob Berlin, co2online und Greenpeace Energy, um die versprochenen Maßnahmen im Berliner Laden umzusetzen. Das Geschäft verfügt nun zum Beispiel über eine Zeitschaltuhr, Wärmeschutzfolie, Energiesparlampen und Ökostrom. Dem erfolgreichen Beispiel der Aktion in Berlin folgten weitere in Bonn, München und Bielefeld.

Welchen Vorteil und Nutzen hat also Brent Schulkins Idee? Zum einen motiviert es den Verbraucher, durch sein eigenes Handeln etwas zur Rettung der Umwelt beizutragen, sich einzusetzen und aktiv am Klimaschutz teilzunehmen. Andererseits ist es ein Appell an die Wirtschaft, Änderungen anzunehmen, die die Umwelt schützen, aber auch gleichzeitig profitabel sind. So steigt zum Beispiel für die Ladenbesitzer die Chance auf eine Imageverbesserung erheblich, auch der Bekanntheitsgrad steigert sich, durch die Werbung der Teilnehmer auf den verschiedenen Internetportalen. So entsteht ein enormer Wettbewerbsvorteil gegenüber der Konkurrenz, mal ganz abgesehen von dem finanziellen Gewinn.

Das tolle an Carrotmob ist, dass man selbst aktiv werden und in seiner Stadt zu Mobs aufrufen kann. Nur zwei Aktionen in Berlin wurden von Carrotmob Berlin selbst geplant und durchgeführt, alle anderen sind daraufhin von Teilnehmern organisiert worden. Für alle die selbst Lust haben, einen Carrotmob aufzuziehen gibt es das DoItYourself-Kit zum Downloaden, frei nach dem Motto: „Der Carrotmob bist Du!“

Sophie Schmid

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