Erster Offshore-Windkraftpark in den USA

Ende April hat die US-Regierung den ersten Offshore-Windpark namens „Cape Wind“ vor der amerikanischen Küste genehmigt. Insgesamt 130 Windräder mit einer Leistung von rund 468 Megawatt sollen dafür bis 2012 an der amerikanischen Ostküste gebaut werden.

Das milliardenschwere Projekt wird zwischen der Halbinsel Cape Cod sowie den Ferieninseln Nantucket und Martha’s Vineyard vor der Küste des US-Bundesstaates Massachusetts umgesetzt.

Damit wollen die Amerikaner den Chinesen nacheifern, die wie berichtet bis zum Jahr 2020 100 Milliarden Dollar in die Offshore-Windkraft investieren und eine Gesamtleistung von 30 Gigawatt installieren wollen.

Der deutsche Konzern Siemens hat den Auftrag bekommen, die Turbinen zu liefern. Nach der Faustformel, dass ein Megawatt Leistung etwa eine Million Euro kostet, dürften die Turbinen rund 450 Millionen Euro Umsatz für das Unternehmen bedeuten. Entsprechend will Siemens im Juni dieses Jahres in Boston ein Büro für sein US-Geschäft mit der Offshore-Windkraft eröffnen.

Das Genehmigungsverfahren musste von Anfang an gegen einigen Widerstand aus Cape Cod ankämpfen, wie der englische Guardian berichtet. Vorausgegangen war ein jahrelanger Rechtsstreit. Insbesondere ortsansässige Fischer, Umweltgruppen und Stämme amerikanischer Ureinwohner wie die Wampanoag hatten heftig gegen das Vorhaben protestiert. Letztere hatten geltend gemacht, die Windturbinen könnten spirituelle Zeremonien stören – etwa die Begrüßung des Sonnenaufgangs mit ungehindertem Blick aufs Wasser.

Aber auch die Kennedy-Familie, einflussreiche Industrielle und Tourismusvertreter machten Wind gegen das Vorhaben. Und das nicht ganz uneigennützig: Cape Cod ist vor allen Dingen für seine prächtigen Villen bekannt, die den Reichen und Schönen der amerikanischen High Society gehören.

Die Behörden genehmigten den Bau nur, weil der „öffentliche Nutzen“ der Windkraftanlagen überwiege. Allerdings müssen strenge Auflagen eingehalten werden, um eventuelle Schäden an traditionellen, kulturellen oder historischen Erben so gering wie möglich zu halten.

Daniel Seemann

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