Mein persönlicher Jahresrückblick

Jahreszeiten

Wie soll man als CleanEnergy Project-Autor das Jahr 2013 beschreiben? Mir fällt dazu nur ein Wort ein: spannend!

Spannend war die Tatsache, dass die Meldung über das kleine Königreich Bhutan im Himalaya, „ein Land wird hundertprozent biologisch, in unserem Online-Magazin sehr viele Leser und Follower bei Facebook beschäftigt hat. Eindeutiges Indiz dafür, dass wir alle derartige positive Nachrichten beeindruckend und vielleicht sogar ein wenig inspirierend finden. Wer Inspiration für eine nachhaltige Lebensweise sucht, dürfte, wie in den Jahren vorher, keine Probleme gehabt haben. Immer mehr „grüne“ Unternehmen mit einer Menge guter Ideen „schießen“ hierzulande aus dem Boden.

Von der Unfähigkeit einer Verbraucherministerin alleingelassen, kämpfen sie beispielsweise gegen den immer größer werdenden Müllberg an. Brot vom Vortag als erfolgreiche Geschäftsidee. Wie auch immer. Bei allen Geschichten können wir uns als Verbraucher nicht aus der Verantwortung herausstehlen. Überall sind wir das entscheidende „vierte Rad am Wagen“. Das ist die Wahrheit – auch in diesem Jahr.

Vielleicht war deshalb die Motivation bei den Grünen so stark, einen Veggie-Day in Kantinen gesetzlich vorzuschreiben. Die ganze Kampagne glich einem politischen Selbstmord. So wichtig und sinnvoll es ist, den völlig perversen Fleischkonsum einzudämmen, aber nicht mit aufklärerischem Dilletantismus. Was bleibt, ist eine verlorene Wahl der grünen Partei – einziges Trostpflaster: eine breite Diskussion, die auch erstmalig an deutschen Stammtischen Einzug gehalten hat. Laborpferde, welche scheinbar in Kochtöpfen gelandet sind, bescheren uns noch rechtzeitig zum Fest einen neuen Lebensmittel-Skandal.

Das Jahr mit der „13“ am Ende, ist ein Jahr der Lückenfüller. Unsere Wissenslücken über Bangladesh wurden auf drastische Weise gefüllt. Bangladesh hat es geschafft, dem T-Shirt die Unschuld zu nehmen. Die Näherinnen in den Fabriken sind die Sklaven des 21. Jahrhunderts, die die westliche Gier nach saisonaler Mode stillen, mitunter sogar mit ihrem Leben bezahlen.

Textil, Energie, Nahrung – das Auftreten der mächtigen, alles fressenden Konzerne ist, wenn man es einmal durchschaut hat, immer dasselbe und wenn nicht, das größte Dilemma im Bereich „Soziales und Natur“. Der größten Gewinnmaximierung und der Dividende der Aktionäre geschuldet, scheren sich die meisten Unternehmen sehr wenig um Menschen- und Umweltschutz und Schonung der vorhandenen Ressourcen.

Auch dieses Jahr zockten die Deutsche Bank und die Allianz mit Nahrungsmitteln. Der Saatguthersteller Monsanto strebt mit verachtenden Mitteln die Weltherrschaft an, der Hunger nach Palmöl führt zu immer wilderen Rodungen in artgeschützten Regenwäldern, und Gazprom hat die Eroberung des letzten natürlichen Paradieses auf unserem Planeten in Angriff genommen.

2013 ist auch das Jahr der mutigen Menschen. Ohne sie wären wir alle ein bisschen naiver. Eine Verneigung vor all den Journalisten, Aktivisten und Wissenschaftlern. Sie haben uns immer wieder Bilder und Becquerelstände rund um die Unglücksgegend in Fukushima übermittelt. Recherchierten sich unermüdlich mit spürbaren persönlichen Beeinträchtigungen in die Machenschaften von Konzernen hinein. Der Begriff „Green Washing“ ist durch ihren Wissensdurst geboren worden.

Einen Kotau vor den Aktivisten von Greenpeace, die sich in der Arktis mit dem russischen Großkonzern Gazprom ein Scharmützel geliefert haben und dafür ins Gefängnis mussten. Schalke 04 und der Fußballkaiser Beckenbauer, die beide auf der Gehaltsliste des Energieriesen stehen, verhielten sich beschämend ruhig. Zum Jahresabschluss nicht mehr als ein Armutszeugnis.

Ein guter Wissenstand mit einer professionellen Vernetzung im Internet hat den ökologischen Wutbürger zu einer mächtigen Instanz heranwachsen lassen. Olympia in Bayern 2022 – der zur Wahl gebetene Bürger sagte „nein danke“. Die Bajuwaren schließen sich der Entscheidung der Schweizer Bürger im Frühjahr an. Ein ermutigendes Zeichen zum Ende eines Jahres. Rote Karte für skrupellose Machenschaften, Umweltfrevlertum und Nepotismus. Was bei den Verneinern und jedem umweltbewussten Beobachter des Bürgerentscheids in Bayern bleibt, ist ein gutes Gefühl, wenn man zu den Vorbereitungen nach Sotschi, dem Austragungsort für die Winterspiele 2014, blickt. Hier hat es ein einzelner Politiker geschafft, einen ganzen Landstrich zu vergewaltigen. Umweltpolitik international sowie national ist die große Enttäuschung in einem zu Ende gehenden Jahr. Eine Nullnummer die Weltklimakonferenz in Polen und eine von Taktiererei und von geschürten Ängsten geprägte Energiewende in Deutschland.

Die Kanzlerin muss sich nach ihrem energischen Eingreifen in Brüssel für CO2 – Grenzwerte für Pkws den Vorwurf der Bestechlichkeit gefallen lassen, nachdem die Quandts unmittelbar nach dem Kompromiss der CDU eine komfortable Spende überwiesen haben.

2013 geht mit einem Ringen zu Ende. In der einen Ecke befindet sich eine Gruppe von Menschen, die versuchen, noch alles mitzunehmen, solange es noch funktioniert. Große Geländewagen, gedankenloses Shoppen und Verleumden von klimatischen Veränderungen. In der anderen Ecke sind die Alltagsmacher, die nicht mehr auf politische Zeichen warten, Regionalität fördern, ihr vielversprechendes Aktienpaket überdenken und die ganz kleinen Dinge am Montag, Dienstag und Silvester 2013 überdenken.

Mein Vorsatz für das neue Jahr 2014: mich bei Letzteren einzureihen.

 

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