Indiens Klimapolitik des 21. Jahrhundert: Chancen und Risiken

Indische Flagge; Bild: shutterstock

Indien gehört mittlerweile zum dritten größten CO2-Emittenten der Welt (Stand: 2010) und zeigt im Klimaschutz-Index einen negativen Trend auf. Auch in Durban präsentierte sich Indien leider als hartnäckiges Hindernis, um zu einem dringend benötigten Ergebnis zu gelangen. Doch Energiepolitik folgt oft pragmatischen Überlegungen und diese geben neuen Grund zur Hoffnung.

Ein Boom an erneuerbaren Energien macht Indien weltweit zum Magneten für Firmen der erneuerbaren Branche. Die Investitionen sind mit 7,7 Milliarden Euro im Vergleich zum Vorjahr 2010 um 52 Prozent gestiegen und sorgen damit für den größten Investitionsanstieg weltweit; und Experten sehen noch deutlich mehr Potential im asiatischen Subkontinent.

Interessant hierbei ist, dass neben der Windenergie, die in Indien schon etabliert ist, die Solarenergie ungeahnte Wachstumsraten genießt. Dieser Anstieg an Solarenergie ist vor allem auf den jüngsten Preisverfall bei Photovoltaik Panels zurückzuführen. Denn dank dieser Preisentwicklung rechnet sich nun der Solarstrom mehr, als der Strom aus Dieselgeneratoren: 13,8 Cent pro Kilowattstunde gegenüber 26,7 Cent pro Kilowattstunde! Der langfristig angelegte Plan zur Förderung der Solarenergie strebt den Bau und Betrieb von 22 Gigawatt Solarstromkapazität an. Doch entscheidend war nicht nur die günstigere finanzielle Situation, sondern auch die richtige politische Weichenstellung. So ist die Förderung von ans Netz angeschlossenem Solarstrom politisch gewollt und entsprechend finanziell mit mittlerweile 3,2 Milliarden Euro ein nennenswerter Investitionsfaktor.

Wie passt nun diese umweltfreundliche Energiepolitik mit dem eingangs erwähnten negativen Trend? Indien hat die  zweitgrößte Bevölkerung der Welt, seine Wirtschaft verzeichnet Wachstumsraten um die acht Prozent und sein Energiebedarf ist entsprechend groß. Die indische Regierung versucht dem Rechnung zu tragen, indem eine Energiediversifizierung mit Fokus auf Energiesicherheit und Energieautarkie (soweit möglich) gelegt wird. Das bedeutet zum einen ein Festhalten an der Kohlekraft, da Indien über eigene, große Kohleverkommen verfügt. Zum anderen sollen die Atomkraft und die erneuerbaren Energien wichtige Säulen bilden.

Was bedeutet das für uns und für die internationalen Verhandlungen um den Klimaschutz? Wir müssen uns daran gewöhnen Länder nicht plakativ mit Labeln wie „Klimasünder“ zu brandmarken,  zumindest nicht, wenn wir uns Einflussmöglichkeiten offen halten wollen. Wir müssen das vitale Interesse Indiens nach Energiesicherheit respektieren, zugleich aber auch Indien in die Verantwortung zur Bekämpfung der globalen Erwärmung nehmen und hierbei wirtschaftliche, technologische und politische Unterstützung liefern. Bei der Kohleenergie kann Deutschland wichtige Technologien liefern, um den CO2-Ausstoß deutlich zu senken; bei der Atomenergie werden die USA, die Indien aus der technologischen Isolierung herausholen wollen, die nötige Technologie liefern wollen. Vor allem aber bei den erneuerbaren Energien kann die Bundesrepublik als Katalysator für das Klimaengagement von Schwellenländern wie Indien dienen und Investitionschancen für beide Länder aufzeigen.

Javier Francisco

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