BIG: Green Architecture auf der Biennale

Kai-Uwe Bergmann

Kai-Uwe Bergmann, Associate Partner und Verantwortlicher für den Bereich Business Development des Architekturbüros Bjarke Ingels Group (BIG), im Expertengespräch mit dem CleanEnergy Project. Unsere Themen im ersten Teil des Interviews: die 12. Internationale Biennale der Architektur in Venedig und neue Entwicklungen im Bereich der nachhaltigen Architektur.

Die Bjarke Ingels Group aus Dänemark gilt als einer der hellsten Sterne am internationalen Architekturhimmel. Auf der Biennale in Venedig sind die Arbeiten der Architekten und Designer ebenso zu sehen wie auf der Weltausstellung Expo 2010 in Shanghai.

 Herr Bergmann, Sie kommen soeben von der 12. Internationalen Architekturbiennale in Venedig zurück. Wo liegen die Schwerpunkte dieser Veranstaltung?

Das Motto der diesjährigen Biennale „People meet in architecture“ wurde von der Kuratorin Kazuyo Sejima vorgeschlagen und stieß auf höchst positive Resonanz.

Beginnend bei Olafur Eliassons „Dancing Water“ über Transsolars „Cloud“ bis hin zu Junya Ishigamis „Architecture is Air“ sind die Installationen zumeist auf die Erfahrungen der Sinne reduziert. Sie verleiten dazu, über Raum, Licht, Struktur und Dichte nachzudenken.

In welcher Form sind Sie an der Biennale beteiligt?

Wir nehmen diesmal in Form von zwei komplett unterschiedlichen Beiträgen teil. Beide Themen sind jedoch miteinander verbunden und beziehen sich auf aktuelle urbane Themen.

Der offizielle dänische Beitrag zu dieser zwölften Biennale der Architektur präsentiert die Stadt Kopenhagen und stellt die entscheidende Frage: Was macht eine Stadt lebenswert? Unser Beitrag „From Fingerplan to Loop City“ zeigt, wie sich Kopenhagen in den letzten Jahrzehnten entwickelt hat. Dabei beginnen wir bei dem berühmten Fingerplan aus dem Jahr 1947 und entwickeln Visionen für eine zukünftige panskandinavische Metropole.

Unser zweiter Beitrag wurde für den Audi Urban Future Award entwickelt und bildet eine mögliche, zukünftige Stadt in 25 Jahren ab. Die vertikalen Fassaden erscheinen dabei unverändert. Die horizontalen Flächen jedoch sind in eine programmierbare Oberfläche umgewandelt. Diese Oberfläche ersetzt die fixen Elemente einer Fahrbahn, eines Gehsteigs oder eines Platzes. Eine digitale Straßenoberfläche belebt und gestaltet die Stadt komplett neu. Sie macht darüber hinaus den Weg für Elektroautos frei, die sich selbstständig und ohne Fahrer bewegen.

Was ist Ihr persönliches Highlight der Biennale?

Zu meinen persönlichen Favoriten zählen der Pavillon der Niederlande mit der Installation „Vacant NL“ sowie Belgiens „Deconstructed Home“.

Der persönliche Einsatz der Kuratorin Kazuyo Sejima in Venedig hat jeden, mit dem ich gesprochen habe, beeindruckt und ist ein absolutes Highlight.

Welche Trends erkennen Sie im Bereich der nachhaltigen Architektur?

Allgemein sind wir momentan stark an sämtlichen Formen der wirtschaftlichen und der ökologischen Nachhaltigkeit interessiert.

Unter dem Motto „Engineering without engines“ versuchen wir, überflüssige Maschinen durch Berechnungen und Simulationen zu vermeiden. Zeitgemäße und überzeugende Visionen für eine nachhaltig gestaltete Zukunft zu entwickeln ist die wohl aufregendste Aufgabe, der wir Architekten – aber auch wir Menschen – uns stellen müssen.

Im zweiten Teil des Expertengesprächs lernen Sie die größte Herausforderung der Green Architecture kennen und erfahren mehr über die Bewertung architektonischer Erfolge.

Unser Tipp: Die 12. Internationale Biennale der Architektur findet von 29. August 2010 bis 21. November 2010 in Venedig statt.

Joachim Kern

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