Zentraler Standort für radioaktiven Müll Australiens in Sicht

Uluru Nationalpark, Northern Territory, Australien

In der Muckaty Station des Northern Territory, die Aborigines beheimatet, soll zukünftig radioaktiver Müll entsorgt werden. Der australische Senat bestätigte im März den Gesetzentwurf und sprach sich damit für einen primären Standort aus. Über die Legimität des Entwurfs wird allerdings noch am Bundesgericht verhandelt. Denn es ist noch nicht entschieden, ob die Lagerung des Mülls an diesem Ort legal ist.

Dem Gesetzentwurf nach können die Besitzer ihr Gebiet anbieten und werden dafür finanziell entschädigt. Zudem erkennt der Entwurf die Muckaty Station auch aus Mangel an Alternativstandorten als Gebiet an. Zu wenig Areale wurden erkundet oder in Betracht gezogen.

Die Vorlage sieht auch vor, keinen radioaktiven Müll aus anderen Staaten anzunehmen. Eine Ausnahme bildet radioaktiver Müll aus Frankreich und Schottland, der 2014 und 2015 zurück verschifft werden soll. Dabei handelt es sich um wiederaufbereiteten Brennstoff aus dem fünften Kontinent.

Umlagerung des radioaktiven Abfalls

Bisher wird das nukleare Material aus Medizin und Bergbau in mehr als 100 Zwischenstationen gelagert. Dazu gehören Universitäten, Krankenhäuser und Laboratorien. Uran wird in Australien zwar nicht energetisch genutzt, denn Kohle ist vorrangig zur Produktion der elektrischen Energie im Einsatz. Doch radioaktiver Müll entsteht auf dem Kontinent in der Medizin, Forschung und Industrie. Vor allem der Abfall aus dem nahe Sydney gelegenen Forschungsreaktor würde die potentielle Lagerstätte füllen. Mit einer Leistung von 20 Megawatt ist die Anlage, die seit dem Jahr 2006 in Betrieb ist, ein Hauptfaktor für den Plan einer zentralen Lagerstätte.

Schon in den siebziger Jahren kam die Idee auf, den radioaktiven Müll an einem Ort zu lagern. Im Jahr 2004 scheiterten Versuche, eine geeignete Stelle zu finden. Der Abfall soll in Fässern gelagert oder einbetoniert werden. Der größte Teil des radioaktiven Mülls ist niedriger Strahlungsabfall. Er soll in Flachgräben abgeladen werden. In Australien wird neben dem gering radioaktiven auch mittelradioaktiver Müll produziert. Dieser entsteht vor allem aus dem Brennstoff des Forschungsreaktors.

Kritik am neuen Gesetzentwurf

Ein australisches Gesetz zum Besitzrecht der Ureinwohner Australiens besagt, dass Landbesitzer bei der Planung einer neuen Infrastruktur konsultiert und entschädigt werden sollen. Die Region ist nicht weit entwickelt und mit einer finanziellen Abfindung von zwölf Millionen Dollar geraten ökologische und gesundheitliche Risiken leicht in den Hintergrund. Die Entscheidung, den Müll im Northern Territory abzuliefern, stößt bei Umweltorganisationen und indigenen Kulturen auf Kritik. Auch der Transport über die lange Strecke birgt die Gefahr von Unfällen und Strahlungsaustritten.

Ein Territorium der Aborigines befindet sich in der Muckaty Station. Beeinträchtigt werden die indigenen Völker neben der Lagerung des Mülls auch durch den Uranabbau, der sich in Australien seit 1954 vollzieht. Bei dem Uranexport steht Down Under hinter Kanada und Kasachstan an dritter Stelle. Hier überschneidet sich der Abbau sowohl mit den Gebieten der Aborigines als auch mit den Naturschutzgebieten.

Es bleibt zu hoffen, dass die Sicherheitsstandards für das Lager des radioaktiven Mülls stärker beachtet werden.

Jenny Lohse

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