Ein bisschen Frieden, ein bisschen Handel

Fairtrade; Bild: shutterstock

Kleinstädte wie Bad Honnef, Dinslaken, Kirchheim unter Teck und Rheda-Wiedenbrück dürfen sich schon so nennen: „Fairtrade Town“. Großstädte wie Hamburg, Berlin und Dortmund würden das gerne auch. Nur haben sie noch nicht alle Kriterien erfüllt, um sich diesen Titel aus dem Marketingdeutsch zu Eigen machen zu können.

Denn das ist gar nicht so einfach. Die Bürgermeister der Kleinstädte haben sich beispielsweise verpflichtet, Besuchern nur noch Kaffee aus fairem Handel zu servieren. Voraussetzung ist auch, dass es solche „fair“ gehandelten Produkte, die die Einhaltung sozialer, wirtschaftlicher und ökologischer Nachhaltigkeits-Standards garantieren, in den Städten in einer bestimmten Mindestzahl von Geschäften zu kaufen gibt.

Nicht nur fair shoppen, sondern auch darüber reden

“Fair” bedeutet, dass sich die Preise der Produkte für die Produzenten an ihren Lebenshaltungskosten orientieren müssen. Oder dass ausbeuterische Kinderarbeit bei ihrer Herstellung ausgeschlossen werden kann. Zu den „Fairtrade Town“-Kriterien zählt auch, dass sich eine „Steuerungsgruppe“ darum kümmert, dass in Schulen und Kirchen nicht nur „fair“ gehandelte Produkte angeboten werden, sondern auch über das Thema geredet wird. Außerdem spielen die Medien eine gewichtige Rolle: „Fairtrade Town“ kann eine Stadt nur werden, wenn in mindestens vier Artikeln pro Jahr über ihre Fairtrade-Aktivitäten berichtet wird.

Viele der Fairtrade-Städte haben bereits eigene Internetseiten online gestellt, auf denen der an fairem Handel interessierte Konsument nachschauen kann, wo es „fair“ gehandelte Produkte in seiner Stadt zu kaufen gibt. Oft sind dies Weltläden, Naturkostläden und Reformhäuser. Aber auch immer mehr Bio-Supermarktketten wie Basic und Alnatura kommen dazu, in denen sich Fairtrade-Produkte kaufen lassen.

Wird eine Konsumnische zum Mainstream?

Fairtrade-Produkte waren bisher hauptsächlich in Öko-Läden erhältlich und tun sich schwer, aus dieser Konsumnische herauszukommen. Obwohl immer mehr Menschen innerlich dazu bereit wären, beim Shoppen Gutes zu tun und zu fairen Preisen einzukaufen, wird beim Einkaufen dann doch wieder auf Heller und Pfennig geachtet. Denn leider kosten fair gehandelte Produkte weit mehr als beim Discounter.

In seinem Jahresbericht 2009 meldet der Verein Transfair aus Köln, dass der faire Konsum seit der Einführung des Fairtrade-Siegels im Jahr 2003 im sechsten Jahr in Folge gestiegen ist. In Deutschland kauften Verbraucherinnen und Verbraucher demnach 2009 Fairtrade-zertifizierte Produkte im Wert von 267 Millionen Euro. Dies entspricht zwar einer Steigerung um 26 Prozent gegenüber dem Vorjahr, ist jedoch nur ein Anfang: Der gesamte deutsche Lebensmittelhandel kam 2009 auf 220 Milliarden Umsatz – also fast das Tausendfache.

Daniel Seemann

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