Perspektivwechsel: Yann Arthus-Bertrand zeigt die Welt von oben

Das aus der Vogelperspektive aufgenommene, von der Natur in die Vegetation gemalte Herz ist wohl das berühmteste Foto von ihm. Der Franzose Yann Arthus-Bertrand gilt als der bedeutendste Luftbild-Fotograf der Gegenwart. Seine Bilder zeigen, wie atemberaubend schön unsere Erde ist. Etwa, wie viele Farbnuancen die Landschaften der Welt haben und welche Formenvielfalt. Doch ebenso wird mit den Fotos sichtbar, wie fragil unser Planet ist. Gerade aus der Luft wird oft besonders offensichtlich, welche Ausmaße die Naturzerstörung durch uns Menschen bereits angenommen hat.

Unter dem Motto „es ist zu spät für Pessimismus“ geht Yann Arthus-Bertrand dagegen an und ist daher heute nicht mehr nur herausragender Fotograf, sondern auch rastloser Umweltaktivist.

Schon früh war Arthus-Bertrand an der Natur interessiert. Zwar war er zwischenzeitlich als Regieassistent, Schauspieler sowie auch als Sportfotograf tätig, doch studierte der 1946 geborene Franzose eben auch Biologie. 1976 begab er sich gemeinsam mit seiner Frau Anne auf eine ausgedehnte Forschungsreise nach Kenia. Über drei Jahre hinweg studierten und fotografierten sie das Verhalten einer Löwenfamilie im Nationalpark Massai Mara. Um in dieser Zeit den nötigen Lebensunterhalt zu verdienen, war Arthus-Bertrand dort parallel als Pilot eines Heißluftballons für Touristen im Einsatz – und entdeckte damit auch sein Faible für die Fotografie aus der Vogelperspektive.

Fotoprojekte verschiedenster Art folgten; er arbeitete für renommierte Zeitschriften wie Geo oder National Geographic.

Das Projekt zum MilleniumYann Arthus-Bertrand

Als 1992 die Rio-Konferenz stattfand, kam ihm die Idee eines Fotoprojekts, das ihn schließlich berühmt machte: Zum Milleniumsjahr 2000 wollte er einen Bildband herausbringen, der ein umfassendes und aktuelles Portrait der Erde zeigt – natürlich aus der Vogelperspektive. Das Buch ‚Die Erde von oben. Ein Jahrhundert-Projekt.’ wurde ein voller Erfolg, rund drei Millionen Mal wurde es gekauft. Auch die Wanderausstellung mit ausgewählten Fotos des Buches sowie der 2004 ausgestrahlte Kinofilm zum Buch waren sehr gut besucht.

2005 gründete der Fotograf die Nichtregierungsorganisation Goodplanet, die vier Jahre später in eine Stiftung umgewandelt wurde. Die Ziele der Goodplanet Foundation laut Webseite: Das Umweltbewusstsein in der Öffentlichkeit soll gesteigert und zu einem zentralen Anliegen werden. Zudem soll die Stiftung zum aktiven Mitarbeiten an dieser globalen Aufgabe anregen und dabei das Gemeinschaftliche, das friedliche ’Zusammen-Leben’ fördern.

Zum letztgenannten Aspekt hat Arthus-Bertrand ein separates Projekt gestartet: Menschen rund um den Globus werden zu ihrem Leben interviewt. Mit 45 immer gleichen Fragen werden sie etwa zu ihren Träumen, Ängsten und Hoffnungen befragt. So sind inzwischen mehr als 6.000 Video-Interviews zusammengekommen und unter www.7billionothers.org (7 Milliarden Andere) abrufbar. Ebenso kann man sich dort mit den eigenen Antworten beteiligen. Die vielen Portraits sollen aufzeigen, was uns Menschen weltweit eint und was uns trennt. Diese Erkenntnisse sieht Arthus-Bertrand als einen Schlüssel zu mehr Miteinander der Menschen – auch dies ein Aspekt einer globalen nachhaltigen Entwicklung.

Doch damit nicht genug. Der rastlose Umweltaktivist startete weitere Projekte, wie den im Jahr 2009 veröffentlichten Film Home. Mit diesem ausschließlich aus Luftbildaufnahmen entstandenen Film wollte er erneut auf die Schönheit unserer Erde, ebenso wie die Veränderungen aufgrund des Klimawandels aufmerksam machen. Um möglichst viele Menschen zu erreichen, kam der Film nicht nur in die Kinos, sondern zeitgleich auch ins Fernsehen; auch im Internet war und ist er gratis anzuschauen.

Weitere Filmprojekte

Zum Anlass der Rio+20-Konferenz entstand im Jahr 2012 der Film Planet Ocean, welcher sich mit dem Lebensraum Meer auseinandersetzt. Auch hier werden sowohl faszinierende als auch erschreckende Bilder unserer Weltmeere gezeigt.

Das Filmprojekt, an dem der Botschafter des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP) aktuell arbeitet, heißt Human. Es soll den Film Home und die Interviews aus dem Projekt 7 Milliarden Andere zu einem neuen Ganzen zusammenfügen. Ab 2015 soll der Film zu sehen sein.

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Im Juli 2013 eröffnete der Fotograf mitten in Paris sein Offenes Atelier. Hier können sich Interessierte über seine Arbeitsweise und die Technik, mit der seine Fotos entstehen, informieren.

Nähere Infos zu den vorgestellten sowie diversen weiteren Projekten von Yann Arthus-Bertrand und seinen Mitstreitern einschließlich vieler toller Fotos finden sich auf seiner Homepage (http://www.yannarthusbertrand.org) (überwiegend auf Englisch, Französisch und Spanisch).

 

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