Kostengünstiger EU-Klimaschutz

Euro

Klimaverschmutzung gibt es derzeit fast zum Nulltarif, Investitionen in Klimaschutztechnologien lohnen sich immer weniger. Im EU-Emissionshandel bewegen sich die Preise für Kohlendioxid-Zertifikate bei rund sieben Euro bis zehn Euro weniger, als die Bundesregierung in ihrer Haushaltsplanung ursprünglich vorgesehen hatte. Schuld daran ist nicht zuletzt die Weltwirtschaftskrise und die fleißigen Klimaschutzmaßnahmen aus den Vorjahren. Sie haben dafür gesorgt, dass die Klimaziele, die Emissionen bis 2020 zum Vergleichsjahr 1990 um 20 Prozent zu reduzieren, schon viel früher als angenommen erreicht werden können. Sogar eine Reduktion um 30 Prozent wäre bis zum Jahr 2020 zu geringeren Kosten möglich, als bislang angenommen.

Zwar soll das Papier aus den Reihen der EU-Klimaschutzkommissarin Hedegaard erst im Februar der breiten Öffentlichkeit vorgestellt werden und auch Textänderungen sind bis dahin noch möglich, der Entwurf zeigt jedoch klar, dass das 2020 Ziel schon heute in greifbarer Nähe ist. Bis heute wurden die Emissionen im Vergleich zum Jahr 1990 bereits um 14 Prozent gemindert. Die Folgen, die diese Fortschritte laut dem Papier nach sich ziehen, sind jedoch alles andere als klimafreundlich. Die Verschmutzungszertifikate sind durch den Rückgang der CO2-Emissionen zum Schnäppchenpreis zu bekommen. Für Unternehmen, die nach wie vor auf herkömmliche Technologien, zum Beispiel Kohlekraft setzen, ist es damit günstig so weiterzumachen wie bislang. Die Förderung klimafreundlicher Technologien gerät ins Abseits.

Weiter spielt das Papier ein Szenario durch, das eine Verschärfung des Klimaziels auf die 30 Prozentmarke vorsieht. 25 Prozent sollen dabei von der EU selbst erreicht werden, fünf Prozent in Maßnahmen zur Emissionsreduktion in Entwicklungsländern verwendet werden. Wie im Berichtsentwurf aufgeführt, soll dieses Ziel deutlich billiger erreicht werden können, als in bisherigen Berechungen angenommen. Für die EU würde die 25-Prozent-Reduktion demnach bis zum Jahr 2020 rund 70 Milliarden Euro kosten. Die bereits getätigten Investitionen in den Klimaschutz würden zudem den Firmen zugute kommen und Klimaschutztechnologien noch rentabler machen. Im Gegenzug könnten die durch den niedrigen Zertifikatpreis derzeit fehlenden Einnahmen für den Klimafonds der Bundesregierung durch ein höheres EU-Klimaschutzziel kompensiert werden.

Judith Schomaker

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