Kein Sand am Meer mehr – Raubbau von Sand

Sand Raubbau
Sand, eine immer knapper werdende Ressource

Sand – ein Material des Überflusses? „Wie Sand am Meer“, dieses Redewendung lässt vermuten: Sand gibt es zur Genüge. Doch Sand ist zu einer kostbaren Ware geworden. Seit einigen Jahren warnen nicht nur die Vereinten Nationen davor, die Verfügbarkeit des Rohstoffes falsch einzuschätzen. Der Raubbau am Allerweltsrohstoff hat gravierende Folgen.

Nach Wasser ist Sand der meist verbrauchte Rohstoff auf der Welt. Das körnige Gut wird nicht nur klassisch im Hoch- und Tiefbau als Beton, sondern auch für Autobahnen, Handys und in der Glasproduktion verwendet. So kommt es, dass jährlich 40 Millionen Tonnen genutzt werden. Das scheint bei einem Vorkommen von 120 Billionen Tonnen nur ein geringer Teil zu sein. Doch der Großteil des Sandes liegt auf dem Meeresboden oder ist nicht für die entsprechende Nutzung ungeeignet.

Die Folgen des Sand-Raubbaus

Inzwischen zeichnen sich weltweit geopolitische Folgen des Sand-Abbaus an. Durch die weltweite Verstädterung wächst die Nachfrage von geeignetem Sand seit Jahren rasant an. Allein zwischen 2011 und 2013 verbrauchte China mehr Sand als die Vereinigten Staaten von Amerika im ganzen 20. Jahrhundert. Städte wie Singapur, die selbst fast kein Sand-Vorkommen haben, importieren tonnenweise aus Indonesien. Hier wiederum sind bereits 20 kleine Inseln ganz verschwunden – wegen des Abbaus. Durch das Verschwinden von Inseln auf der einen, und das Vergrößern von Staaten auf der anderen Seite, kommt es zu Verschiebungen von Gebietszugehörigkeiten und Einnahmeverlusten durch fehlende Ressourcen.

Auch ökologisch wirkt sich die Sand-Industrie negativ aus. Da sich Wüstensand für die häufigsten Verwendungen von Sand nicht eignet, wird das Material inzwischen vom Meeresboden abgebaut. An den aufgewirbelten Partikeln ersticken unzählige Fische. Außerdem werden beim „Tagebau unter Wasser“ Korallen zerstört, Kleinstlebewesen angesaugt und die Nahrungskette von Fischen unterbrochen. Das wiederrum hat verheerende Folgen für den Fischfang und die Existenz vieler Küstenbewohner. Aus ihrer Not heraus verkaufen immer mehr Küstenregionen Sand und geraten damit in einen Teufelskreis aus schrumpfendem Land und Fischvorkommen.

Durch das „Abschöpfen“ des Sandes vom Meeresgrund sinken die Küsten ab und sind als Folge dessen anfälliger für Erosionen und Unwetterschäden. Touristen verschwinden. Darüber hinaus sorgt dies für den Anstieg des Meeresspiegels, wodurch wiederum das Grundwasser durch den Salzgehalt des Meerwassers verunreinigt wird. Dadurch ist neben dem Landwirtschaftssektor auch die breite Bevölkerung betroffen.

Blick in die Zukunft

Doch in den letzten Jahren entsteht ein Problembewusstsein. Die indonesische Regierung von Jakarta beispielsweise verbot in 2007 nach und nach den Sand-Export nach Singapur, Malaysia, Vietnam und Thailand. Wodurch der Sandpreis für eine Tonne kurzzeitig von drei, auf 190 Dollar anstieg. Da es keine internationale Überwachung des Abbaus gibt, importieren laut Costal Care ca. 60 Länder illegal Sand.

Dieser weltweite Raubbau hat kaum absehbare Konsequenzen.

Dabei gibt es durchaus Lösungsansätze: allein in Frankreich und Deutschland fallen jährlich um die 110 Millionen Tonnen Bauschutt an, die wiederverwendet werden könnten. Doch solange Sand verhältnismäßig wenig kostet und nicht der wahre Preis verlangt wird, ist dieser Ansatz nicht rentabel.

Die Arte-Doku aus dem Jahr 2013 „Sand – Die neue Umweltzeitbombe ist hier auf youtube zu finden. Die aus Singapur stammende Dokumentarfotografin SIm Chi Yin erzählt mit ihren Bildern Geschichten und Konflikte und hat ein Langzeitprohjekt zum Thema Sand. Ihre Fotografien zur Thematik findest Du hier.

 

Quellen: Arte: Mit offenen Karten – Der Sand wird knapp, Greenpeace Magazin März/April 2018

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