Die Grünen Hauptstädte Europas

Der European Green Capital Award soll die europäischen Städte dazu anspornen, den Umweltschutz systematisch mit in die Stadtplanung einzubeziehen

Das Logo der Grünen Hauptstädte EuropasIn Anlehnung an das erfolgreiche Konzept der Kulturhauptstadt Europas beschloss die EU-Kommission im vergangenen Jahr ab 2010 jährlich den Titel Grüne Hauptstadt Europas an eine Stadt zu vergeben, die sich in puncto Umweltschutz besonders hervorgetan hat. Die Idee dahinter ist, die städtische Lebensumwelt und damit die Lebensqualität einer großen Anzahl der EU-Bürger zu verbessern. Schließlich sind gerade in urbanen Gegenden die Umweltprobleme besonders deutlich und für jeden unmittelbar sicht- und spürbar: Lärmbelastung, Treibhausgasemissionen mit entsprechenden Auswirkungen auf die Luftqualität, Erzeugung großer Mengen von Müll und Abwässern, hohes Verkehrsaufkommen und zahlreiche weitere Faktoren mit negativem Effekt auf Umwelt und Lebensqualität. Angesichts dessen nehmen gerade regionale und lokale Akteure, allen voran die Lokalverwaltungen, eine entscheidende Rolle beim Klima- und Umweltschutz ein. Viele Städte haben in der Vergangenheit bereits selbst Initiativen entwickelt und umgesetzt sowie Netzwerke aufgebaut und Ideenaustausch betrieben. Solche Bemühungen sollen nun mittels des Titels Grüne Hauptstadt Europas geadelt und dadurch europaweit bekannt gemacht werden.

Für die Auszeichnung sind insgesamt zehn Bereiche mit Umweltbezug maßgeblich: Lokale Gegenmaßnahmen zum globalen Klimawandel, das städtische Verkehrswesen und die Luftqualität, Verfügbarkeit öffentlicher Grünflächen und nachhaltige Landnutzung gehören genauso dazu wie, die Lärmbelastung, Abfallerzeugung und -bewirtschaftung, Wasserverbrauch und Abwasserbehandlung sowie das Umweltmanagement kommunaler Behörden. Im Auswahlverfahren wird unter anderem geprüft, ob die Städte in diesen genannten Bereichen hohen Umweltstandards genügen, ob sie sich laufend ehrgeizige Ziele zur weiteren Verbesserung der Umwelt und zur nachhaltigen Entwicklung setzen und inwiefern sie als Vorbild für andere Städte dienen und zur Verbreitung bewährter Verfahren beitragen können.

Das erste Auswahlverfahren fand im Herbst 2008 statt. Neben der Europäischen Kommission gehören zu dem Gremium, das die Sieger ermittelt, noch weitere europäische Organisationen, wie zum Beispiel die Europäische Umweltagentur oder der Internationale Rat für Lokale Umweltinitiativen (ICLEI). Jede europäische Stadt mit mehr als 200.000 Einwohnern darf am Rennen um den European Green Capital Award teilnehmen. Um die Auszeichnung für 2010 und 2011 bewarben sich 35 Städte. In die engere Wahl kamen Amsterdam, Bristol, Kopenhagen, Freiburg im Breisgau, Hamburg, Münster, Oslo und Stockholm. Im Februar dieses Jahres ernannte die Europäische Kommission schließlich Hamburg und Stockholm zu den künftigen Grünen Hauptstädten Europas. Die schwedische Hauptstadt darf den Titel 2010 tragen, die Hansestadt im Jahr darauf. In Deutschland kann man also gespannt sein, wie Hamburg seine neue Rolle als Multiplikator in Sachen städtischer Umweltschutz ausfüllt. Schon jetzt ist ein Projekt zum Ideenaustausch geplant, das den Namen „Zug der Ideen“ trägt. In Rahmen dieser Kampage sind andere europäische Städte eingeladen, in Hamburg ihre bisherigen Ideen, Erfolge und Pläne in diesem Bereich der europäischen Öffentlichkeit zu präsentieren.

Friederike J. Hoppe

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