Wird Russland grün? – Chance für deutsche Unternehmen

Wenn man Russlands Präsidenten Medwedew Glauben schenkt – dann ja – wird Russland grün. Der Putin-Nachfolger gibt Anlass zur Hoffnung auf einen baldigen Wechsel in der Energiepolitik. Dies könnte sich auch positiv für deutsche Unternehmen auswirken.

Bisher geht Russland sehr verschwenderisch mit seinen reichlichen Energiereserven um. Die Energiepreise werden staatlich stark subventioniert und entsprechend verschwenderisch gehen Firmen und Privathaushalte mit Energie um. Energieeffizienz wird kaum angestrebt, da sich der Kostenfaktor Energie kaum merkbar niederschlägt. Erneuerbare Energien spielen ebenfalls kaum eine Rolle. Ihr Anteil an der Stromerzeugung (ausgenommen große Wasserkraftwerke) liegt derzeit noch bei unter einem Prozent. Zum Vergleich: In Deutschland waren es 2008 bereits knapp 15 Prozent.

Entsprechend dieser Ausgangslage ergeben sich allerdings riesige Potenziale. Laut Deutsch-Russischer Auslandshandelskammer wird das Potenzial der erneuerbaren Energien auf rund 30 Prozent des Primärenergieverbrauchs geschätzt. Die OECD schätzt das rein technische Potenzial gar auf mehr als das Fünffache des inländischen Primärenergieverbrauchs. Die größten Reserven liegen bei Biomasse, Windenergie und Wasserkraft.

Aber was muss geschehen, um diese Potenziale zu nutzen? Präsident Medwedew hat angekündigt, noch diesen Monat ein Gesetz zu verabschieden, das den Energieverbrauch in Russland bis 2020 um 40 Prozent senken soll. Auch der Ausbau der erneuerbaren Energien soll vorangetrieben werden, wobei die nötigen politischen Anreize noch fehlen. Aufgrund des subventionierten Stroms können die meisten erneuerbaren Energien noch nicht wirtschaftlich betrieben werden.

Für deutsche Unternehmen könnte sich unter den derzeitigen Vorzeichen in Russland ein großer Markt für grüne Technologien erschließen. Das deutsche Know-how auf diesem Gebiet wird geschätzt und um die bilateralen Kooperationen zu unterstützen, nahm im Juli die Russisch-Deutsche Energie-Agentur (rudea) ihren Betrieb auf. Die Agentur befindet sich noch im Aufbau, soll in Zukunft aber zwischen Anbietern und Nachfragern grüner Technologie sowie der Politik vermitteln. Jetzt kommt es nur noch auf die politischen Anreize der russischen Regierung an. Signalwirkung könnte von einem ambitionierten Klimaschutzziel Ende des Jahres bei der Weltklimakonferenz in Kopenhagen ausgehen.

Oliver Hölzinger

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