Großbritannien nimmt Plastikproduzenten beim Recycling in die Pflicht

Recycling von Plastikmüll soll in Großbritannien zukünftig nach dem Verursacherprinzip finanziert.
Recycling von Plastikmüll soll in Großbritannien zukünftig nach dem Verursacherprinzip finanziert.

Unter der neuen britischen Abfallstrategie müssen Einzelhändler und Hersteller von Verpackungswaren künftig selbst für die verursachten Recycling-Kosten aufkommen. Das gilt sowohl für das Einsammeln als auch für das Recyclingverfahren selbst.

Supermärkte und andere Vertreiber von Plastikverpackungen werden in Zukunft Strafen auferlegt bekommen, wenn die Verpackungen für das Recycling Probleme bereiten. Das ist Teil der neuen Strategie der britischen Regierung. Nach dem Verursacherprinzip werden die Verschmutzer selbst zur Verantwortung gezogen – „polluter pays“.

Im Moment werden die Kosten für das Recycling zu 90 Prozent vom Steuerzahler getragen. Die neue Strategie würde die Finanzierung also massiv verschieben. Des Weiteren wird darüber nachgedacht, Händler und Hersteller auch für die Kosten aufkommen zu lassen, die von der Säuberung von ihrem Plastikmüll verursacht werden.

Anreiz für Verhaltensänderung

Die Strategie ist nicht nur dazu gedacht, den Steuerzahler zu entlasten. Die Erzeugung von Plastikmüll und die Verschwendung von Nahrungsmitteln sollen an der Wurzel gepackt werden.

Die Strategie beinhaltet:

  • Eine Steuer auf Einwegplastikwaren mit mehr als 30 Prozent nicht zu recyclebarem Material;
  • Das Verbot von Plastikverpackungen, sofern es Alternativen gibt;
  • Die Einführung von Dosen- und Flaschenpfand;
  • Und die Sicherstellung, dass alle Haushalte Zugang zu gesammelten Nahrungsmitteln haben, die sonst weggeworfen werden würden.

Die Regierung hofft, dass die Strategie sowohl Verbraucher als auch Händler und Produzenten zu einer Veränderung ihres Verhaltens bewegt – hin zu mehr Umweltfreundlichkeit und einem nachhaltigeren Denken.

„Zusammen können wir die Wegwerfkultur hinter uns lassen und eine Gesellschaft schaffen, die Müll nicht als wertlos betrachtet, sondern als Ressource“, so Michael Gove, der britische Umwelt- und Ernährungsminister.

“Wir werden unsere Abhängigkeit von Einwegplastik beenden, die Verwirrung über das Haushalts-Recycling stoppen, das Verpackungsproblem durch das Verursacherprinzip lösen sowie dem wirtschaftlichen, ökologischen und moralischen Skandal der Nahrungsmittelverschwendung ein Ende bereiten.“

Deutschland, Belgien und die Niederlande machen es vor

Die Briten erfinden das Rad damit nicht neu. In einigen europäischen Staaten wie Deutschland, Belgien und den Niederlanden, sind solche Programme bereits am Laufen. Nun ziehen auch die Briten nach – das hat nicht zuletzt auch mit der Erwartung zu tun, dass man demnächst aus der Europäischen Union austreten wird.

Die Veröffentlichung der neuen Strategie kommt inmitten der turbulenten End-Phase des Brexit-Prozesses. Während sich die Europäische Union mittlerweile als einer der führenden Akteure zu Abfallstrategien etabliert hat und insbesondere für das global als das Zukunftsprinzip anerkannte Konzept der Circular Economy mit federführend ist, muss Großbritannien ab dem 29. März 2019 seine eigene Nachhaltigkeitspolitik machen. Dafür wurde nun ein erster Schritt getan.

Quelle: theGuardian

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