Schottland unterstützt ärmere Haushalte durch erneuerbare Energien

KAP at Slains Castle, Scotland

Wenn die Tage kälter werden, verhalten sich die Deutschen sehr sparsam. Steigende Heizkosten lassen sie zu Hause lieber die Nähe ihres Partners suchen, anstatt die Heizung aufzudrehen. Im Hinterkopf haben sie dann die Warmwasserbereitung und das Heizen, was 90 Prozent der Energie in deutschen Haushalten beansprucht. Europäer reduzieren ihre Heizkosten auf unterschiedliche Weise. Franzosen und Briten beispielsweise ziehen sich zunächst wärmer an, um der Kälte zu entrinnen.

Um die Kosten an der Quelle zu senken, hat sich die schottische Regierung seit August dieses Jahres auf ein innovatives Programm eingelassen: Sie investiert drei Millionen britische Pfund in nachhaltige Energie. Nutznießer sind Haushalte, die in die Energiearmut abgerutscht sind. Der Ausdruck wird in Großbritannien verwendet, wenn mehr als zehn Prozent des Einkommens für die Energieversorgung verwendet wird. In Schottland fallen inzwischen 800.000 Familien in diese Kategorie, also mehr als ein Drittel der Haushalte.

Das zinslose Darlehen kann für erneuerbare Heizsysteme und nachhaltige elektrische Anlagen genutzt werden. Jeweils bis zu 10.000 Pfund soll den Verbrauchern mit der Installierung von Heißwasserspeichern, Solarmodulen und Wärmepumpen ihre eigene Versorgung sichern. Die Ablösung von Ölheizkesseln und elektrischen Heizstrahlern spart Geld und mit dem Einspeisetarif für erneuerbare Energien wird das Einkommen erhöht.

Der Energieminister Fergus Ewing sieht das Programm als Chance, die Energiekosten zu minimieren und gleichzeitig den Ausbau der erneuerbaren Energien zu fördern. Zudem werden Technologien im kleinen Maßstab voran gebracht. Auch das Scottish National Heritage, das sich eigentlich dem Naturschutz verschrieben hat, unterstützt das Projekt. Die Behörde mahnt aber gleichzeitig an, die Gebäudedämmung bei der Neuorientierung nicht außen vor zu lassen.

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Eine weitere Möglichkeit für Verbraucher in ganz Großbritannien ist die Nutzung des ‚renewable heat premium payment voucher‘. Diese Finanzierungsmöglichkeit hat den Vorteil, dass sie nicht zurück gezahlt werden muss. Der Hauseigentümer oder Mieter bekommt Geld für die Installierung regenerativer Heiztechnik. Zum Beispiel 600 Pfund für eine Solarthermieanlage oder 2.300 Pfund für eine Wärmepumpe. Dem voraus geht das ‚green deal assessment‘, eine Art Bewertung der Verbesserungsmöglichkeiten im jeweiligen Haushalt.

Die Gutschrift gehört zum Regierungsprogramm der britischen Regierung, die bis 2020 15 Prozent der benötigten Energie auf der Insel aus erneuerbaren Energien bereitstellen will.

Jenny Lohse

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