EU schlägt Klimafond zur Unterstützung von Entwicklungsländern vor

Im Dezember soll bei der Weltklimakonferenz in Kopenhagen ein Folgeabkommen für das Kyoto-Protokoll beschlossen werden. Dieses läuft 2012 aus. Eine wesentliche Frage auf dem Weg zu einem ambitionierten Reduktionsziel ist die Lastenverteilung zwischen Industrienationen und Entwicklungsländern.

Letztere argumentieren, dass sie nicht auf technischen Fortschritt und Wohlstand verzichten wollen um das Klima zu schützen. Zurzeit sind sie nur für einen Bruchteil der Treibhausgasemissionen verantwortlich. Damit die Entwicklung einigermaßen klimaverträglich gewährleistet werden kann, sollen die Industrienationen für Klimaschutzmaßnahmen in armen Ländern bezahlen. Ansonsten ist hier ein ähnlich umweltbelastender Entwicklungsverlauf zu erwarten, wie er in heutigen Industrieländern während der industriellen Revolution beobachtet werden konnte. Die Afrikanische Union (AU) deutet im Vorfeld der Kopenhagen-Konferenz bereits an, dass sie Klimaschutzverpflichtungen nicht zustimmen werde, sofern verbindliche Finanzhilfen ausbleiben.

Die Europäische Kommission bewegt sich nun in dieser Streitfrage und schlägt vor, einen internationalen Fond unter dem Dach der United Nations Framework Convention on Climate Change (UNFCCC) einzurichten. Aus ihm sollen Klimaschutzmaßnahmen in Entwicklungsländern finanziert werden. Der Nachrichtenagentur Reuters zufolge spricht sich der britische Premierminister Gordon Brown für einen Rahmen von jährlich 100 Milliarden US-Dollar aus, der auf diesem Wege in die armen Regionen der Welt transferiert werden soll.

Es bleibt abzuwarten, ob sich die Industrienationen auf diesen Vorstoß einigen können. Insbesondere die Lastenverteilung könnte zu Streitigkeiten führen. Außerdem ist nicht klar, ob den Entwicklungsländern diese Summe ausreicht, um Treibhausgasemissionen und Wirtschaftswachstum voneinander zu entkoppeln. Die Afrikanische Union hat sich in dieser Frage noch nicht festgelegt. Experten schätzen allerdings, dass der afrikanische Kontinent jährlich bis zu 200 Milliarden Dollar benötigen könnte.

Oliver Hölzinger

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