Supergau mit Folgen – Japans Energiewende

Schluss mit Atomkraft; Bild: shutterstock

Katastrophen bringen oftmals ein Umdenken mit sich, denn aus Fehlern sollte man schließlich klug werden. Ein wunderbares Beispiel hierfür ist Japan, das nach der Atomkatastrophe von Fukushima ganz neue Pläne innerhalb seiner Energiepolitik verfolgt.

War das Land vor dem 11. März 2011 noch ein Verfechter der Atompolitik, dessen Leistung bis zum Jahr 2030, aus Mangel an natürlichen Ressourcen, auf 50 Prozent ausgebaut werden sollte, so strebt die Insel jetzt den Ausbau erneuerbarer Energien an. Unabhängigkeit von der Atomenergie, so lautet das neue Motto. Es bleibt nur zu hoffen, dass das Land auch tatsächlich klug wird und es sich nicht nur um ein bloßes Umdenken handelt, es seine neuen Pläne also auch wirklich umsetzt.

Kurzfristig ist ein Ausstieg aus der Atomenergie in Japan allerdings gar nicht möglich, zu abhängig ist das erdbebengefährdete und rohstoffarme Land derzeit von ihr. Zu erkennen war das ganz deutlich an den Engpässen in der Stromversorgung infolge der Erdbebenkatastrophe und das, obwohl Japan als Weltmeister im Energiesparen gilt. Angesichts der staatlichen Subventionen mit denen der sparsame Umgang mit der Energie bei Industrie und Bevölkerung forciert wird, ist das auch kein Wunder. Vor Fukushima war an ein Umdenken jedoch nicht zu denken, obschon Japan die verheerenden Folgen einer Atombombe als einziges Land der Welt bereits selbst durchlebt hatte und entsprechend sensibilisiert sein sollte.

Zu groß war jedoch das Trauma, das die letzte Ölkrise in den 70er Jahren hinterlassen hatte und keine Nation so hart traf wie den Inselstaat. Auch hier lernte man aus seinen Fehlern und entsprechend wurde seitens der Energiepolitik auf Unabhängigkeit gesetzt – durch den massiven Ausbau der Atomenergie. Und der ging rasant vonstatten, seit 1966 entstanden ganze 54 Atomkraftwerke, davon gingen alleine seit 2005 vier neue Werke ans Netz. Um die Unabhängigkeit zu besiegeln wurde aber auch in den Ausbau alternativer Energiequellen investiert, Wasserkraft und Solarenergie wurden massiv gefördert, allerdings längst nicht so forciert, wie die Atomenergie.

Nach den Ereignissen im japanischen Kernkraftwerk stießen die Pläne von Premierminister Naoto Kan, vollständig aus der Atompolitik auszusteigen, zunächst allerdings nicht auf allseitigen Anklang. Sein „neuer Plan“, schrittweise in Etappen der Atomkraft den Rücken zu kehren, wird hingegen grundlegend vom Kabinett unterstützt. Einen genauen Zeitplan für diese Kehrtwende in der Energiepolitik gab Kan allerdings nicht an. Dennoch rechnen die meisten Experten damit, dass das Ende der Atompolitik in Japan nach dem Gau nun endgültig eingeläutet ist.

Judith Schomaker

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