„Wie wir die Welt verändern, wenn wir ein Beispiel setzen“

Almir Narayamoga Surui

Vierzig Prozent des tropischen Regenwaldes liegen in Brasilien, die sogenannte Lunge des Planeten, ein Fünftel davon ist verloren, nochmal so viel beschädigt. Zwischen 1996 und 2005 verschwanden jährlich im Durchschnitt 20.000 Quadratkilometer Wald, das entspricht fast der Fläche von Hessen. Gegen die voranschreitende Zerstörung kämpft der Häuptling Almir Narayamoga Surui – mit Internet, GPS und Google Earth.

Denn nirgendwo wurde in den vergangenen Jahrzehnten mehr Wald gerodet, als in dessen Geburts- und Wohnort Rondônia. Der im Südwesten des Landes gelegene Bundesstaat sieht auf Google Earth aus, als wären große Gebiete einfach wegschraffiert worden: Weiße Flecken kennzeichnen Kahlschlag, nur wenige grüne Flächen weisen verschontes Gebiet auf. Auch das Land der Surui ist inzwischen auf ein Zehntel seiner ursprünglichen Größe zusammengeschrumpft. Und nicht nur Regenwald wurde in großen Teilen vernichtet, auch mehrere Indianerstämme wurden seit den 1960er und 70er- Jahren vertrieben. Gegen diese traurige Entwicklung kämpft seit einigen Jahren der Häuptling Almir Narayamoga Surui.

Grundlage seines Widerstandes ist ein von ihm erstellter 50-Jahres-Plan: Die Surui wollen mit Hilfe anderer Stämme die illegal gerodeten Gebiete aufforsten und schützen sowie alternative Einkommensquellen für die Region erschließen. Die illegalen Rodungen in ihrem Gebiet, mit rund 3000 Quadratkilometern ungefähr so groß wie Hamburg und das Saarland zusammen, können mit Hilfe von Satellitenbildern und GPS ausfindig gemacht und bekämpft werden. Dort haben sie in den letzten Jahren bereits über einhunderttausend Bäume neu gepflanzt.

Aber auch der wirtschaftliche Aspekt kommt in dem mit anderen Volksstämmen abgestimmten Masterplan nicht zu kurz. So sollen die therapeutischen Öle aus dem Copaiba-Baum und andere indigene Arzneien hergestellt und auf den Weltmarkt verkauft werden. Zusätzlich können sie die Millionen Tonnen von Kohlendioxid, die im Amazonas-Regenwald gespeichert sind, beim weltweiten Emissionshandel anbieten. Schließlich liegt der Preis für eine Tonne CO2 bei mehr als fünf Dollar momentan.

Durch sein Engagement, seine Offenheit und das ökonomische Denken ist der Surui-Häuptling inzwischen weltberühmt geworden. Ob bei der UNO in New York, beim Klimagipfel in Kopenhagen oder bei Prince Charles im Buckingham Palace – stets tritt er dabei mit seinem Federschmuck auf und gewinnt somit auf Anhieb die Aufmerksamkeit der Anwesenden. San Francisco hat ihn zum Ehrenbürger ernannt, Al Gore angekündigt, ihn im Dschungel zu besuchen und über Facebook tauscht er sich mit Evo Morales aus, dem indianischen Präsidenten Boliviens.

Wer sich so vehement in einem wirtschaftlich interessanten Gebiet für den Umwelt- und Naturschutz einsetzt, lebt jedoch auch gefährlich. Im vergangenen Jahrzehnt wurden mehrere Indio-Anführer erschossen. Vor allem bei den benachbarten Stämmen der Cinta Larga und den Uru-Eu-Wau-Wau, aber auch den Surui waren Opfer zu beklagen. Unter ihnen überwiegend Menschen, die Proteste und Straßenblockaden gegen weiße Bauern in ihren Reservaten und Goldgräber in ihren Flussbetten, organisiert hatten. Dies bedeutete Millionen an Umsatzverlusten für die Unternehmer. Auch Almir erhielt Drohungen, E-Mails, Telefonanrufe, auch Kopfgeld wurde bereits von Holzfällern auf ihn ausgesetzt.

Doch der Häuptling kämpft weiter denn „Wenn der Wald stirbt, sterben auch die Surui. Aber die Welt braucht den Wald. Also braucht sie auch uns, die Wächter des Waldes.“

Die Surui und ihr Kampf gegen die Rodung des Regenwaldes ist auch Thema des Dokumentarfilms „Children of the Amazon“ von Denise Zmekhol.

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