Künstliche Kursschwankungen verstärken Hungersnot

Brot und Getreide; Foto: Sven Hastedt (aboutpixel)

Dieser Tage wird es für Banker und Spekulanten zunehmend schwierig, Geschäfte unbemerkt vom Rest der Welt zu tätigen, der eben dadurch maßgeblich beeinflusst wird. Weltweite Demonstrationen vor den Handelszentren zeigen, dass sich die Bürger der Macht von Finanzmärkten bewusst sind und die Regierungen zum Handeln auffordern. Und die Proteste sind noch lange nicht beendet. So ruft zum Beispiel Attac für den 12. November zu einer Umzingelungsaktion des Frankfurter Bankenviertels auf. Selbst der auf Lebensmittel ausgerichtete Verein Foodwatch ist mit einer Kampagne gegen die Finanzwelt dabei. Denn ein Misstand, der momentan stark diskutiert wird, ist der Preisanstieg der Nahrungsmittel in Zusammenhang mit Spekulationen.

Folgen der hohen Nahrungsmittelpreise

Die Folgen für die Bevölkerung in Schwellen- und Entwicklungsländern wiegen schwer. Ein Großteil des Einkommens dient dem Nahrungserwerb. Durch die drastisch steigenden Preise leiden mehr Menschen an Hunger, von fehlender medizinischer Versorgung und Bildung ganz zu schweigen. Gemeinhin gelten der Klimawandel, Bürgerkrieg, Korruption, die wachsende Bevölkerung, Biotreibstoff, der steigende Ölpreis, der steigende Fleischkonsum und der steigende Wohlstand in Schwellenländern als Grund für steigende Nahrungsmittelpreise.

UN-Studie macht Spekulanten für Preise verantwortlich

Doch ungeachtet von anderen Faktoren beeinflusst der Börsenhandel den Preis enorm. Denn steigt die Nachfrage der Aktien, steigt auch ihr Wert. Und der Aktienhandel funktioniert nun einmal auch nach dem Prinzip, gekaufte Aktien später teuer zu verkaufen. Dies geschieht nun auch mit den Grundnahrungsmitteln. So ist Mais beispielsweise das zur Zeit am stärksten gehandelte Getreide.

In der UN-Studie “Price Formation in Financialized Commodity Markets” werden die Spekulationen als Hauptfaktor der hohen Preise entlarvt. Denn diese schwanken zu stark und schnell, als dass es an der Verfügbarkeit liegen könnte. Und noch immer wird weltweit mehr Nahrung produziert als verkauft. Ausschlaggebend für die Preisbildung an der Börse ist der erwartete Wert, der sich nicht mehr nach realem Angebot und realer Nachfrage richtet. Die Spekulanten sind nicht an der Ware interessiert und verkaufen nur die Börsenverträge. Da nur noch zu zwei Prozent mit echter Ware gehandelt wird, ist die Entkopplung der Finanzwelt von der realen Wirtschaft nicht verwunderlich. Nachweislich folgen die Realpreise den Preisen der Börsenverträge.

Banken und Unternehmen plädieren indessen für einen verstärkten Anbau von Nahrungsmitteln und locken Investoren mit der hohen Nachfrage an Mais gegenüber des angeblich zu geringen Angebots. Diese auf Kappheit getrimmte Ware heizt den Handel zusätzlich an.

Die im Jahr 2010 gegründete Initiative handle-fair.de informiert über die Auswirkungen der Nahrungsmittel Spekulationen. Zudem ermahnt sie Banken, Investmentgesellschaften und Anleger, sich nicht am Handel mit Agrarrohstoffen zu beteiligen.

Agieren der Regierungen ist gefragt

Doch mehr als den Unternehmern ins Gewissen zu reden, bleibt der Initiative nicht. Am Ende sind es die Regierungen, die agieren müssen. Strengere Regeln und Transparenz sowie die Einführung einer Transaktionssteuer wären ein sinnvolles Mittel. Bisher gibt es nur ein Agriculture Market Information System, das Daten zu Rohstoffen bündelt.

Derweil lädt die Global AGInvesting zur nächsten Konferenz nach Singapur. Sie geht von einer Verdopplung der Agrar-Investitionen in den nächsten drei bis fünf Jahren aus. Denn Anlagen von Agrarrohstoffen gelten als inflationssicher, da sie stetig zur Deckung der Grundbedürfnisse genutzt und deshalb angebaut werden.

Nur kann dank der Spekulationsblase in vielen Ländern nicht mehr auf dieses Grundbedürfnis zurück gegriffen werden. 

Jenny Lohse

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