Grenada geht neue Wege bei der Anpassung an die Folgen des Klimawandels

Grenada

Grenada – das ist karibische Idylle, kolonialistische Atmosphäre, tropischer Regenwald. Nicht nur deshalb ist Grenada längst zum Geheimtipp für Abenteuerreisende und Atlantik-Segler geworden. Doch das Inselparadies sieht aufgrund der stetig wachsenden Risiken des Klimawandels einer unsicheren Zukunft entgegen.

Überfüllte Strände und Massentourismus sucht man in Grenada vergebens. Der gemäßigte Tourismus hat das Land bisher kaum verändert. Auch deshalb bietet der 344 Quadratkilometer große Inselstaat am südlichen Ende der kleinen Antillen noch nahezu alles, was die karibische Geographie zu bieten hat – tropische Wälder, atemberaubende Gebirgslandschaften, üppige Vegetation und einige der schönsten Strände dieser Erde. Bekannt geworden ist die sogenannte „Gewürzinsel“ vor allem durch den Export von Muskatnüssen und Gewürzen wie Zimt, Nelken, Ingwer und Kakao. Mittlerweile erwirtschaften die Grenader den Großteil ihrer Einnahmen mit Dienstleistungen – vor Allem durch Tourismus.

Mit einem Bruttoinlandsprodukt (BIP) von etwas mehr als 6.000 Euro gehört Grenada zu den ärmeren Staaten der östlichen Karibik. Etwa 38 Prozent der Bevölkerung leben unterhalb der Armutsgrenze. Zwar kann der Inselstaat im Human Development Index der Vereinten Nationen mit Platz 63 (von 187) eine Platzierung im oberen Mittelfeld vorweisen, trotzdem ist das Land weiterhin von ausländischer Hilfe abhängig. Die Gründe dafür sind vielseitig. Zum einen hängt Grenada sehr stark vom Außenhandel ab, zum anderen hat die Finanzkrise das Land schwer getroffen. Ausländische Investitionen sanken zwischen 2007 und 2010 von 160 Millionen US-Dollar auf nur 60 Millionen US-Dollar, während die Arbeitslosigkeit gleichzeitig rapide von 20 auf 40 Prozent stieg.

Extremwetterereignisse als Folgen des Klimawandels

Doch die Grenader sehen sich einer noch weitaus größeren Gefahr gegenüber. Wie viele kleine Karibikinseln ist auch die Gewürzinsel sehr stark von den Folgen des Klimawandels betroffen. Zwar ist sie auf dem Weltrisikoindex 2012 mit Rang 169 (von 173) als einer der am wenigsten gefährdeten Staaten gelistet, dies erweckt jedoch ein trügerisches Bild falscher Sicherheit. Insbesondere die in relativ kurzer Zeit aufeinander folgenden Hurrikane Lenny (1999), Ivan (2004) und Emily (2005) zeigen die Häufung extremer Wetterereignisse. Besonders der Sturm Ivan war dabei von enormer Zerstörungskraft und traf die unvorbereiteten Grenader mit voller Wucht.

Bis dahin dachten diese noch, ihre Insel läge außerhalb des atlantischen Hurrikan-Gebiets. Aber Ivan fegte mit über 250 Stundenkilometern über die Insel und zerstörte einen Großteil der Plantagen sowie über 85 Prozent der Gebäude und forderte 35 Menschenleben. Von den Folgen hat sich Grenada bis heute nicht vollständig erholt. Vor allem der Export der wirtschaftlich so wichtigen Muskatnüsse lag für lange Zeit brach, da deren Bäume erst nach acht Jahren erstmals Früchte tragen. Zwar gelingt es dem kleinen Inselparadies immer besser, sich von den Naturkatastrophen des letzten Jahrzehnts zu erholen, dennoch muss aufgrund des Klimawandels mit neuen, möglicherweise sogar häufiger auftretenden Gefahren gerechnet werden. Zum Beispiel sind durch den Anstieg des Meeresspiegels während der letzten 20 Jahre mehrere Kilometer Strand sowie einige vorgelagerte Inseln im Meer verschwunden. Auch die ungewöhnliche Trockenheit zwischen November 2009 und Juni 2011 wird auf die Folgen des Klimawandels zurück geführt.

Aus diesen Gründen hat sich das Bundesumweltministerium entschlossen, Grenada bei der Entwicklung und Umsetzung einer umfassenden Anpassungsstrategie zu unterstützen. Im Beisein von Vertretern nationaler und internationaler Institutionen wurde das Programm am 19. April dieses Jahres von Premierminister Keith Mitchell in der Hauptstadt St. George’s offiziell gestartet. Es soll die Insel auf die zu erwartende Zunahme von Extremwetterereignissen, wie Stürmen, Fluten oder Starkniederschlägen, sowie auf den Anstieg des Meeresspiegels vorbereiten. Ziel des Programmes ist es, die Anpassungsfähigkeit der Bevölkerung und Ökosysteme an klimabedingte Risiken zu erhöhen. Dabei soll ein integrativer, sektorenübergreifender Ansatz genutzt werden. Wie das BMU mitteilte, sollen nicht nur punktuelle Maßnahmen umgesetzt werden, sondern auch lokale Aktivitäten mit nationalen Maßnahmen sowie sektorspezifische Erfahrungen mit umfassenden Maßnahmenpaketen verknüpft werden. Außerdem wird die nationale Klimawandelkommission systematische Risikoanalysen entwickeln, um die anfälligen Küstenzonen des Landes „klimawandelsicherer“ zu machen. Ein regionaler Erfahrungsaustausch erfolgsversprechender Anpassungspraktiken soll ebenso gefördert werden

Ein Gemeinschaftsfond soll die Bevölkerung bei kleinräumigen Anpassungsarbeiten unterstützen, um Grenada zu einer langfristigen Finanzierung zu befähigen. Das Bundesumweltministerium hat für die Zusammenarbeit fünf Millionen Euro zugesagt. Das Programm wird gemeinsam von der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) und dem Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (UNDP) umgesetzt.

Florian Titze

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