SDG18: Entwicklungsziel nur für Laos

Vang Vieng, Laos - 19. Januar 2017: Blindgänger nahe des Nam Song Fluss
Vang Vieng, Laos - 19. Januar 2017: Blindgänger nahe des Nam Song Fluss

„Transforming our world“ ist das Mantra der Agenda 2030. Sie beinhaltet insgesamt 17 Ziele für eine nachhaltige Entwicklung, zu denen sich Staaten überall auf der Erde verpflichtet haben. Für das südostasiatische Laos gibt es jedoch eine zentrale Hürde, die zuerst überwunden werden muss. Das Land ist voll von Blindgängern aus dem Zweiten Indochina-Krieg. Cluster-Munition stellt ein besonderes Problem dar. Das eigens für Laos geschaffene Nachhaltigkeitsziel „SDG18: Lives Safe from UXO“ soll Abhilfe schaffen.

Während des Zweiten Indochina-Krieges (1964 bis 1973) gingen über Laos Bomben mit einem Gewicht von mehr zwei Millionen Tonnen nieder. Das macht Laos bis heute zum am stärksten mit Blindgängern verseuchten Land der Erde. Weite Gebiete sind mit nicht explodierter Cluster-Munition und anderen Arten scharfer Bomben (Unexploded Ordnance oder UXO) belastet. Diese schrecklichen Andenken an einen Krieg, der bereits ein Viertel-Jahrhundert zurück liegt, töten und verletzen jährlich Dutzende von Menschen, darunter auch viele Kinder.

Warnung vor Minen und Blindgängern, Laos
Warnung vor Minen und Blindgängern, Laos

Der indirekte Effekt der immensen Streuung insbesondere der Cluster-Munition in weiten Teilen des Landes ist die Lähmung der sozio-ökonomischen Entwicklung, die in Laos dringend notwendig wäre. So sind große Flächen landwirtschaftlich nutzbaren Landes  bis heute nicht nutzbar. Die nötige Minenräumung des Gebiets mit speziellem Gerät macht die Erschließung oft so teuer, dass sie sich nicht mehr lohnt.

SDG18: Nachhaltigkeitsziel Nr. 18 speziell für Laos

Die Agenda 2030 legt für alle Staaten die sich dazu verpflichtet haben 17 allgemeine Ziele für eine nachhaltige Entwicklung fest – die  sogenannten „Sustainable Development Goals“, kurz SDGs. Während dem High Level Political Forum bei den Vereinten Nationen in New York City trafen sich Delegationen aller Länder, um über ihre Fortschritte zu berichten, über Herausforderungen zu sprechen und entsprechende Erfahrungen zu teilen – von SDG1 bis SDG17.

Auch Vertreter aus dem südostasiatischen Laos waren dort. Über besonderen Erfolg in der Agenda 2030 konnten sie nicht berichten. Stattdessen versuchten sie Aufmerksamkeit für ein zentrales Problem zu schaffen: Die Cluster-Munition und andere Blindgänger auf den Feldern und Wiesen Laos‘ als unüberwindbares Hindernis der nachhaltigen Entwicklung.

Deshalb hat Laos im September 2016 während des ASEAN Gipfels in Vientiane beschlossen, sein eigenes nationales Entwicklungsziel zu definieren: „SDG18: Lives Safe from UXO“.

SDG18: Lives Safe from UXO

UXO Lao soll helfen

Eine nachhaltige Entwicklung in Laos ist langfristig nur dort möglich, wo die Gefahr der „UXOs“ gebannt werden kann. Dies betrifft besonders den Süden und den Nordosten des Landes, in der Nähe der Grenze zu Vietnam. Dort tobte der Krieg damals am stärksten. Um dem Problem Herr zu werden hat die Regierung der Demokratischen Volksrepublik Laos das „Lao National Unexploded Ordnance Programme“ (UXO Lao) gegründet. Das Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen, UNICEF und eine große Zahl nationaler und internationaler Geldgeber, darunter auch die Europäische Union, zählen zu den Unterstützern.

Ziel ist die vollständige Untersuchung und Kartierung des Landes hinsichtlich der UXO-Verseuchung, die Beseitigung des explosiven Materials sowie die Aufklärung der Bevölkerung zum richtigen Umgang mit der Gefahr.

Langfristig hofft man durch die Arbeit von UXO Lao nicht nur SDG18, sondern auch viele der anderen Entwicklungsziele erreichen zu können. Darunter: SDG1 zur Beseitigung von Armut; SDG 5 für Gleichheit der Geschlechter; SDG8 für wirtschaftliche Entwicklung; SDG10 zur Verringerung von sozialer Ungleichheit; Sowie SDG16 für Frieden, Gerechtigkeit und starke Institutionen.

Cluster-Munition besonders gefährlich

Cluster-Munition, auch Streumunition genannt, ist die größte Ursache für Verletzungen und Tode durch alte Kriegsmunition in Laos. Diese Waffenart besteht aus einem Behälter, der wiederum eine große Zahl kleinerer Sprengsätze (Bomblets) enthält. Beim Abwurf der Cluster-Bombe werden die kleineren Bomblets über ein großes Gebiet verstreut. So erreichen sie eine sehr große Flächenwirkung.

Cluster-Munition im UXO Lao Visitor Centre, Luang Prabang, Laos
Cluster-Munition im UXO Lao Visitor Centre, Luang Prabang, Laos

Das besondere Risiko der Cluster-Munition für die Bevölkerung ist, dass von den vielen kleinen Sprengsätzen, manchmal nicht größer als eine Orange, ein relativ hoher Anteil an Blindgängern zurück bleibt. 5 bis 30 Prozent der Bomben explodieren nicht und verbleiben am Boden. So berichtet UXO Lao zum Beispiel von tragischen Fällen, in denen Kinder die Streumunition aufheben und damit spielen. Bis sie schließlich explodiert.

Der Einsatz von Cluster-Munition ist wegen der grausamen Folgen für die Zivilbevölkerung völkerrechtlich höchst umstritten. In der Cluster Munition Coalition haben sich über 150 Organisationen gegen ihren Einsatz zusammengeschlossen. Auch die Konvention zur Ächtung der Produktion, Lagerung und Verwendung von Streumunition, die bereits von 103 Ländern ratifiziert wurde, verpflichtet ihre Mitglieder zum Verzicht auf Cluster-Munition. Deutschland, wie die meisten EU-Staaten, ist Mitglied. Leider tragen bis heute weder die USA, Russland und China, noch Israel, Indien, Pakistan und Brasilien sowie fast keines der Länder Nordafrikas und des Nahen Ostens die Konvention vollständig mit. Bis heute wird Cluster-Munition in vielen Konflikten weiterhin eingesetzt.

 

Quelle: UNDP