Alpenländer wollen dem Klimawandel trotzen

Der Rhône-Gletscher geht seit Jahren stark zurück

Eine gemeinsame Strategie für die Alpenregion – zu diesem Zweck kamen am ersten Dezemberwochenende in Mailand Vertreter von Politik und Verbänden zusammen. Konkrete Ansätze blieben jedoch weiter offen.

Als wichtigsten Schritt für das Konzept, das 2015 vorgestellt werden soll, bezeichnete die EU-Kommission diese Konferenz, zu der sie gemeinsam mit der italienischen EU-Ratspräsidentschaft und der Region Lombardia geladen hatte. Der Konferenz vorangegangen waren die Befragung der Bevölkerung und der Stakeholder der Alpenregionen.

Die EU-Kommission nahm sich federführend der Strategie an, auch wenn zur Alpenregion neben den EU-Ländern Deutschland, Frankreich, Italien, Slovenien und Österreich auch die Schweiz und Liechtenstein gehören. „Der Klimawandel“, so Martin Frick, Leiter des Amts für Auswärtige Angelegenheiten in Liechtenstein, sei „ein Problem, das nicht von einzelnen Staaten gelöst werden könne“. Diesen bekommen die Alpenländer durch das Schmelzen der Gletscher besonders hart zu spüren.

EU-Strategie soll „bottom up“ angegangen werden

Die EU-Konferenz behandelte die Themen Wirtschaftswachstum, Verbindung von Regionen sowie den Schutz von Umwelt und das nachhaltige Management von Energieversorgung und natürlichen Ressourcen. Dabei wurden die Ergebnisse der vorangegangenen Befragungen vorgestellt.

Die Sprecher betonten, dass die Strategie für die Alpenregion „bottom up“, also von unten nach oben, angegangen werden soll. Das endgültige Konzept jedoch wird am Ende von der EU-Kommission vorgelegt werden.

Insgesamt blieben die Aussagen der Sprecher wenig konkret und verbindlich: Ziel sei, eine Makro-Region Alpen zu festigen, Ressourcen, Humankapital sowie Finanzierungen gezielt gemeinsam zu nutzen und Synergien zu schaffen. Mit 70.000.000 Menschen wurde auch der Begriff der Alpenregion sehr weit gefasst.­

Alpengletscher schmelzen schneller als erwartet bigstock-ice-free-bed-of-the-retreating-38165260

Die Bilder des Rhône-Gletschers in den Alpen – vor 100 Jahren und heute – stehen inzwischen sinnbildlich für das Abschmelzen der Gletscher auf der Erde durch den Klimawandel. Von Mitte des 19. Jahrunderts bis Mitte der 1970er Jahre verloren die Alpengletscher im Schnitt etwa ein Drittel ihrer Fläche und die Hälfte ihres Volumens. Seitdem sind weitere 20 bis 30 Prozent abgeschmolzen.

Und die Gletscher schmelzen weit schneller als noch vor einigen Jahren erwartet – Gletscherforscher rechnen mit dem fast vollständigen Abschmelzen noch in diesem Jahrhundert. Damit sind die Alpen die Region in Europa, in der der Klimawandel momentan am sichtbarsten wird.

Das Wasser der Alpengletscher speist Wasserkraftwerke, Stauseen, den Bodensee, die Flüsse Rhein, Po, Rhône sowie Donau-Zuflüsse. Es versorgt nicht nur die direkte Bevölkerung der Alpen mit Trinkwasser, sondern auch das Umland und die Großstädte.

Lösungsansätze für diese Herausforderungen sind dringend notwendig. Vor allem die Themen Trinkwasser und Witterungsextreme bereiten Experten und Bevölkerung große Sorgen. Konkrete Ansatzpunkte für diese wichtigen Probleme blieben die Sprecher der Konferenz allerdings überwiegend schuldig. Lediglich beim Thema Witterung wurde man mit dem Vorschlag gemeinsamer Frühwarnsysteme etwas konkreter.

Bis Juni 2015 plant die EU-Kommission nun auf Grundlage der Ergebnisse der Befragungen und der Konferenz einen Aktionsplan für die Strategie vorzulegen. Inwieweit eine solche Strategie den tatsächlichen Bedürfnissen der Alpenländer gerecht werden kann, bleibt abzuwarten – aus den Brüsseler Büros sind die Alpen dann nunmal leider nicht mehr zu sehen.

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