Auf grünen Pfaden durch London

Bei einer Städtereise gibt es für gewöhnlich viel zu entdecken – kulinarische Spezialitäten, bekannte Museen, historische Bauten oder ungewöhnliche Architektur. Mich reizt es daneben auch immer, etwas über das Engagement der Stadt in Sachen Klimaschutz und Nachhaltigkeit zu erfahren. Und so kam ich neulich nicht darum herum, mich bei meinem Besuch in London für die von Insider London Tours angebotene „Cutting-Edge Green Tour“ anzumelden.

Gespannt auf das, was London im Hinblick auf erneuerbare Energien, grüne Architektur und nachhaltigen Lifestyle zu bieten hat, folgte ich unserem Tour Guide durch die Straßen der britischen Hauptstadt. Unsere erste Station war ein neuer, noch größtenteils unbezogener, ressourcen- und energieeffizienter Gebäudekomplex, der Wohnen, Arbeiten und Einkaufen an Ort und Stelle ermöglicht und so den Besitz eines Autos für die Bewohner überflüssig macht.

Anschließend ging es unter anderem vorbei an kostenlosen Parkplätzen für Elektroautos mit Stromladesäule, öffentlichen Fahrradleihstationen und der letzten noch erhaltenen Straßenlaterne, die mit den Faulgasen der umliegenden Kanalisation betrieben wird. 

Szeneviertel; Foto: Corinna LangEin weiterer Abstecher führte uns durch eine, bereits in den 70er Jahren von einer Gemeinschaft der Alternativbewegung erworbe Hofanlage, die sich zum Szeneviertel der Öko- und Fair Trade Community entwickelt hat.

Das Highlight der Tour war jedoch der Besuch eines der teuersten Hotels in London, in dem es sich auch schon Marlene Dietrich und Winston Churchill gut gehen ließen. Das Hotel, so wurde uns erklärt, besitzt nicht nur ein ausgeklügeltes Heiz- und Warmwasseraufbereitungssystem, das die Abwärme der Kühlanlagen der Küche nutzt. Auch die verwendeten Baumaterialien sollen aufgrund ihrer Hochwertigkeit und Langlebigkeit besonders nachhaltig sein. – Natürlich habe ich nichts gegen Hochwertig- und Langlebigkeit, aber dass uns bei einer Öko-Tour die hochkarätigen Fresken eines Luxushotels als Beispiel nachhaltigen Bauens präsentiert wurden, fand ich jedoch etwas befremdlich. 

Hochhaus mit integrierten Windkraftanlagen; Foto: Corinna LangMeinem Lieblingsobjekt dagegen – einem Hochhaus mit integrierten Windkraftanlagen – schenkte unser Stadtführer weit weniger Beachtung. Vermutlich war ihm der Bau, dessen Eigenstromerzeugung ja auch gerade mal acht Prozent beträgt, einfach zu plakativ.

Wer sich viel mit erneuerbaren Energien, Cleantech und Nachhaltigkeit beschäftigt, dem wird die Green Tour durch London vermutlich (noch) nicht den Atem rauben. Spaß hat es mir dennoch gemacht, London einmal durch eine andere „Brille“ zu sehen. Und ich habe mir vorgenommen, diese auch immer wieder mal in anderen Städten „aufzusetzen“.

Corinna Lang

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