Von Bonn nach Kopenhagen

Die UN Klimakonferenz in Bonn – eine weitere Vorbereitung auf Kopenhagen im Dezember – endete am 12. Juni. Wir fragten Christoph Bals, Leiter von GermanWatch, nach den wichtigsten Ergebnissen, und was jeder von uns zu einem Erfolg in Kopenhagen beitragen kann.

Herr Bals, Sie sind seit Beginn der Klimaverhandlungen an jeder Klimakonferenz aktiv beteiligt. Hat es diesmal wesentliche Fortschritte in den Verhandlungen gegeben, und wenn ja, welche waren die Wichtigsten?

Im Prinzip liegen jetzt alle Optionen, die wir für ein ambitioniertes Kopenhagen-Abkommen brauchen, als Verhandlungstext auf dem Tisch. Allerdings stehen diese jeweils neben eher unerfreulichen Optionen. Zentral ist nun, dass die Regierungen – insbesondere der Industrie- und Schwellenländer –
deutlich machen, dass sie den politischen Willen haben, den notwendigen Optionen für Klimaschutz und -anpassung zum Durchbruch zu verhelfen. Dafür sind die nächsten knapp 4 Monate die zentrale Zeit. Beginnend beim G8-Gipfel in Italien, dem darauf folgenden Mayor Economies Forum und dem G20-Gipfel sowie im September bei der Generalversammlung der UN können die Regierungschefs zeigen, ob sie ein Paket wollen, in dem tatsächlich ernsthafter Klimaschutz drinnen steckt.

Wurden in Bezug auf Emissions Reduzierungen schon konkrete Ziele diskutiert?

Verschiedene Länder haben ihre Vorstellungen deutlich gemacht. Aber Klarheit wegen der Zahlen werden wir erst in Kopenhagen bekommen. Erschreckend ist, dass das, was die Industrieländer bisher auf den Tisch gelegt haben, die Emissionen in den Industrieländern bis 2020 lediglich um 14% reduzieren
würde. Japan hat gerade angekündigt, dass die jetzige Regierung ihre Emissionen bis 2020 nur um 8% gegenüber 1990 reduzieren wollen. Das sind gerade mal 2% mehr als sie in Kyoto schon unterschrieben haben. Was wir brauchen, ist eine mindestens 40prozentige Reduktion der Gruppe der Industrieländer bis 2020 gegenüber 1990. Und außerdem brauchen wir erhebliche – von den Industrieländern unterstützte – Aktivitäten in Schwellen- und Entwicklungsländern. Eine Gruppe von NGOs hat in Bonn einen kompletten Kopenhagen-Vertrag vorgestellt – da sieht man, wie das aussehen kann, wenn
genug politischer Wille da ist.

Gab es konkrete Ziele zum Ausbau von erneuerbaren Energien in den Industrieländern?

In dem NGO-Vertrag gibt es auch diese. 75 % der Primärenergie soll bis 2050 aus erneuerbaren Energien kommen – und dazu Zwischenschritte. In den realen Verhandlungen gibt es die bisher nicht. Aber über erhebliche Fördermechanismen für Erneuerbare Energien wird im Rahmen der Technologieverhandlungen schon diskutiert.

Gab es konkrete Ansätze für den Transfer dieser Technologien zu Schwellen- und Entwicklungsländern?

Vermutlich wird das so aussehen, dass die Schwellen- und Entwicklungsländer nationale Pläne aufstellen und dabei auch sagen, welche internationale Unterstützung an Technologie und Finanzen sie für ambitionierte Politikansätze brauchen. Diese Anfragen werden international registriert, geprüft und dementsprechende Unterstützung der Industrieländer organisiert.

Was ist, nach Ihrer Meinung, das Positivste was wir von den Verhandlungen in Kopenhagen erwarten können?

Erhoffen können wir, dass die Konferenz der Kipp-Punkt wird für eine massive Investitionswelle in Erneuerbare Energien, Energieeffizienz und Anpassungstechnologien wird – um so die Klimakrise, die Wirtschaftskrise und die drohende Energiekrise zu bekämpfen. Ob wir das auch erwarten können, werden wir in ein paar Monaten abschätzen können.

Und was ist, nach Ihrer Meinung, das Wichtigste, was wir Weltbürger bis Kopenhagen tun können, um zu helfen, dieses Ziel zu erreichen?

Erstens jedem Politiker sagen, dass er nicht gewählt wird, wenn er nicht ein ganz massives Klimaprogramm unterstützt. Wir haben bald Bundestagswahl. Zweitens den Geldschein als Stimmzettel für den Klimaschutz zu benutzen, vom Ökostrom bis zur Wahl des Verkehrsmittels. Drittens sich am Protest gegen jedes neue Kohlekraftwerk zu beteiligen.

Da sind wir dabei! Herzlichen Dank, Herr Bals. Und uns allen viel Erfolg für effektive Klimaschutz-Aktionen vor Kopenhagen!

Maiken Winter

Link zu dem Entwurf der NGOs: Copenhagen Climate Treaty

 

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