Anti-Atomdemo am 18. September 2010 in Berlin

Am Samstag, den 18. September 2010, haben zehntausende Menschen in Berlin gegen die geplante Laufzeitverlängerung und das schwarz-gelbe Energiekonzept protestiert. In einer spektakulären Aktion wurde das Regierungsviertel umzingelt. Aus ganz Deutschland waren Demonstranten angereist und machten ihrem Ärger über die Rücksichtslosigkeit der Regierungsentscheidung in Sachen Kernenergie Luft. Rufe nach Neuwahlen wurden laut. Der Konsens war eindeutig: Diese Entscheidung zur Verlängerung der Laufzeiten der Kernkraftwerke spiegelt nicht die Meinung und den Willen des Volkes wider, sondern dient vor allem dem Nutzen und dem Vorteil eines energiewirtschaftlichen Oligopols vierer Großkonzerne.

Die Laufzeiten der Atomkraftwerke sollen um acht bis 14 Jahre verlängert werden. Dies stellt ein untragbares Sicherheitsrisiko dar, nicht nur für die Menschen in unmittelbarer Nähe der Atommeiler. Schon jetzt ist die Endlagerung des Atommülls vollkommen ungeklärt. Die mit dem nun weiterhin anfallenden Atommüll hinzukommenden Schwierigkeiten sind unabsehbar. Vorige Woche erst wurde bekannt, dass in dem einsturzgefährdeten Atommüllendlager Asse zehn mal so viele mittel-radioaktive Abfälle lagern, wie bisher angenommen. In den Salzstock dringt Wasser ein, Umwelt und Menschen sind gefährdet, doch einer Laufzeitverlängerung tut dies keinen Abbruch.

Auch Sicherheitsmängel an den Kraftwerken – etliche Meiler würden einem Terrorangriff oder einem Flugzeugabsturz nicht standhalten – sind für die schwarz-gelbe Regierung kein Grund, wirtschaftliche Interessen zurückzustellen.

Beendet wurde die Demonstration in Berlin mit einer Massenkundgebung auf dem Washingtonplatz. Die Proteste würden weitergehen – man werde sich gegen die Gleichgültigkeit der Regierung gegenüber der menschlichen Sicherheit wehren, hieß es dort. Die derzeitige Regierung erfülle ihre Pflicht als Vertretung des Volkes und damit die ihr übertragenen Aufgaben nicht mehr und müsse die Konsequenzen dafür tragen. Eine Regierung, die sich in ihren Entscheidungen nach wirtschaftlichen Interessen richte, sei keine demokratische Regierung mehr.

Josephin Lehnert

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