Solarzellen für Solarkraftwerke

Wolfgang Weidinger, der kaufmännische Geschäftsführer von „Blue Chip Energy, im Gespräch mit dem CleanEnergy Project. Das Unternehmen im Südosten Österreichs produziert Hochleistungszellen für Solarkraftwerke. Unsere Gesprächsthemen: der aktuelle Stand der Entwicklung, neue Trends auf dem Gebiet der Solarzellenforschung und Nachhaltigkeit in der Produktion.

1953 entwickelten Daryl Chapin, Calvin Fuller und Gerald Pearson die erste funktionsfähige Solarzelle. Damit legten sie den Grundstein für die gesamte Photovoltaikindustrie. Wir erkundigten uns vor Ort nach dem aktuellen Stand der Entwicklung.

Herr Weidinger, das Unternehmen Blue Chip Energy gilt als einer der Leitbetriebe in Güssing. Welche Solarzellen werden in Ihrem Unternehmen produziert?

Unser Unternehmen produziert monokristalline Hochleistungs-Solarzellen, die aus Silizium-Wafern gewonnen werden. Derzeit erreichen diese Zellen einen durchschnittlichen Wirkungsgrad von 17,5 Prozent, wobei unsere Entwicklungsabteilung intensiv an der Weiterentwicklung dieser Zelleffizienz arbeitet. Der Vorteil dieser hohen Zelleffizienz ist der um zirka zehn bis 20 Prozent geringere Modul-Flächenbedarf, und daraus resultierend ein geringerer Kostenaufwand bei der Instandsetzung eines kompletten Photovoltaiksystems.

Die festgelegte Produktionskapazität für 2010 beträgt im Vollbetrieb 80 Megawattpeak (MWp). Das entspricht dem jährlichen Strombedarf von 16.000 Haushalten. Durch die Kooperation mit unseren Partnerunternehmen bieten wir seit Beginn des Jahres eigene Module an, deren Wertschöpfung zu 100 Prozent aus österreichischer Hand kommt.

Welche speziellen Anforderungen stellen Sie an Ihre Produkte?

Wir arbeiten nach internationalen Qualitätskriterien, die jenen der Halbleiter- und der Automobilindustrie entsprechen. Unser Ziel ist es, die Technik so weit voranzutreiben, dass es für jeden leistbar wird, Energie aus Sonnenstrahlen zu gewinnen.

Forschung, Entwicklung, technologische Innovationen und die Motivation, unsere Kunden und Partner mit herausragenden Leistungen zu überzeugen, sind wesentlicher Motor unserer Arbeitsabläufe. Unsere Aufgabe ist es, eine ständige Prozessoptimierung durch kompetente Mitarbeiter als Teil einer qualitätsorientierten Unternehmenskultur zu verankern.

Was waren die größten Herausforderungen, die Sie seit der Errichtung der Anlage zu meistern hatten?

Eine Zelllinie in dieser Dimension ohne Partner aus der Zelltechnologie aufzubauen und in Betrieb zu nehmen, stellte für uns eine wahrlich große Herausforderung dar. Es musste nicht nur Personal rekrutiert und dieses durch intensive Schulungen auf den erforderlichen technischen Stand gebracht werden, sondern auch die Produktionslinie selbst musste in den effizienten Betrieb hochgefahren werden.

Die größte Schwierigkeit für unser junges Unternehmen stellte jedoch die weltweite Wirtschaftskrise 2009 dar. Durch die hohe Leistungsbereitschaft unserer Mitarbeiter und gezielt gerichtete, interne Maßnahmen ist es unserem Unternehmen jedoch gelungen, trotz der Krise einen erfolgreichen Start 2010 zu verzeichnen. So konnten bereits 80 Prozent unserer Produktion am europäischen Markt verkauft werden.

Welche allgemeinen Trends erkennen Sie in der Entwicklung von Solarzellen?

Der Trend geht eindeutig in Richtung höherer Zelleffizienzen. Bei gleichbleibender Fläche wird mehr Energie aus Sonnenstrahlen gewonnen. Dieser Trend soll zumindest bei gleichbleibenden, wenn nicht reduzierten Kosten fortgesetzt werden.

Die Stadtgemeinde Güssing konnte sich als europäisches Zentrum für erneuerbare Energien etablieren. Wie geht man bei Blue Chip Energy mit dem Thema „Nachhaltigkeit und Umweltschutz“ um?

Unser Produkt ist Nachhaltigkeit. Aus der Sicht eines produzierenden Unternehmens wollen wir für eine sichere Zukunft sorgen.

Deshalb wurde auch für die Fertigung ein klarer Fokus auf die Umweltfreundlichkeit gelegt. Sämtliche Wertstoffe aus den Abwässern der Produktion werden recycelt, Abwasser und Abluft darüber hinaus speziell neutralisiert, damit der Umgebung kein belastetes Material zugeführt werden muss. Nachhaltigkeit wurde auch bei unseren Dienstautos bewiesen. Sie fahren ausschließlich mit Hybridtechnologie.

Herr Weidinger, herzlichen Dank für das Gespräch.

Joachim Kern

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