Ein Land ohne Plastiktüten

Wie heißt die sauberste Stadt Afrikas? – An Kigali, die Hauptstadt Ruandas, wird da wohl zunächst kaum jemand denken. Doch seit man in dem ostafrikanischen Land verschiedene Aktionen gegen den allgegenwärtigen Müll gestartet hat, ist der Titel heute gerechtfertigt.

So wird Kigali regelmäßig in gemeinschaftlichen Bürgeraktionen vom Müll befreit, und wer Abfall auf die Straße wirft, muss mit einer Geldstrafe rechnen. Daher erhielt die Stadt bereits eine Auszeichnung der UNO für ihr müllfreies Erscheinungsbild. Ein ganz bedeutender Faktor dabei ist die Tatsache, dass in Kigali und in ganz Ruanda keine Plastiktüten benutzt werden. Wie überall auf der Welt gab es sie, in Massen. Besonders die dünnen Tüten, die meist nur einmal verwendet werden, landen in vielen Ländern aufgrund eines fehlenden Abfallwirtschaftssystems oft einfach auf der Straße und werden vom Wind in die Natur geweht, wo sie viele langfristige Schäden verursachen, eben da sie nicht verrotten.

In Ruanda ist die Politik daher einen radikalen Schritt gegangen: seit inzwischen rund acht Jahren sind Plastiktüten dort verboten. Konsequent müssen auch Einreisende am Flughafen ihre mitgeführten Kunststoffbeutel abgeben. Zwar erinnern die Gepäckkontrollen in ihrer Akribie teilweise an Rauschgiftkontrollen, doch gibt der Erfolg den Maßnahmen Recht. Zwar bestehen auch in den Nachbarländern Uganda, Tansania und ebenso in Kenia inzwischen derartige Gesetze, doch zu merken ist davon nicht viel, eben da dort die konsequente Umsetzung fehlt.

Die Maßnahmen sind nicht nur gut für die Umwelt und ein immaterieller Gewinn für die Menschen, die sich am positiven Stadtbild erfreuen können. Auch die Wirtschaft ist durch das Umweltgesetz gestärkt worden: Die Plastikbeutel sind – da, wo überhaupt notwendig – durch Papiertüten oder Taschen aus Baumwollstoff, Bananenfasern oder Plamblättern substituiert worden. Diese werden im Land hergestellt und zum Kauf angeboten, auch bereits am Flughafen. Auch wird Kigali heute gerne für internationale Konferenzen ausgewählt, eben weil es die sauberere und daher angenehmere Alternative zu Städten wie Nairobi ist.

Nun etabliert sich zusehends auch eine Recyclingindustrie in Ruanda. Seit 2009 bemüht sich die Firma Coped darum, in den Privathaushalten die konsequente Mülltrennung einzuführen, um die verschiedenen Stoffe besser verwerten zu können. Zudem gibt es heute mehrere Recyclingfabriken für Plastik.

Denn abgesehen von den Kunststofftüten, die an den Grenzen Ruandas eingesammelt werden, fallen in dem Land, dessen Wirtschaft boomt, auch jede Menge Plastikverpackungen an. In den Recyclingfabriken wird der Plastikmüll sortiert, gewaschen und getrocknet. Anschließend werden daraus neue Plastikprodukte hergestellt. Denn auch in Ruanda kommt man nicht gänzlich ohne Kunststoff aus. Dass aber die (dünnen) Plastiktragetaschen des Alltags eigentlich völlig überflüssig sind, zeigt das afrikanische Land vorbildlich.

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