Strafzölle jetzt auch auf Windkraftanlagen

Windkraftanlagen

Nach der erfolgreichen Klage einiger Solarmodulhersteller hat es nun eine Anzeige von vier US-Stahlturmproduzenten geschafft, chinesische Produkte mit einem Einfuhrzoll zu belegen.

Ende Mai führte das US-Handelsministerium eine vorläufige Steuer auf chinesische Windtürme ein. Denn es stellte gesetzeswidrige finanzielle Hilfen für Unternehmen von Seiten der chinesischen Regierung fest. Diese Förderung liege zwischen 13,7 und 26 Prozent, weshalb die Zölle zukünftiger Importe sich in diesem Bereich bewegen werden. Die Steuern beziehen sich aber nur auf eingeführte Stahltürme. Im Herbst dieses Jahres wird endgültig über den Zoll entschieden.

Regulation des Marktes auf beiden Seiten

Auf der anderen Seite der Erdkugel wurden zuvor chinesische Antidumpingzölle auf Autoimporte aus den USA eingeführt. Und beide Länder wechseln sich gerade ab, wenn es um Klagen gegen unlautere staatliche Förderung geht. So reichte China bei der Welthandelsorganisation eine Klage gegen Hilfsgelder für die amerikanische Infrastruktur im Bereich der erneuerbaren Energien ein.

Dabei werden chinesischen Unternehmen inzwischen auch zu Hause ausgebremst: Die Volksrepublik hat dem heimischen Ausbau der Windenergieanlagen einen Riegel vorgeschoben und für dieses Jahr eine Leistung von 16,76 Gigawatt festgelegt, zehn Gigawatt weniger als letztes Jahr. Dies liegt an der Überforderung der Netze und der Aufstellung vieler Windräder, die nicht mit dem Versorgungsnetz verbunden sind.

Schon wegen dieses angespannten Marktes richten sich chinesische Hersteller von Windrädern mehr und mehr auf den Export aus.

Parallelen zur Solarindustrie

Obwohl die Industrie der Photovoltaik und Windenergie aus den gleichen Gründen mit den Zöllen hantiert, sind die Rahmenbedingungen sehr unterschiedlich. So beeinflusst der Zoll die Solarbranche stärker, da letztes Jahr Solarzellen im Wert von 3,1 Milliarden Dollar von China in die USA wanderten. Der Preis der transportierten Windtürme von Asien nach Amerika belief sich im selben Jahr dagegen „nur“ auf 220 Millionen Dollar.

Zum einen liegt der Unterschied in der Logistik. Ein Stahlmast ist eben schwerer zu transportieren als Solarmodule und somit kostenintensiver. Zum zweiten ist die Wartung durch den weit entfernten Standort ein Hindernis. Eine langfristige Partnerschaft ist bei Windkraftanlagen von Vorteil.

Allerdings gilt zu beachten, dass die Stahlproduktion zum Großteil in China stattfindet, weshalb der Transport eines Turmes sich von dem des Stahls vielleicht weniger unterscheidet als man denkt.

Trotz allem erwarten die Chinesen durch die Einführung des Zolls keinen gravierenden Nachteil. So bauen die Produzenten der Windräder sich in anderen Ländern, wie Kanada, Dänemark und Indien, ihre Standorte auf. Damit können die Steuern umgangen und Kosten gesenkt werden. Eine Konsequenz, die die Industrie der Windenergie mit der Solarbranche gemein hat.

Jenny Lohse

Add comment