Sima Samar – Botschafterin der Frauenrechte im Nahen Osten

Die Demokratie ist in Afghanistan noch lange nicht angekommen. Nach fast 13 Jahren NATO-Kampfeinsatz herrscht noch immer Unruhe im Land. Besonders die Rechte der Frauen und Kinder sind unzumutbar. Tagtäglich kämpfen Aktivisten und Entwicklungshelfer für eben jene Demokratisierung des Landes. Eine von ihnen ist Sima Samar – die Menschenrechtlerin ist Afghanistans effektivste Waffe, wenn es um den Krieg für mehr Freiheit geht.

Sima Samar ist selbst in Afghanistan geboren und aufgewachsen. Sie studierte Medizin an der Universität Kabul und wurde schließlich 1984 zur Ärztin. Während des sowjetischen Einmarschs in Afghanistan verschwand ihr Ehemann plötzlich und tauchte nicht wieder auf. Bis heute weiß Sima Samar nicht, was mit ihm geschehen ist. Nach diesen Geschehnissen hielt sie es in ihrem Heimatland nicht länger aus. Es war viel zu unsicher geworden durch die Sowjets und so floh sie nach Pakistan. Dort arbeitete Samar in einem afghanischen Flüchtlingslager als Ärztin und gründete im Jahr 1987 ein Hospital für afghanische Frauen und Kinder. Das Krankenhaus befand sich in der Grenzstadt zu Afghanistan Quetta.

Das Märtyrium

1989 gründete Sima Simar die Organisation „Shuhada“, was so viel wie „Märtyrer“ bedeutet. Mit der Shuhada Organisation kämpft sie um das Wohlergehen und den Fortschritt der afghanischen Bürger, aber vor allem um die Stärkung der Rolle der Frauen und Kinder. Gesundheit, Bildung, Menschenrechte, die Stärkung der Frauen und Demokratie sind Hauptaugenmerk und Mission der Organisation und werden von dem Slogan „Working for a better tomorrow“ („Arbeiten für eine bessere Zukunft“) unterstützt. Durch das Engagement von Sima Samar wurden bereits über 100 Schulen und 15 Krankenhäuser in Afghanistan und Pakistan gebaut, welche sich um die Gesundheitsversorgung und Bildung für die afghanischen Bürger und im Besonderen um Frauen und Mädchen kümmern. Die Organisation bietet außerdem noch Ausbildungen in den Bereichen Gesundheitshilfe, Krankenpflege und Geburtshilfe an, um Frauen die Chance zu geben, einen Beruf zu erlernen. Frauen haben mittlerweile auch die Möglichkeit, Englisch zu lernen, IT-Kenntnisse zu erwerben und an Alphabetisierungsprogrammen teilzunehmen. Für bedürftige und gefährdete Frauen wurden Frauenhäuser gegründet. Deren Ziel ist es, Frauen zu ermöglichen durch Bildung und Ausbildung ein eigenständiges Leben zu führen und sich selbst versorgen zu können.

Frauen unter dem Regime der Taliban

In der Zeit von 1996 bis 2001, der Regierungszeit der Taliban, wurden den Frauen in Afghanistan immer mehr Rechte genommen. Unter dem Vorwand, den Frauen ein sicheres Umfeld zu schaffen, wurden diese gezwungen in Zurückgezogenheit zu leben. Das bedeutet insbesondere die Verschleierung des gesamten Körpers mit einer Burka und oft verbreitet sind auch Gesichtsschleier wie der Tschador. Die Verschleierung dehnte sich aber aus bis hin zur Abschottung nach draußen. So durften Frauen nicht ohne einen männlichen Begleiter auf die Straße, es war ihnen nicht einmal mehr erlaubt, allein einen Arzt zu konsultieren. Arbeiten und zur Schule gehen war ebenso untersagt, zumindest wurden die Mädchen bis zum achten Lebensjahr unterrichtet – doch der Unterricht beschränkte sich nur auf die Lehren des Korans. Kurz gesagt, der Lebensstil der Frau wurde massiv radikalisiert durch den Regierungswechsel der Taliban.

Sima Samar lebte fast 20 Jahre als Ärztin in Pakistan und versuchte dort den geflüchteten Frauen und Kindern zu helfen, indem sie ihre durch Männerhände zugefügten Wunden versorgte und ihnen eine neue Bleibe in Pakistan fand. Im Herbst 2001 dann, als das Regime der Taliban gestürzt wurde, kehrte sie in ihre alte Heimat zurück und kämpft seither für die Demokratisierung von Afghanistan. Politisch begann Sima Samar aktiv zu werden, als sie nach ihrer Rückkehr zur Ministerin für Frauenangelegenheiten in der afghanischen Regierung ernannt wurde. In diesem Amt war sie eine der fünf Stellvertreter des Präsidenten Hamid Karzai. Im Jahr 2002 gab sie ihren Rücktritt bekannt, um die afghanische Menschenrechtskommission zu bilden und das Amt der Vorsitzenden zu übernehmen. Die Kommission hat die Aufgabe, die Achtung der Menschenrechte zu beaufsichtigen, sie zu stärken und vor allem zu schützen. Bei Verletzung der Menschenrechte soll bei der Kommission Beschwerde eingereicht werden, um dann die Fälle weiter an die zuständigen Rechtsbehörden zu leiten. Trotz stetiger Morddrohungen bleibt Sima Samar eisern im Kampf um die Rechte von Frauen und Kindern. Besonders die Zwangsverheiratung von Kindern will sie endlich stoppen. Die Menschenrechtskommission von Sima Samar ermittelte, dass noch immer 70 Prozent der Ehen in Afghanistan Zwangsehen sind. Obwohl ein Gesetz das Verheiraten von Mädchen unter 16 Jahren untersagt, sind 60 Prozent der verheirateten Frauen jünger.

„Wer etwas erreichen will, muss Risiken eingehen.“

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Für ihren Einsatz wurde sie schon oft geehrt, unter anderem mit dem International Human Rights Award und zuletzt im Jahre 2012 mit dem Right Livelihood Award („Alternativer Nobelpreis“). Auch für den Friedensnobelpreis wurde Sima Samar wiederholt nominiert. Trotz langsamer Entwicklung in Afghanistan, verliert die Ärztin nicht die Hoffnung und ihren Willen: „Ich wünsche mir Bildung für alle Afghanen. Ich wünsche mir, dass unsere Mädchen und Jungen verantwortungsvolle Weltbürger werden. Das ist mein Traum. Und ich wünsche mir Gleichheit. Wir kommen aus unterschiedlichen Provinzen, wir gehören zu verschiedenen Volksgruppen, aber wir sind alle Afghanen. Wer etwas erreichen will, muss Risiken eingehen. Ich bin bereit.“  

Lara Kösesoy

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