Studie: Solarenergie wird billiger, Atomenergie immer teurer

Atomenergie scheint weltweit wieder in Mode zu kommen – ob in China, Indien, Südkorea, Russland, den Vereinigten Staaten oder Japan. Oftmals wird damit argumentiert, so die CO2-Emissionen senken zu wollen. Eine Debatte über die dafür notwendigen Kosten, vor allen Dingen was die Lagerung des Atommülls betrifft, wird dabei allerdings gerne vermieden.

US-Ökonomen haben nun in einer Studie nachgewiesen, dass es im Jahr 2010 eine Art „historischen Kreuzweg“ gegeben habe, ab dem die Solarenergie billiger geworden sei als die Atomenergie. Während die Kosten für Solarenergie seit Jahren sinken und dies auch weiter tun werden, sind die für neue Atomkraftwerke massiv gewachsen – Tendenz steigend.

 

Die Berechnung der tatsächlichen Kosten ist zwar nicht ganz so einfach. Allerdings zeigt der erste Neubau eines Reaktors in Europa – der wie berichtet im finnischen Olkiluoto stattfindet -, dass selbst die Baukosten kaum mehr kalkulierbar sind und sich im Laufe der Errichtung auf nun 5,3 Milliarden Euro fast verdoppelt haben.

Dies führt dazu, dass der Reaktor, der ursprünglich schon 2009 fertig gestellt sein sollte, nun wohl erst 2013 ans Netz gehen wird. Dies führt zu Kostenexplosionen auch in anderen Bereichen.

Auch die Bundesregierung rechnet damit, 5,4 Milliarden für den Rückbau der alten Atomkraftwerke bis 2035 aufbringen zu müssen. Allein für die Sanierung von Asse II sei laut der Financial Times Deutschland mit Kosten von mehr als zwei Milliarden Euro zu rechnen. Kalkulierbar seien die Kosten aber nicht.

Sogar Bundesforschungsministerin Annette Schavan wird in derselben Zeitung mit den Worten zitiert, man müsse bei allen Projekten „in Zukunft mit weiteren Kostensteigerungen“ rechnen.

In den USA werden die Kosten für der Bau eines neuen Atomkraftwerks auf zehn Milliarden US-Dollar geschätzt, so die New York Times. Und dies, obgleich das Weiße Haus die Atomenergie durch Staatsbürgerschaften und Steuernachlässen weiter fördern will.

Nur: Ein Endlager ist auch in den USA nicht in Sicht. Und genau diese offene Frage – die Lagerung des Atommülls – wird auch in Zukunft die Kosten für den Bau von Atomreaktoren auf absehbare Zeit in die Höhe schnellen lassen.

Daniel Seemann

2 Bemerkungen

  • Ist ja schön, wenn die Studie zu dem Ergebnis kommt, dass Solarstrom günstiger als Atomstrom ist. Nur in der Praxis schaut das doch ganz anders aus. Da verkaufen die Kernkraftwerkbetreiber ihren Strom doch deutlich günstiger, als alle anderen, und verdienen sich trotzdem noch dumm und dämlich. Wie kann das sein?

  • Hallo Stephan,

    genau aus den bisher nicht einbezogenen, in Zukunft kostensteigernden Punkten wie es ganz eklatant bei der Entsorgung des Atommülls zutage treten wird, ist das bisherige Stromverkaufsgeschäft eine Milchmädchenrechnung. D.h. wir als Steuerzahler und künftige Generationen werden den immensen gewinn der KKW-Betreiber subventionieren, aber diese Kosten sind eben nicht instantan abzusehen. Von daher pöbelt man eben lieber gegen absebare, aber zur Zeit (noch) etwas teurere Solarstromerzeugungskosten. ich bin fest davon überzeugt, wenn die 4 Energieriesen ihre KKWs komplett versichern könnten/müssten und sich an der Entsorgung beteiligen würden bzw. übernähmen, dann würde die kWh Atomstrom >1€ kosten und nicht 3 Cent.

    Kurz: Immense Kosten (und Risiken) werden aufgeschoben bzw. einfach nicht einberechnet und am Schluss zahlt der Verbraucher/Steuerzahler.

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