Frankreich im Wandel

Frankreich zählt zu den Vorreitern in Sachen Atomenergie. Im Gegensatz zu Deutschland haben die Franzosen keinerlei Scheu im Umgang mit der Kernenergie. Die Begeisterung für Kernkraft scheint keine Grenzen zu kennen, denn weltweit zählt Frankreich mit 58 Kraftwerken zu den absoluten Spitzenreitern dieser Form der Energiegewinnung. Auch geplanten Neuerrichtungen von Atomkraftwerken steht die französische Bevölkerung gelassen entgegen, keine Proteste wie hierzulande, denn sie haben längst erkannt, dass Atomenergie dem Land eine gewisse Unabhängigkeit verleiht und die Energiekosten auf einem konstant niedrigen Niveau hält.

Um so verwunderliche ist die neuerliche Aussage des französischen Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy, dass es wohl ein Irrtum gewesen sei, erneuerbare Energien derart in den Hintergrund zu rücken. Im Juli vergangenen Jahres kündigte er noch den Bau eines neuen Atomreaktors an, der 2017 ans Netz gehen solle, zwei neue Kraftwerke mit Starttermin 2010 sollten zudem die französische Atomtechnik weiter modernisieren und die steigende Energienachfrage des Landes ausgleichen.

Atomenergie – ein wichtiges Exportgut
Das Fachwissen im Bereich der Atomenergie ist überdies international anerkannt und stellt einen wichtigen Posten der Handelsbilanz Frankreichs dar. Der Export von Atomtechnik, -strom und -dienstleistungen stellt zudem mit jährlich sechs Milliarden Euro tausende von Arbeitsplätzen sicher. Ein Grund mehr, die kürzlich getroffene Aussage zu hinterfragen, warum Sarkozy plötzlich den Rückstand im Bereich der erneuerbaren Energie aufholen möchte.

Parität zwischen Kernenergie und alternativen Energien
Es soll ein Konsens geschaffen werden, zwischen den Ausgaben für Kernkraft und erneuerbaren Energien, um diese zu erhalten und sie unter den Gegnern der Kernenergie tolerierbar zu machen. Bei seinem Besuch im französischen Institut für Solarenergie äußerte sich Sarkozy dahingehend, dass jeder Euro, der für Kernenergie ausgegeben wird, in gleichem Maße in erneuerbare Energien gesteckt werden soll. Woher kommt aber dieser neuerliche Wandel Frankreichs

Potenzial erkannt
Das Potenzial erneuerbarer Energie ist enorm. In den Kernenergiesektor fließen jährlich etwa fünf Milliarden Euro, durch eine Parität der Investitionen zwischen erneuerbaren Energien und Kernkraft könnte die Investitionsfreude in diesem Bereich erheblich gesteigert werden und damit natürlich auch die Handelsbilanz des Landes entsprechend erhöht werden. Zudem dürften zahlreiche Arbeitsplätze in Verbindung mit alternativen Energien geschaffen werden. Alleine im Windenergiesektor, wo in Frankreich zurzeit nur 7.000 Mitarbeiter – Deutschland wartet hier mit rund 90.000 Mitarbeitern auf – beschäftigt sind, wird eine enorme Steigerung erwartet.

Pläne zur Umsetzung
Um die ehrgeizigen Ziele auch durchzusetzen, prüft Sarkozy die bereits existierenden Fördermaßnahmen in diesem Sektor. Das Steuerwesen für erneuerbare Energien soll entsprechend herabgesetzt und Hersteller von „sauberen“ Energieanlagen unterstützt werden. Eine Senkung der Einspeisetarife für Solar- und Windenergie soll bis 2012 ebenfalls nicht erfolgen. Mit diesen Maßnahmen wird der derzeit noch zaghaften Investitionsfreude der Industrie hinsichtlich erneuerbarer Energien entgegengewirkt und großen Industriekonzerne und Banken der Einstieg in erneuerbare Energien schmackhaft gemacht.

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