Ist Kernenergie wirklich günstig?

Ist die Kernkraft wirklich so kostengünstig, wie es von der Atomlobby und vielen Politikern, vornehmlich aus dem konservativen Lager, kommuniziert wird? Die Antwort lautet wohl: „ja“, allerdings nur für die Betreiber von Atomkraftwerken (AKWs). Hierzu zählen alle vier großen deutschen Energiekonzerne: EnBW, RWE, Eon und Vattenfall. Diese drängen auch auf den Wiedereinstieg in den Neubau von AKWs. Für die deutsche Bevölkerung ist die Atomkraft nicht wirtschaftlich.

Im Jahr 2002 beschloss die rot-grüne Bundesregierung unter Kanzler Schröder den Ausstieg aus der Atomkraft. Der letzte Reaktor soll im Jahr 2021 stillgelegt werden. Seither ist der Neubau von Atomreaktoren verboten. In den USA gibt es kein ähnliches Verbot. Dennoch wurden in den USA in den letzten 25 Jahren keine neuen Atommeiler errichtet.

Dies liegt vor allem daran, dass es dort keine Subventionen für solche Vorhaben gibt. Rein privat finanziert scheinen sich Atomkraftwerke also nicht zu rentieren. Ein Atomkraftwerk kann nach Expertenmeinung bis zu zehn Milliarden US-Dollar kosten. Dabei sind Rückbau, Atommülllagerung und erhebliche Finanzierungskosten nicht eingerechnet.

Sollte in Deutschland die Atomkraft eine Renaissance erfahren, was bei einer Koalition aus CDU/CSU und FDP nach der anstehenden Bundestagswahl nicht unwahrscheinlich erscheint, ist vorauszusehen, dass die Atomlobby auf massive Subventionen durch den Staat drängen wird. In Deutschland tarnt sich die Atomlobby hinter unverfänglichen Namen wie „Bürger für Technik“. So wird dem Betrachter suggeriert, dass es sich um unabhängige Interessenverbände handelt. Vieles spricht jedoch dafür, dass dahinter die Atomindustrie steht. Der Verein macht durch selektive Informationsangebote Stimmung für die Kernenergie. Nach einem Bericht in der Onlineausgabe des Spiegel sollen die Betreiber von Atomkraftwerken auch Einfluss auf die eigentlich unabhängige Gesellschaft für Strahlenforschung (GSF) ausgeübt haben. So sollen in den 70er Jahren die Sicherheitsstandards im maroden Endlager Asse II auf Druck der Atomlobby reduziert worden sein. Die Sanierungskosten von schätzungsweise 2,5 Milliarden Euro muss heute jedoch der Steuerzahler tragen.

Sollte der Bau neuer Atomreaktoren in Deutschland genehmigt werden, würde die Atomindustrie wohl trotzdem keine Anlagen errichten, wenn sie alle Kosten selbst tragen müsste. Dazu zählt beispielsweise auch die Versicherung eines Super-GAU, so unwahrscheinlich er auch erscheint. Alleine der monetäre Schaden läge Studien zufolge bei mehreren tausend Milliarden Euro. Zum Vergleich: Die Bilanzsumme von Vattenfall lag 2008 bei 19 Milliarden Euro. Die gesetzlich vorgeschriebene Deckungsvorsorge für Unfälle durch die Betreiber beläuft sich auf eher symbolische 2,5 Milliarden Euro.

Wie so oft werden Gewinne privatisiert, Kosten und Risiken jedoch nach Möglichkeit sozialisiert. Damit es auch weiterhin so bleibt, versucht die Atomlobby massiven Einfluss auf Politiker und öffentliche Meinung auszuüben.

Oliver Hölzinger

Add comment

Über das CleanEnergy Project

Das CleanEnergy Project ist ein non-profit Online-Magazin für alle Menschen auf der Suche nach mehr Nachhaltigkeit.

Das Team von CleanEnergy Project will Gestalter und nicht nur Zuschauer unserer Zeit sein.

Wir heißen alle willkommen, die sich uns als Autoren unserer Zeit anschließen möchten und bieten dafür unsere Plattform, das CleanEnergy Project.