Mit grünem Wachstum neue Wege beschreiten

Grünes Wachstum

Auf der Konferenz der Vereinten Nationen über nachhaltige Entwicklung, die heute beginnt, wird allem voran über die Rolle eines weltweiten grünen Wachstums diskutiert. Große Erwartungen, als auch starke Vorbehalte treffen aufeinander.

Es geht in Rio um nichts Geringeres, als um die Frage, welchen Weg die Weltgemeinschaft in ihrer Art zu wirtschaften zukünftig wählen soll: die bisher dominierende Wirtschaftsform traditioneller Ressourcenausbeutung und CO2-basierten Wachstums oder eine CO2-neutrale Wirtschaftsform. Das vorgeschlagene grüne Wachstum würde alle Facetten der Wirtschaft auf Nachhaltigkeit überprüfen und entsprechende marktregulierende Mechanismen einbauen, die bestehende Preis- und Kostenstrukturen verändern würden. Vereinfacht erklärt wird eine Wirtschaftsform angestrebt, die kein ökologisches Defizit erzeugt – besser noch, ökologische Reserven aufbaut. Dieser Bestrebung steht die Erkenntnis als Grundlage, dass die Weltgemeinschaft zurzeit ihre weltweiten Ressourcen etwa 30 Prozent schneller verbraucht, als sie wieder „aufgefüllt“ werden können. Ernstzunehmende Studien berechnen bei gleichbleibendem Trend bis 2040 gar einen Verbrauch von zwei Erden.

Die Green Economy der UNEP legt daher ein Konzept vor, das wirtschaftliches Wachstum mit Nachhaltigkeit verbindet und langfristig zu höheren Wirtschaftswachstumsraten führt. Mit Hilfe der Green Economy werden die CO2-Emissionen verringert, Habitate geschützt, landwirtschaftlich genutzte Flächen produktiver, die Lebensqualität in urbanen Zentren deutlich erhöht, Arbeitsplätze geschaffen und die Armut insgesamt gesenkt (zur genaueren Einsicht der positiven Effekte: Towards a Green Economy: Pathways to Sustainable Development and Poverty Eradication). Um die Wirtschaft nachhaltig zu gestalten, sind grundlegende Restrukturierungsmaßnahmen erforderlich, die etwa zwei Prozent der weltweiten Wirtschaftsleistung in Investitionen bedingen würden.

Bekämpfung der Armut durch ökologische Modernisierung

Das Umweltprogramm der UN sieht durch die ökologische Modernisierung der Wirtschaft somit ein verheißungsvolles Potential insbesondere für Entwicklungsländer bei der Bekämpfung der Armut. Allerdings geht es hierbei um mehr als eine „entwicklungspolitische“ Maßnahme – vielmehr geht es um ein zukunftstragendes Konzept, sowohl für Entwicklungsländer, als auch für unsere Industriestaaten. Entgegen skeptischer Auffassungen, ist grünes Wachstum nicht primär ein Prestigeprogramm des Umweltschutzes, sondern ein Gesellschaftsprojekt mit vordergründig wirtschaftlichem Interesse. Denn genauso wie sich die Weltgemeinschaft einig darüber ist, dass die europäische Finanzkrise durch einen massiven Schuldenabbau zu überwinden sei, muss es in unserem Wirtschaftssystem immer stärker um einen ausgeglichenen ökologischen Haushalt gehen.

Wir können nicht mehr Ressourcen verbrauchen, als uns die Welt zur Verfügung stellt – so einfach ist das. Die sich daraus resultierenden Fragen und Konsequenzen sind in der Tat umstritten und genau auf diese müssen sich die Verhandlungen konzentrieren: Wer soll die investitionsintensiven Mehrkosten tragen, welche Regionen werden zu den Profiteuren zählen und wie soll die technologieintensive grüne Wirtschaft in die Entwicklungs- und Schwellenländer getragen werden? Diese Fragen werden hart verhandelt und haben sowohl politische, wirtschaftliche, als auch juristische Implikationen.

Einklang von Wirtschaft und Umwelt

Die Europäische Union wäre aber gut beraten ihre weltweite Vorreiterrolle bei der CO2-Reduzierung beizubehalten. Sie kann und muss die bereits unternommenen Anstrengungen hin zu einer nachhaltigen Wirtschaftsform und der damit einhergehenden Technologieforschung verstärken und eine weltweite Führungsrolle bei den Verhandlungen selbstbewusst einnehmen. Somit kann die EU sowohl eine Spitzenposition bei den grünen Technologien erreichen, als auch global Märkte hierfür schaffen – eine Politik, die Wirtschaftsinteressen und Umweltschutz in Einklang bringt und sich strategisch klug positioniert.

Einst ist klar, die Zeit drängt. Die Verhandlungsparteien in Rio de Janeiro sollten gestrige ideologische Kämpfe zur Seite tun und ernsthaft Verhandlungen zu einer globalen, grünen Wirtschaftsform führen, die den Grenzen eines endlichen Planeten Rechnung tragen.

Javier Francisco

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