EU übernimmt Federführung in der Endlagerdebatte

Radioaktiver Abfall; Foto: shutterstock

Noch immer stehen wir vor dem gleichen Dilemma wie vor 38 Jahren, was die Suche nach einem nationalen Endlager für radioaktiven Müll anbelangt.

Im Jahre 1973 begann die Suche nach einem passenden Standort für ein nukleares Entsorgungszentrum. Schon damals zog man Gorleben dafür in Betracht. Und mit Unterbrechungen wird hier seit Ende 2010 wieder geforscht. Vor allem für den hoch radioaktiven Müll ist ein Endlager vonnöten.

Den Großteil macht jedoch der schwach bis mittelstarke radioaktive Abfall aus. Gelagert werden könnte dieses Material ab dem Jahr 2019 im Schacht Konrad bei Salzgitter. Morsleben und Asse sollen dagegen geschlossen werden. Das Bundesamt für Strahlenschutz hat für ersteres die Stillegung beantragt. Und aus dem ehemaligen Bergwerk Asse will das Amt zuerst das radioaktive Material bergen. Auch hierfür muss ein neuer Lagerplatz her.

Mangels anderer Optionen für die Entsorgung, könnte Ende des Jahres ein neues Gesetz in Kraft treten, damit die Endlagersuche auf ganz Deutschland ausgeweitet wird. Da sich die bisherigen Untersuchungen schon über Jahrzehnte hinziehen, ist die Aussicht auf einen neuen Standort aber etwas zweifelhaft.

Doch inzwischen ist auch die Europäische Union zu dem Schluss gekommen, dass Länder mit Atomkraftwerken einen langfristigen Lagerplatz festzulegen haben. Eine neue EU-Richtlinie, die im September in Kraft tritt, drängt die Staaten zu einer Regelung der Entsorgung bis zum Jahre 2015. Das heißt nicht, dass bis dahin die Endlager bereit stehen müssen. Ein betreffender Plan zu Ort, Bau, Geologie und Kontrollmaßnahmen reicht fürs Erste. Auch der Termin der Inbetriebnahme soll angegeben werden. Ohne dessen zeitliche Einschränkunung fehlt es der Bestimmung aber an Dringlichkeit. Mit der Entscheidung legt sich die EU auf eine sicherheitsbedingte Lagerung in der Tiefe fest.

Falls es Deutschland bis 2015 dennoch nicht schafft, einen Arbeitsplan vorzulegen, kann die EU ein Vertragsverletzungsverfahren einleiten. Übrigens muss das Endlager nicht im eigenen Land stehen. Möglicherweise darf sogar ein Land außerhalb der EU in die Pläne einbezogen werden.

In einigen Staaten der EU werden die Pläne „schon“ umgesetzt. So errichten Finnland, Schweden und Frankreich Endlager. Auf der finnischen Insel Olkiluoto wird es voraussichtlich ab 2020 betriebsbereit sein. Das gleiche gilt für Schwedens Atommülldepot. Und in Frankreich umfasst das Lager ein 30 Quadratkilomter großes Areal, welches bis 2025 fertig gestellt sein soll.

Ist die EU-Richtlinie bei den Sicherheitsvorkehrungen selbst sehr zurückhaltend formuliert, so steht sie doch für den Versuch, Licht in die verworrenen Transportwege des Atommülls zu bringen. Zudem hält sich die EU frei, Änderungen in den Plänen zu bestimmen.

Falls sich in Deutschland kein Endlager finden lässt, könnte noch auf die – wenn auch nicht ganz ernst gemeinte – Idee der Sendung extra3 zurück gegriffen werden: Ein europaweites Schienennetz für Endlagertransporte (siehe Video).

Jenny Lohse

 

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