Die Zukunft von Glyphosat in der Landwirtschaft

Glyphosat
Die Umweltvertäglichkeit des Vernichtungsmittels- Glyphosat ist umstritten. Nutzer finden es aber noch brauchbar.

Wie steht es um die zukünftige Verwendung von Glyphosat? Darüber diskutierten diese Woche die EU-Mitgliedsstaaten in Brüssel. Sollten sie sich für die weitere Verwendung aussprechen, würde dies eine weitere Zulassung von 10 Jahren für das Unkrautvernichtungsmittel bedeuten. Viele Landwirte fürchten sich jedoch vor einer Entscheidung gegen die weitere Verwendung von Glyphosat. Denn in diesem Fall müssten sie auf andere Mittel setzen, die in ihren Augen ihre internationale Wettbewerbsfähigkeit bedrohen würde. Die EU-Kommission fordert eine Mehrheitsentscheidung von den Mitgliedsstaaten. Doch ob diese Erwartung erfüllt wird, bleibt fraglich.

Bereits im letzten Sommer sollte über die weitere Zulassung des Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat entschieden werden. Doch damals kam weder eine Mehrheit für noch gegen die weitere Nutzung des „Total-Herbizids“ zustande. Aus diesem Grund entschied die EU-Kommission damals einen Aufschub der Entscheidung von eineinhalb Jahren und lies das Mittel für diesen Zeitraum weiterhin zu. Ende dieses Jahres läuft die Frist ab, von einer Einigung in diesem Fall sind die EU-Mitgliedsstaaten bisher allerdings noch weit entfernt. Aus diesem Anlass trafen sich diese Woche Vertreter der Staaten um über die wissenschaftlichen Aspekte des Einsatzes von Glyphosat zu diskutieren.

Wie verträglich ist Glyphosat für die Umwelt?

Glyphosat gefährdet auch Vögel und Insekten.

Als Grundlage dieser Debatte dienten verschiedene Studien zur Umweltverträglichkeit des Unkrautvernichters. So hatte die zur Weltgesundheitsorganisation (WHO) gehörende Internationale Agentur für Krebsforschung im März 2015 eine Studie veröffentlicht, die Glyphosat als „wahrscheinlich kanzerogen“, also krebserregend, eingestuft hatte. Eine Studie der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (Efsa) erklärte das Mittel nur wenige Monate später für ungefährlich. Sie verzichtete dabei jedoch darauf, die Forschungsergebnisse, auf die sie sich dabei stützt, offen zu legen. Mehrere Grünen-Abgeordnete des Europaparlaments legten deshalb Klage beim Europäischen Gerichtshof ein und verlangen die die Herausgabe der Forschungsunterlagen. Sie werfen der Efsa vor sich von dem US-Konzern Monsanto, dem Hersteller des meistverwendeten Unkrautvernichtungsmittels Roundup, das Glyphosat enthält, beeinflusst haben zu lassen.

Uneinigkeit in der Bundesregierung

Nachdem diese Studien nun diskutiert wurden, liegt es an den Verantwortlichen der EU-Mitgliedsstaaten diese Ergebnisse einzuschätzen und eine Entscheidung zu treffen. Dass dies jedoch noch einige Zwischenschritte benötigt, zeigt z.B. auch Deutschland: auch hier ist man sich nicht einig. Bundeskanzlerin Angela Merkel sowie Landwirtschaftsminister Christian Schmidt von der CSU sprechen sich für eine weitere Zulassung aus. Denn es gäbe viele Studien „die alle in Summe eine weitere Zulassung von Glyphosat auf europäischer Ebene unterstützen. Und darauf verlasse ich mich“, so Schmidt gegenüber dem ZDF.

Dagegen steht jedoch Bundesumweltministerin Barbara Hendricks. Sie fordert für den weiteren Einsatz strengere Auflagen: „Denn so, wie es jetzt ist, werden alle Pflanzen zerstört – nicht nur die, die eigentlich angesprochen werden“ Sie erinnert daran, dass der Einsatz von Glyphosat auch Vögel und Insekten betrifft: „Die biologische Vielfalt geht kaputt. So kann es nicht bleiben.“ Ebenfalls dagegen sprach sich auch Peter Röhrig aus, Geschäftsführer des Bunds Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW). Auch er erklärte, dass durch den Einsatz des Total-Hebizids Vögel und Insekten zwar nicht getötet werden, dass ihnen dadurch jedoch die Nahrungs- und Lebensgrundlage genommen würde.

Was würde ein Verbot für die Landwirte bedeuten? 

Bauern in ganz Deutschland sehen der Entscheidung mit Spannung entgegen. Sie befürchten eine Einschränkung ihrer Wettbewerbsfähigkeit durch ein Verbot von Glyphosat. „Würden wir uns auf andere Pflanzenschutzmittel umstellen, würde sich die Produktion verteuern und der Markt würde uns das nicht vergüten.“, so Felix Pickert von der Raminer Agrar GmbH. In welchen Mengen man das Mittel inzwischen einsetzt, zeigt eine Studie der Universität Gießen im Jahr 2015: fast 40% der deutschen Ackerflächen werden mit dem Unkrautvernichter behandelt. Die selbe Studie zeigt auch, dass ein Verzicht auf Glyphosat einen Produktionsverlust von 4,3 bis 7,1 Prozent zur Folge hätte. Dabei wären andere Mittel nicht nur teurer, sondern oft auch schlechter.

Dies bestätigt Prof. Christoph Schäfers vom Fraunhofer-Institut für Molekularbiologie und Angewandte Ökologie in Schmallenberg. Er erklärt, dass man, wenn man auf chemischen Pflanzenschutz nicht verzichten möchte, chemische Alternativen bräuchte. Doch diese seien „entweder nicht so wirksam oder toxischer oder es trifft beides zu“. Laut Schäfers könnte man dieses Verbot mit einem Cocktail aus mehreren anderen Unkrautvernichtungsmitteln ausgleichen. Dies würde allerding zu höheren Preisen in der Produktion und somit auch für den Verbraucher führen. Laut Röhrig würde dies zwar „einen gewissen Mehraufwand“ bedeuten, könne aber gelingen und sei vor allem im Sinne des Umweltschutzes notwendig.

Wie sich der Expertenausschuss in diesem Thema entscheidet, werden wir wahrscheinlich erst im Herbst erfahren. Würden sich Deutschland und Frankreich bei der Abstimmung jedoch enthalten, würde die Zulassung von Glyphosat voraussichtlich Ende des Jahres auslaufen.

Quellen: agrarheute, Heute.de, Die Welt