Wer finanziert die Netzausbaupläne?

Stromversorgung

Schon im Jahr 2009 wurde im Rahmen des Energieleitungsausbaugesetzes der Bau von 1.807 Kilometern Stromnetz als vorrangiges Projekt klassifiziert. Bislang sind davon allerdings erst 214 Kilometer gebaut, gerade einmal elf Kilometer in Betrieb genommen worden. Insgesamt sollen 3.800 Kilometer neue Leitungen gebaut und 4.400 Kilometer bestehendes Netz umgebaut werden, um die geplante Energiewende zu schaffen.

Der bislang wichtigste erneuerbare Energieträger Wind wird nicht dort erzeugt, wo der Bedarf am größten ist, sondern dort, wo viel Wind weht. Er wird vornehmlich im Norden des Landes, in Nord- und Ostsee produziert. Von dort aus muss er über weite Strecken in den industrialisierten Süden transportiert werden, dem, bedingt durch den Wegfall der 4.960 Megawatt starken Atomkraftwerke, ohnehin Engpässen und Spannungsprobleme drohen.

Von den 3.800 Kilometern der für den Windstromtransport notwendigen Stromtrassen sollen 1.700 Kilometer gewöhnlichen Wechselstrom transportieren, 2.100 Kilometer allerdings als Hochspannungsgleichstromtrassen (HGÜ) gebaut werden. Der Vorteil: Gleichstrom ändert weder Richtung noch Stärke. Bei der Übertragung geht somit weniger Energie verloren und mehr Strom lässt sich transportieren, was weniger Überlandleitungen nötig macht. Die Umrichter, die erforderlich sind, um den produzierten Wechselstrom für den Transport in Gleichstrom und später wieder in Wechselstrom umzuwandeln, sind jedoch relativ teuer. Alleine der Bau der Überlandleitungen wird von den Netzbetreibern mit rund 20 Milliarden Euro veranschlagt. Die Anbindung der Windparks auf See schlägt nochmals mit zehn bis zwölf Milliarden Euro zu Buche. Doch nicht nur die großen Stromautobahnen verschlingen Milliarden, auch, oder vor allem, die Verteilernetze müssen für die neuen Energieströme ausgebaut werden. Für die Modernisierungs- und Umbaumaßnahmen der regionalen Verteilernetze werden bis zu 25 Milliarden Euro fällig.

Beträge, die schwer lasten und über deren Aufbringung man sich noch immer nicht einig ist. Auch das Gesetz, das bis zum Ende des Jahres den Stromnetzbedarf festschreiben soll, bringt hierfür keine Lösung. Zwar kündigen die Netzbetreiber Investitionsbereitschaft an, letztendlich zahlt jedoch der Stromverbraucher durch steigende Netzentgelte. Die Idee, den Netzausbau durch Mittel aus dem Bund zu finanzieren, klingt auch nur auf den ersten Blick erfreulich. Auch hier zahlt, wenn auch auf Umwegen, der Steuerzahler.

Deutlich erfolgversprechender und zudem akzeptanzfördernd klingt da die Idee eines privat initiierten und finanzierten Infrastrukturprojekts auf Basis einer Bürgerbeteiligung. Da die Bürger am Netzerlös partizipieren, werden durch ihr eingebrachtes Kapital nicht nur wichtige neue Kapitalreserven erschlossen, sondern auch gleichzeitig lokale Widerstände gegen den geplanten Netzausbau ausgeräumt. Wie der Netzausbau endgültig finanziert wird, bleibt aber wohl auch weiterhin eine der größten Herausforderungen der Energiewende.

Judith Schomaker

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