BIG: Green Architecture als Perpetuum mobile

Kai-Uwe Bergmann, Associate Partner und Verantwortlicher für den Bereich Business Development des Architekturbüros Bjarke Ingels Group (BIG), im Expertengespräch mit dem CleanEnergy Project. Unsere Themen im zweiten Teil des Interviews: die größte Herausforderung der Green Architecture und die Bewertung architektonischer Erfolge.

Die Bjarke Ingels Group aus Dänemark gilt als einer der hellsten Sterne am internationalen Architekturhimmel. Auf der 12. Internationalen Biennale der Architektur in Venedig sind die Arbeiten der Architekten und Designer ebenso zu sehen wie auf der Weltausstellung Expo 2010 in Shanghai.

 Herr Bergmann, Sie gelten in Fachkreisen als Experte für das Thema Green Architecture. Woher kommt Ihre Begeisterung für diese Thematik?

Wir Dänen wurden durch die Ölkrise der 1970er-Jahre auf die Probleme hinsichtlich unseres Klimas und unserer Städte aufmerksam. Dem finanziellen Kollaps nahe, trafen die Regierung, die Gemeinden und die Menschen damals drastische Maßnahmen, um das Leben zu rekalibrieren.

Beinahe zwei Generationen später folgt BIG dieser grünen Denkweise. Unser Beitrag zur Weiterentwicklung besteht darin, dass wir uns den Fragestellungen der urbanen Strukturen, der Mobilität und des Ressourcenmanagements zuwenden. Die Zukunft beginnt heute!

Worin sehen Sie die größte Herausforderung einer nachhaltigen Architektur?

Die größte Herausforderung besteht momentan wohl darin, unsere Städte und Gebäude wie Ökosysteme zu planen. In solchen Städten werden nicht nur Autoströme und Menschen kanalisiert. Auch Wasser, Wärme, Licht und Energie müssen nachhaltig gebündelt werden.

Wir müssen – und wir können es auch – Gebäude wie ein Perpetuum mobile gestalten und nicht wie eine Sanduhr, die über zu wenig Sand verfügt. Darauf konzentrieren wir uns bei BIG.

BIG, die Bjarke Ingels Group, steht für einen offenen Umgang mit unkonventionellen Lösungen. Was war Ihr bisher größter Erfolg bei BIG?

Einige Menschen setzen Erfolg generell mit dem Erreichen finanzieller Ziele gleich. Andere messen den CO2-Fußabdruck oder die politische Macht, über die sie verfügen.

Wenn wir den dänischen Pavillon bei der laufenden Weltausstellung Expo 2010 in Shanghai betrachten, so betrifft er in gewisser Art und Weise alle drei Aspekte. Wie werden sechs Millionen Chinesen über Dänemark denken, nachdem sie die dänischen Tugenden und Werte kennengelernt haben? Was bedeutet es, wenn eine Medienfassade mit 3.500 LEDs weniger Energie benötigt als eine Espressomaschine zu Hause? Wie kann man das Nationalsymbol Dänemarks nehmen und die Kleine Meerjungfrau von Kopenhagen nach Shanghai transportieren?

Wie sehen Ihre Pläne für die kommenden Jahre aus?

Momentan ist es nicht einfach, über die Zukunft in mehreren Jahren zu sprechen. Dazu schreiten die Entwicklungen zu rasch voran. Vorerst freuen wir uns auf die Eröffnung unserer ersten Zweigstelle am 1. Oktober 2010 in New York City. Die Stadt wird bekanntlich schon jetzt als BIG Apple bezeichnet.

Herr Bergmann, herzlichen Dank für das Gespräch.

Unser Tipp: Die 12. Internationale Biennale der Architektur findet von 29. August 2010 bis 21. November 2010 in Venedig statt.

Joachim Kern

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