Tropical Trump – Bolsonaro gegen den Regenwald

Abholzung des Regenwaldes, wie von Bolsonaro geplant, ist katastrophal für unser Klima
Abholzung des Regenwaldes, wie von Bolsonaro geplant, ist katastrophal für unser Klima

Der in Brasilien frisch zum Präsidenten gewählte Jair Bolsonaro ist ein autoritärer Nationalist. Von einigen Kritikern wird er „Tropical Trump“ genannt. Das Wahlprogramm, das ihn in der kürzlich stattgefundenen Präsidentschaftswahl Brasiliens zum Sieg geführt hat, beinhaltet eine umweltfeindliche Agenda, die den Regenwald im Amazonasbecken für riesige Bauprojekte eröffnet. Damit riskiert Bolsonaro die Zerstörung einer Region, die für die Stabilität unseres Klimas eine existenzielle Rolle spielt.

Für die Menschen, die sich um Umwelt und Klima sorgen, hat sich die Präsidentschaftswahl Donald Trumps als mindestens so katastrophal herausgestellt, wie erwartet – wenn nicht sogar schlimmer. Nun tritt ein neuer Führer auf die Bühne der Weltpolitik. Jair Bolsonaro. Er, der Tropical Trump, an der Spitze eines der größten und wirtschaftsstarken Länder der Welt, könnte mit seinem Programm sogar noch weitaus mehr anrichten, als der Trump, den wir bereits kennen.

Die Parallelen zwischen den beiden sind zahlreich. Sie beide fühlen sich am extremen rechten Rand des politischen Spektrums wohl. Sie beide strotzen nur so vor  negativer Rhetorik, welche vor allem darauf zielt, Sorgen und Ängste zu schüren. Und sie beide sind bekannt für ihr Bombardement an empörenden Kommentaren, die sie regelmäßige in die mediale Landschaft feuern und mit denen sie gekonnt von den dramatischen Auswirkungen ihrer Politik ablenken.

Hauptmann in Rente – Bolsonaro mit Rassismus und Nationalismus an der Spitze der brasilianischen Politik

Der 63-jährige Hauptmann in Rente, der zuvor als ein eher unbedeutendes Mitglied im Unterhaus des brasilianischen Nationalkongresses gedient hat, ist auf einmal Präsident. Für alle liberalen Brasilianer ist das der reinste Alptraum. Schon vorher für seine sehr extremen Ansichten bekannt, schoss er während des Wahlkampfes, den er mit einer in Brasilien nie dagewesenen Social Media Kampagne führte, nur so um sich mit rassistischen und nationalistischen Parolen. Parallelen zum Trump-Wahlkampf kann man insbesondere in den zahlreichen frauen- und pressefeindlichen Aussagen finden.

Das Wahlergebnis ist weniger eine direkte Folge Bolsonaros Anziehungskraft, als mehr eine komplette Abwendung von der brasilianischen Arbeiterpartei. Die hat die Bevölkerung in den letzten 13 Jahren mit einer Welle von Korruptionsskandalen gegen sich aufgebracht. Dennoch muss der Ruck  zur extremen Rechten mindestens ebenso als politische Zäsur gesehen werden, als wie 2016 in den USA.

Abholzung des Amazonasregenwaldes verdreifacht

Doch nun zum Amazonas. Der Regenwald, der mehr als die Hälfte des weltweit noch verbleibenden Tropenwaldes umfasst und sich zu rund 60 Prozent in Brasilien befindet, könnte jetzt noch schneller schwinden. Bolsonaro möchte ihn als Treibstoff für die brasilianische Wirtschaft benutzen.

Wenn „Tropical Trump“ am 1. Januar is Amt tritt, so sein Versprechen, dann wird es weitreichende Veränderungen für den Umgang mit dem Amazonasregenwald geben. Dafür hat er auch den Rückhalt des Kongresses, des Militärs und der Agrarindustrie. Er wird eine ganze Flut von Umweltgenehmigungen erteilen, die den Unternehmen für die Entwicklung großer Infrastrukturprojekte freie Hand geben. Regenwald hin oder her. Für die lukrativen Großprojekte im Amazonasgebiet müssten dann riesige Flächen des ohnehin schon mit rekordraten abgeholzten Amazonasregenwaldes weichen. Als wäre das nicht schlimm genug, will Jair Bolsonaro zudem ein Verbot zur Errichtung neuer Schutzgebiete für brasilianische Ureinwohner erteilen.

Steht Bolsonaro zu seinem Wort, dann würde sich die Abholzungsgeschwindigkeit des Amazonas verdreifachen. Ein Umweltdesaster zu einer Zeit, in der Klimawandel und reduzierte Niederschlagsraten bereits ernste Bedrohungen für Tropenwälder überall auf der Welt sind. Da sich im Amazonaswald zudem immense Kohlenstoffreserven verbergen, würde seine Rodung maßgeblich zur globalen Erwärmung beitragen. Die Auswirkungen wären irreversibel.

„Aktivisten raus“

Bolsonaro hat widerholt behauptet, er würde dem „Aktivismus“ in Brasilien, der für ihn ein Graul zu sein scheint, allemal ein Ende machen. Deshalb hat er versprochen, internationale Umweltorganisationen wie Greenpeace oder den WWF aus dem Land zu werfen. Er möchte sogar die brasilianischen Terrorismusgesetze ändern. Soziale Bewegungen ließen sich so leichter verfolgen. Und er will erlauben, dass zu Gunsten des „Schutzes ländlicher Besitztümer“ sogar Waffen getragen werden dürfen. Und das in einer Region, die von extremen Mordraten geplagt wird. Das sind düstere Vorzeichen für den Widerstand von Umweltaktivisten.

Für den Moment bleibt einzig und allein zu hoffen, dass die Wahlkampfversprechen des „Tropical Trump“ so folgenreich bleiben, wie das viel zitierte Gelöbnis des amerikanischen Trumps, eine tolle große Mauer an der Grenze zu Mexiko zu bauen.

Quelle: YaleEnvironment