Atomreaktor Doel 1 erneut automatisch abgeschaltet

Atomenergie - Reaktor wird abgeschaltet
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Seit 1999 wird in der belgischen Politik um einen Ausstieg aus der Kernenergie gerungen. Nach mehrmaligem hin und her ist momentan ein Ausstieg bis zum Jahr 2025 vorgesehen. Wiederholt auftretende technische Probleme und Notabschaltungen der sieben belgischen Reaktoren führten jedoch zur Sorge um zukünftige Stromengpässe. Doel 1 und 2 sind die beiden ältesten Reaktoren und bekamen deshalb eine Laufzeitverlängerung bis 2025. Am 30. Dezember ging Doel 1 also wieder ans Netz. Nun steht er schon wieder still.

Der älteste Atomreaktor Belgiens, Doel 1, hat sich automatisch abgeschaltet. Die Ursachen sind bisher nicht genau bekannt. Erst am vergangenen Mittwoch ging der veraltete Reaktor, dessen ursprüngliche Laufzeit von 40 Jahren am 15. Februar 2015 geendet hatte, wieder ans Netz. Die Mitte-Rechts-Regierung unter Charles Michel hatte aus Sorge um die Netzstabilität des Landes eine Laufzeitverlängerung bis 2025 beschlossen.

Die Abschaltung von Doel 1 ist der neueste Zwischenfall in einer Reihe von Vorfällen, die das belgische Kernenergieprogramm seit langem heimsuchen und die zu einer Quelle starker Kritik geworden sind – in Belgien selbst und vor allem im Nachbarland Deutschland.

Erst am Freitag den 18. Dezember 2015 war im zweiten belgischen Atomkraftwerk Tihange in Reaktor 1 eins ein Feuer ausgebrochen, das zu einer Notabschaltung führte. Zwar wurde es der Brand rasch gelöscht und laut Angaben des Betreibers Electrabel bestand zu keinem Zeitpunkt Gefahr für den Kernreaktor, Personal, Bevölkerung oder Umwelt, dennoch entflammte harsche Kritik an der Regierung auch die Laufzeit dieses Meilers bis 2025 verlängert zu haben.

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Das insgesamt aus vier Kernreaktoren bestehende Kraftwerk Doel hat seine eigene Historie von Zwischenfällen. Im August 2012 wurde Block 3 aufgrund von Rissen im Reaktordruckbehälter stillgelegt. Nach einer umfangreichen Prüfung die auch den Meiler Tihange 2 betraf wurde der Reaktor jedoch als völlig sicher eingestuft und Anfang Juni 2013 wieder in Betrieb genommen, nur im März des darauffolgenden Jahres erneut heruntergefahren zu werden. Insgesamt wurden 16.000 Risse innerhalb der Druckbehälter entdeckt, was eine Wiederinbetriebnahme eigentlich unmöglich erschienen ließ. Nichtsdestotrotz erteilte die belgische Atomaufsichtsbehörde erneut die Erlaubnis, die betroffenen Meiler wieder hochzufahren. Die vielen Risse stellten kein Risiko für die Sicherheit der Anlage dar.

Doel 3, der zwischendurch ebenfalls abgeschaltet wurde, ging bereits am 21. Dezember wieder in Betrieb, Doel 2 am 24. Schon am 25. Dezember fuhr sich der Reaktor 3 wieder herunter, ein Leck am Kühlsystem. Am 6. Januar 2016 soll er wieder laufen.

Und nun: Die automatische Notabschaltung von Doel 1. Die lange Serie an Vorfällen reißt nicht ab. Hinter der Zukunft des belgischen Kernenergieprogramms steht ein riesiges Fragezeichen. Bürgerinitiativen wie „Stop Tihange“ sind jedenfalls fest entschlossen, das endgültige Ende der belgischen Kernkraft schon vor dem vorgesehenen Ausstieg 2025 herbeizuführen.

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