Netzkollaps befürchtet

Bereits im Jahr 2007 wurde von der Bundesregierung das Integrierte Klima- und Energieprogramm (IKEP) beschlossen. Hierin wurden Eckpunkte gesetzt, mit denen die Umsetzung der definierten Klima- und Energieziele aus der Regierungserklärung vom 26. April 2007 umgesetzt werden sollen. Einer der Zielwerte aus der Erklärung sieht eine Reduktion des deutschen Stromverbrauchs um elf Prozent im Zeitraum 2006 bis 2020 vor. Ein von den Grünen in Auftrag gegebenes Gutachten zur Überprüfung der veranschlagten Meseberger Maßnahmen zur Umsetzung dieser Ziele ergab jedoch, dass mit den geplanten und eingeleiteten Maßnahmen unter anderem der Stromverbrauch bis 2020 lediglich um vier bis Prozent gesenkt wird.

Dabei steht Deutschland für die Zukunft eine Stromkapazität zur Verfügung, die kaum genutzt werden kann. Eigentlich wäre ein Mehrverbrauch angebracht! Grund für diese plötzliche Wandlung ist der enorme Ausbau von Solaranlagen. Durch immer mehr Photovoltaik-Strom steht das deutsche Stromnetz vor einer Überlastung, dieser Meinung ist zumindest Dena-Chef Kohler. Seiner Prognose zufolge könnte schon im Jahr 2011 zumindest an sonnigen Wochenenden der Strom aus Photovoltaikanlagen annähernd den Strombedarf des gesamten Landes decken. Rund 30 großen Kohlemeilern würden den installierten Leistungen von Photovoltaikanlagen Ende des kommenden Jahres entsprechen, knapp 30.000 Megawatt die dann ins Netz gespeist würden. Ginge der Ausbau der Sonnenenergie in diesem Tempo weiter, so wäre schon 2013 eine Kapazität von etwa 50.000 Megawatt erreicht – Strom, den keiner braucht und der nur die deutschen Netze überlastet. Angesichts der angestrebten Stromeinsparung bis zum Jahr 2020 ein nicht kalkulierbares Risiko für die Stromnetze, die auf die stark schwankenden Strommengen noch gar nicht eingestellt sind. Kohler fordert daher eine Deckelung der Solarförderung. 1.000 Megawatt pro Jahr solle nach seiner Meinung ausreichen, um die erzeugte Menge an Strom aus Solaranlagen bis zum Jahr 2020 bis zur Netz-verträglichen Marke von 30.000 Megawatt auszubauen. In diesem Zeitraum müssten dann Speicher und Netze entsprechend ausgebaut werden, um den Belastungen Stand zu halten.

Judith Schomaker

1 Kommentar

  • Plötzlich soll die Photovoltaik, die ja angeblich einen so geringen Anteil an der Stromerzeugung hat, eine Gefahr für die Netze darstellen ?

    Um zu verstehen auf welchem Mist diese Aussage gewachsen ist, sollte man vielleicht erst mal schauen wer hier gesprochen hat und wie dessen Interessenlage ist.

    Aus einem Bericht im Mai 2009:
    Stephan Kohler (56), designierter Vorsitzender der Geschäftsführung der neuen RWE Effizienzgesellschaft und Chef der Deutschen Energie-Agentur (dena), hat den RWE-Vorstand gebeten, ihn von seinen erst kürzlich bei RWE eingegangenen Verpflichtungen zu entbinden.

    Die Verbindung zu RWE ist doch ganz deutlich zu sehen, zumal sich Herr Kohler dem Bericht zufolge nicht entbinden lies um eine Unabhängigkeit zu erlangen, sondern vielmehr erklärte er:

    „Ich möchte in der jetzigen, politisch wie wirtschaftlich schwierigen Situation und bei den anstehenden neuen Aufgaben in der dena weiter die Verantwortung übernehmen. Ferner bin ich von Mitgliedern des Aufsichtsrats der dena dringend gebeten worden, meinen Vertrag bei der dena zu erfüllen. Diesen Bitten konnte ich mich nicht verschließen. Andererseits bedauere ich es, die neue Aufgabe bei RWE nicht übernehmen zu können.

    Jetzt zu der Netzsituation, es ist doch schon etwas absurd wenn hier von der Gefahr einer Netzüberlastung durch viele kleinteilige und über ganz Deutschland verteilte dezentrale Photovoltaik gesprochen wird.

    Das Problem liegt doch vielmehr in den unflexiblen Atom- und Kohlekraftwerke, die sich, auf die wechselnden Situationen der Sonnenintensität und der damit verbundenen unterschiedlichen Strommenge, schlicht viel zu träge regeln lassen.

    Bei Windenergie kann man diesen Umstand noch durch Abschalten der Windräder ausregeln, obwohl ja eigentlich die regenerativen Stromerzeuger Vorrang haben, Bei Photovoltaikanlagen geht das halt nicht, man müsste dann Atomkraft- und oder Kohlekraftwerke herunterregeln.
    Was bei Kohle ein technisches und bei Atomkraft ein finanzielles Problem für die Kraftwerksbetreiber darstellt.

    Anstatt also zu fordern, den Ausbau der Photovoltaik einzuschränken, sollte man endlich einsehen das man gerade das Gegenteil machen sollte.
    Zeitgleich ist die beschleunigte Markteinführung von Speichertechnologien zu fordern, hier kann unter anderem das Elektroauto eine bedeutende Rolle im Energiemanagement einnehmen, aber auch vielerlei andere Technologien, die bekannt und auch verfügbar sind.

    Es ist schon irgendwie fast lächerlich, wie technikfeindlich in diesen Kreisen argumentiert wird, wenn es um den Erhalt des Status quo der konventionellen Stromerzeugung geht.
    Wobei in 10 Jahren eher die regenerative Erzeugungsart dann konventionell sein wird.

    Weitere Hintergründe hier: http://www.wdr.de/tv/markt/sendungsbeitraege/2010/1018/03_solarstrom.jsp